Captain America ist der erste Film im MCU, der einen Zeitsprung in die Vergangenheit wagt. Bis auf Rückblenden oder seltenen Einträgen wie Captain Marvel bleibt diese Technik weitgehend einzigartig im MCU – zumindest wenn mich meine Erinnerung nicht trügt. Sie sind eher darauf bedacht, die Geschichte des MCU fortzuerzählen. Wobei man die tatsächliche Chronologie der Abläufe sehr viel ernster nehmen kann. So gibt es Listen im Internet zu finden, die nicht nur die Post-Credit-Szenen der Filme aufschlüsseln und die seltenen Kurzfilme von Marvel einbetten, sondern auch noch sämtliche Episoden von Serien in eine richtige chronologische Reihenfolge bringen. Das wirkt aber furchtbar anstrengend, etwas so anzuschauen. Da bleibe ich doch lieber bei den Filmen als Ganzes und ihrer Reihenfolge der Veröffentlichung.
Was bis heute an Captain America beeindruckt, ist die digitale Veränderung von Chris Evans in der ersten Hälfte des Films. Nicht nur wird seine Statur kleiner, sondern er ist entsprechend dünn und mager. Das Ergebnis kann sich sehen lassen. Die Proportionen wirken in keiner Szene falsch oder seltsam. Es wirkt nicht überborden oder fake, sondern passt sich gekonnt in die Szenarie ein. Die Interaktionen mit den anderen Schauspieler*innen, deren Blickrichtungen und alles, was dazugehört, ist stimmig. Wenn man den Studios, die für das CGI verantwortlich sind, ausreichend Zeit gibt, dann bekommt man so ein Ergebnis, das sich Jahre später noch sehen lassen kann.
Wie auch bei den bisherigen Filmen ist die Besetzung des Films überragend. Tommy Lee Jones als Colonel Phillips, Stanley Tucci als Dr. Erskine und Hayley Atwell als Agent Carter ergänzen sich hervorragend. Alle drei, auf ihre eigene Weise, wollen, dass das Supersoldier-Programm erfolgreich ist. Im Laufe des Films mag ich ihre Entwicklung und besonders Phillips beweist später eine Menschlichkeit und ein Vertrauen in Captain America. Aber besonders mag ich es, wenn Charaktere kleine Gesten oder Handlungen in Szenen bekommen, die das auf subtile Art unterstreichen. So ist es bei Phillips eine der letzten Szenen des Films, wo er Agent Carter den Raum allein überlässt, während sie und Steve Abschied nehmen.
Auf der anderen Seite haben wir Hugo Weaving als Red Skull und Toby Jones als Arnim Zola. Weaving verkörpert den Red Skull mit einer regelrechten Inbrunst und scheint Spaß an der Rolle zu haben. Er dominiert jede Szene, in der er agieren darf, und versprüht eine Machtbesessenheit, die Welt zu erobern. Die Technologien, die der Tesseract ermöglicht, sind so größenwahnsinnig, wie der Schädel von Skull rot ist.
Captain America gehört zu einem meiner absoluten Lieblingsfilme des MCU. Die Geschichte ist unterhaltsam, die Charaktere sind mit viel Herz geschrieben und verkörpert, und es stimmt einfach das Gesamtpaket. Chris Evans ist Captain America, da führt kein Weg daran vorbei. Manche Charaktere mag man neu besetzen können, wenn es mit dem Schauspieler nicht mehr funktionieren sollte, aus welchen Gründen auch immer, aber jemand anderen als Captain America zu sehen wird für Jahre sehr schwer sein. Genauso wie Hugh Jackman der einzig wahre Wolverine ist, gilt das auch für Chris Evans als Captain America.