Wie jede Woche werfen wir auch am heutigen Donnerstag einen Blick in die Vergangenheit und sehen uns einen alten Text von mir an. Der Folgende erschien am 5. Mai 2017 zum ersten Mal auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. So will ich nach und nach alle Texte von mir an einer Stelle versammelt wissen. Außerdem ist es interessant, die alten Texte durchzugehen.
Die folgende Besprechung von Ultimate Spider-Man ist ebenfalls die Letzte. Zwar habe ich noch mehr Comics von Spider-Man besprochen, doch mit der Ultimate-Reihe geht es damit zu Ende. Es war die Zeit, in der ich nicht mehr ganz so viel geschrieben habe und der Blog langsam endete. Ich habe 2017 auch angefangen, für Rogues Portal zu schreiben, einen amerikanischen Blog. Mein Fokus lag damit eher bei diesen Texten.
Meine Blogging-Karriere hat 2014 mit dem Ziel angefangen, die Ultimate Spider-Man-Reihe zu besprechen. Es ist beeindruckend, zu sehen, wo das Ganze schlussendlich hingeführt hat. Vielleicht bedeutet mir deshalb der Charakter so viel, weil er mich schon so lange auf einer ganz bestimmten Reise begleitet. Spider-Man-Comics waren die ersten Comics, die ich als Kind gelesen habe, und ihnen waren die ersten Texte gewidmet, die ich für meinen Blog schrieb. Der Text fängt zwar damit an, dass es der Beginn einer neuen Ära ist, aber in gewisser Weise ist es ebenso ein Ende eines Abschnitts. Mögen noch viele weitere Abenteuer, jedweder Art, kommen.
Der Beginn einer neuen Ära. Nicht nur übernimmt Stuart Immonen als Zeichner von Mark Bagley, auch in der Geschichte wird sich zukünftig einiges ändern. Dies hängt nicht nur mit S.H.I.E.L.D. und dem Goblin zusammen, sondern mit so manchen Dingen, die während dieser Storyline vorfallen. Also fangen wir am besten gleich an. Wie immer gilt: Spoiler voraus!
- Ultimate Spider-Man Vol. 19: Death of a Goblin
- Ausgaben: #112-117
- Erscheinungsdatum: 2008
- Autor: Brian Michael Bendis
- Künstler: Stuart Immonen
- Inks: Drew Hennessy
- Colors: Richard Isanove, Justin Ponsor
- Letters: VC’s Cory Petit
Es ist schon erstaunlich, wie ein komplett anderer Zeichner zwar das grundlegende Design einer Welt übernehmen kann, das Aussehen sich allerdings trotzdem fundamental ändert. Mark Bagley hat vorgelegt, wie Ultimate Spider-Man aussehen soll, aber Immonen findet trotzdem seine eigene Interpretation davon. Was ich an Mark Bagleys Zeichnungen besonders gerne mochte, waren die Nahaufnahmen von Gesichtern, die er während Dialogen zur Schau gestellt hat. Dies macht Stuart Immonen zwar ebenfalls, aber doch anders. Ich bin mir nicht sicher, wie ich es beschreiben soll. Aber nach über 100 Ausgaben ist es nicht überraschend, dass man sich erst an den neuen Look gewöhnen muss.
Was Immonen ebenfalls anders macht, ist, dass er Figuren, insbesondere Spider-Man selbst, realistischer darstellt. Realistischer insofern, als er Peter nicht ganz so dünn und mager zeichnet, wie es noch Bagley getan hat. Dies gefällt und ist eine willkommene Neuerung. Alles in allem mag ich den neuen Stil und freue mich auf die nächsten Geschichten, besonders wenn es zu neuen Gegnern kommt, die Stuart Immonen dann neu designen und in die Welt einfügen kann. Anfangs wird er sich wahrscheinlich noch mehr an Balgeys Vorgaben halten. Mit der Zeit aber immer mehr den eigenen Weg finden. Insofern ist ein weiterer Vergleich der beiden nicht fair und sollte vermieden werden. Beide interpretieren das Ultimate-Universum eben anders.
