Ich habe mir für die nächsten Monate ein Ziel gesetzt. Ob dieses Ziel so umzusetzen ist und ich mich daran halten kann, sei einmal dahingestellt. Aber ich mag die Idee dahinter, da es mir erlaubt, mich auf neue Spiele einzulassen und nicht alten, zugegebenermaßen, fantastischen und epischen Erlebnissen nachzuhängen. Das Ziel ist schlicht, keine Spiele zweimal zu spielen. Zumindest nicht direkt hintereinander. Sondern, wenn ich erst einmal damit durch bin, sie gut und gerne ein Jahr liegenzulassen und dann, wenn ich wirklich möchte, einen neuen Durchlauf zu starten.
In den vergangenen Monaten war ich mir immer wieder unsicher, welches Spiel ich denn in Angriff nehmen möchte. Es gab immer noch Dinge, die ich in Elden Ring machen und ausprobieren wollte, und in Lies of P habe ich trotz meiner beiden Durchgänge, die beide toll waren, nur ein Ende gesehen. Mein aktueller »MCU Rewatch« hätte fast dazu geführt, dass ich die drei bisher erschienenen Spider-Man-Spiele (Spider-Man, Miles Morales und Spider-Man 2) erneut in Angriff genommen hätte, was wahrscheinlich eher ein Automatismus als wirkliche Leidenschaft gewesen wäre. Aber was hindert mich daran, mich wirklich auf etwas Neues einzulassen?
Ich denke, es geht in eine ähnliche Richtung wie bei Filmen. Ich höre und verfolge gerne Diskussionen rund um verschiedene popkulturelle Themen; bleibe gerne auf dem Laufenden. Dazu gehören natürlich auch Rezensionen und Meinungen zu Filmen, Spielen oder Serien. Zwar bin ich stets bestrebt, entsprechende Quellen aufzusuchen und zu verfolgen, die Positivität ausstrahlen, aber gewisse negative Meinungen sind unumgänglich. Es gefällt eben nicht allen alles. Es geht eben darum, wie man diese Meinungen äußert und gegen wen. Erst durch mannigfaltige, nuancierte Meinungen entstehen spannende Diskussionen. Doch selbst wenn man sich nur auf solche differenzierten Meinungen einlassen will und nur solche verfolgt, kommt man doch nicht umhin, die Gegenseite dessen ebenfalls wahrzunehmen.
Wenngleich es nur eine Minderheit ist, die sich beispielsweise über eine non-binäre Person in Dragon Age: The Veilguard aufregt, so schreit diese Minderheit doch sehr laut. Dazu tragen natürlich ebenso die einschlägigen Medien bei, die sich von dieser hetzerischen Minderheit einen Diskurs aufzwängen lassen, der eigentlich keiner ist. Es gibt genug andere Spiele, denen man sich zuwenden kann, wenn mir eines nicht gefällt, dann spiele ich es eben nicht. Kein Grund, sich künstlich aufzuregen. Und wenn man keinen non-binären Charakter spielen will, dann tu es einfach nicht. Dafür gibt es einen Charakter-Editor, mit dessen Hilfe man sich besagten spielbaren Charakter so hindrehen kann, dass es einem passt. Aber ich schweife ab.
Es ist eben nicht immer einfach, sich solchen Diskussionen zu entziehen, vor allem wenn man selbst queer ist und zu der Community gehört, die in diesen Kommentaren angegriffen wird. Das trübt manchmal die Freude an der Sache. Spiele sollen doch eine Ablenkung sein, sie sollen unterhalten und im Idealfall natürlich auch die Personengruppen abbilden, die es in der Realität gibt. Das kann man auf eine eher faule Art machen, wie The Veilguard oder aber auf sehr kreative Weise und in die Fantasy-Umgebung einbauen, die man erschaffen hat. Wie alles im Leben ist auch das ein Spektrum.
Durch meinen MCU Rewatch, über den ich jeden Samstag hier auf dem Blog berichte, habe ich wieder gelernt, Filme zu lieben und die Meinung anderer darüber weitgehend auszublenden. Das muss ich auch für Spiele wieder lernen. Wir sind uns des Einflusses anderer vielleicht nicht immer so bewusst, wie sie unser Denken manipulieren und unsere Meinungen prägen. Reflektiv damit umzugehen und die eigene Meinung immer wieder auf die Probe zu stellen, tut da manchmal ganz gut. Denn, und das mag für manche Menschen ein regelrechter Schock sein, man kann sich auch mal irren, falschliegen. Das ist nichts Schlechtes. Es ist etwas Gutes, denn man hat etwas gelernt.