Was die Geschichte betrifft, werden wir mit einem kontroversen Thema konfrontiert, das mich zuvor schon beschäftigt hat. S.H.I.E.L.D. kümmert sich, wie wir wissen, um alle Supervillains, die gefangen werden. Sie sperren diese in extra dafür vorgesehene Zellen. Dass diese allerdings ohne jegliche Verhandlung auf unbestimmte Zeit festgehalten werden, verstößt gegen so einige Menschenrechte, die, so schwer es auch sein mag zu akzeptieren, auch Bösewichten wie Norman Osborn zustehen. Als dieser schließlich ausbricht und vor Kameras tritt, spricht er genau dies an. Natürlich wird die Wahrheit dabei etwas gedehnt, wenn es zu dem Unfall kommt, der ihn zu dem Monster gemacht hat, das er heute ist. Ich habe mich an dieser Stelle gefragt, wieso er denn nicht schon früher ausgebrochen ist und was er in der Zelle so lange getrieben hat.
Es passt durchaus zu der Geschichte, dass Bendis nicht wirklich eine Antwort oder eine finale Entscheidung dafür liefert, wie denn nun Bösewichte in Zukunft zu behandeln sind. Dies ist ein Thema, das wir sicherlich noch das ein oder andere Mal erwähnt sehen. Besonders, wenn es zu S.H.I.E.L.D.s momentaner Führung kommt. Denn Nick Fury ist verschwunden. Er scheint nicht gestorben zu sein, sondern lediglich nicht mehr auf der Erde zu verweilen. So hat Captain Carol Danvers das Zepter übernommen. Sie macht ohne Umschweife auch gleich ein paar Fehler, die nicht unbedingt nachvollziehbar sind. Es ist zwar lustig und unterhaltsam, ihr dabei zuzusehen, wie sie mit den schwierigen Situationen umgeht, die Nick Fury Tag täglich meistern musste, doch eines stört mich dann doch:
Wie bereits in einem der letzten Reviews angesprochen, demaskieren Freunde von Spider-Man den Wandkrabbler immer wieder. Selbst wenn sie nur mit ihm reden wollen oder scheinbar sein Bestes im Sinne haben. So demaskiert ihn Danvers im HQ von S.H.I.E.L.D., wo er zwar bekannt ist, aber trotzdem muss man ihm nicht gleich einen Teil seines Kostüms klauen. Außerdem sperrt sie ihn, angeblich zu seinem eigenen Schutz, in eine Zelle, ohne auch nur irgendetwas zu erklären. Kann sie sich denn gar nicht in ihn hinein versetzen? Immerhin ist er noch ein Jugendlicher. Dies ist etwas, was man vielleicht bisweilen vergessen mag, doch Peter ist noch sehr jung und manches lässt sich dann doch nicht so schnell verarbeiten und man überschätzt den Helden oft. So schätze ich es dann doch sehr, wenn wir subtil darauf hingewiesen werden, wer denn hier unter der Maske steckt.
Ebenso weiß ich zu schätzen, dass vergangene Ereignisse aufgegriffen werden. So leidet MJ an einer Art PTBS, als sie den Goblin auf einem Fernsehbildschirm entdeckt. Ähnliches kann man bei der Interaktion zwischen Peter und Osborn, als auch Harry und Osborn erkennen. Es sind stimmungsvolle und spannende Szenen, die perfekt in diese Welt passen. Vor allem werden hier diejenigen belohnt, die, wie ich, die Reihe von Anfang an lesen und so die kleinen Anspielungen und Easter Eggs verstehen. Dieses Verständnis mag zwar nicht unbedingt notwendig für die Geschichte sein, bietet dann allerdings ein wenig mehr Tiefe.
Death of a Goblin ist eine sehr persönliche und intime Geschichte, die so einige Handlungsstränge zu Ende führt. Besonders gefällt die Inszenierung des finalen Kampfes zwischen Vater und Sohn mit einem mehr als tragischen und traurigen Ende. Etwas, was man in dieser Form vielleicht gar nicht so sehr gewohnt ist von der Reihe. Eventuell spielt diese Begegnung bereits auf das Ende an, welches der ersten Inkarnation von Ultimate Spider-Man bevorsteht.
Ich bin sehr gespannt, wie es in der nächsten Handlung weitergeht, die ja etwas positiver gestimmt zu sein scheint. Immerhin lautet deren Titel: Spider-Man and his amazing friends.