Yeehaw äh Yazio

Das Thema Ernährung beschäftigt mich in den vergangenen Wochen wieder etwas intensiver. Eigentlich beschäftige ich mich schon mein Leben lang damit. Aber aktuell begegnen mir häufiger Texte (speziell bei den Krautreportern), die sich mit dem Thema beschäftigen. Natürlich beschäftigt sich der Arnold Schwarzenegger Newsletter »The Pump« regelmäßig damit, und auch anderswo ist das Thema brandaktuell. Besonders in der Advents- und Weihnachtszeit kommt es mir so vor, als ob die Bemühungen intensiviert werden, über Ernährung zu sprechen. Das kommt wahrscheinlich von den unterschiedlichen Traditionen, wie diese Jahreszeit essenstechnisch verbracht wird.

Bei den Diskussionen und Texten geht es selbstverständlich um Übergewicht, Abnehmen und so weiter. Aber es geht ebenso dahin zu fragen: warum wir überhaupt essen, wann wir essen oder wenn wir essen? Es ist kein Geheimnis, dass die Menschheit schwerer wird, und das liegt nicht unbedingt daran, dass wir immer mehr werden. Wir werden individuell auch immer mehr. Da liegt es nahe, sich immer mal wieder mit dem Thema auseinanderzusetzen und selbst darüber zu reflektieren. Denn nur weil etwas Gewohnheit ist oder sich scheinbar gut anfühlt, heißt es nicht, dass es gut für einen ist. Besonders dann, wenn man selbst denkt sowieso kein Problem zu haben oder es doch eh weiß, ist es manchmal nicht schlecht, eigene Muster zu hinterfragen.

Ich mache selbst immer mal wieder gerne Experimente. Sei es Intervall-Fasten, penibler darauf zu achten, was ich esse oder mir neue Rezept-Ideen einzuholen. Aktuell nutze ich dafür beispielsweise die Yazio-App, die mir in der Vergangenheit bereits gute Dienste geleistet hat. Ich denke, viele Menschen, wie auch ich, haben teilweise ein Problem damit, Portionsgrößen richtig einzuschätzen. Dass eine Tüte Chips vielleicht nicht unbedingt einer Portion entspricht, mag jetzt einleuchtend und selbstverständlich klingen. Bei so manch anderen Dingen, die man im Supermarkt entdeckt und mitnimmt, ist das nicht immer ganz so einfach.

Wenn man dann die Dinge mit einer App, wie eben Yazio abscannt, sieht man wirklich, was eine Portionsgröße ist und wie vielen Kalorien das entspricht. Kalorien sind natürlich nur ein Annäherungswert. Bas Kast erklärt in seinem Buch »Der Ernährungskompass« eingehend, wie der Körper manche Lebensmittel verarbeitet und die Kalorienzahl dafür nicht immer ein aussagekräftiger Wert sein kann. Wie immer gilt bei der Ernährung, wie in anderen Lebensbereichen: Es ist sehr individuell und man muss für sich selbst herausfinden, was gut ist und welche Form der Ernährung passt.

Trotzdem ist das Hinterfragen immer eine gute Idee. Theresa Bäuerlein hat dazu auf Krautreporter immer wieder tolle Artikel parat (zwei habe ich unten verlinkt). In letzter Zeit beschäftigt sie sich eingehend mit dem Buch »The Hunger Habit« von Judson Brewer und den darin vorkommenden Themenbereichen. Ich möchte mir das Buch ebenfalls besorgen und lesen, es klingt sehr spannend und informativ. Zum einen geht es unter anderem darum, nicht mehr so exzessiv über Essen nachzudenken und zum anderen, ob wir überhaupt das essen wollen, was wir täglich in uns hineinstopfen. Auf die Details möchte ich hier nicht eingehen, die Artikel von Theresa Bäuerlein sind hervorragend geschrieben und recherchiert. Und ein Krautreporter-Abo lohnt sich sowieso immer.

So manches von unserem Verhalten geht oft auch darauf zurück, wie wir über uns selbst, aber auch über andere reden. Manches Mal hat ein einfacher, unschuldig gemeinter Kommentar größere Auswirkungen, als man beabsichtigt. Der Autor und Blogger Matthew Dicks postet an jedem Ersten des Monats seine Liste an Jahresvorsätzen und wie der Stand ist. Ein Punkt, der mir nicht mehr aus dem Gedächtnis geht, ist: »Ich werde mich weder positiv noch negativ über das Aussehen einer Person äußern, außer über meine Frau und meine Kinder, um den Fokus auf das Aussehen in unserer Kultur insgesamt zu verringern.« (Übersetzt mit Unterstützung von DeepL)

Es ist ein wunderbarer Vorsatz, den sich mehr Menschen vornehmen könnten. Ich versuche das selbst ebenfalls in meinem Alltag zu berücksichtigen. In Anbetracht der Nutzer*innen von Social Media, wie Instagram, TikTok und dergleichen, scheint dies allerdings eine weit entfernte Utopie zu sein. Bilder werden schon lange nicht mehr nur mit Photoshop ausgebessert oder manipuliert, sondern mit Hilfe von Filtern und KI „gefälscht“ oder sie sind überhaupt nicht mehr echt. Das schafft eine wahnsinnige Kluft, eine unüberbrückbare Diskrepanz zwischen Erwartungen, Anforderungen sowie Anspruch an die einzelne, normale Person und dem, was realistisch ist. Die Realität kann eben nur schwer mit einer scheinbar idealisierten, manchmal fiktiven Welt mithalten.

Eigentlich wollte ich nur über die Yazio-App schreiben und dass ich sie gerade sehr gerne verwende. Ich zähle nicht akribisch alle Kalorien, aber als Richtwert und dergleichen eignet sie sich wunderbar. Außerdem sind die Rezepte darin gut. Ich habe schon so manches nachgekocht und Smoothies probiert. Es bringt neue Ideen ins alltägliche Kochen, und man kann vorgeschlagene Rezepte sowieso immer modifizieren. Aber die obigen Abschweifungen zeigen, dass Essen eben ein sehr vielschichtiges Thema ist. Man kann sich ihm von unterschiedlichsten Seiten annähern. Reflexion und Hinterfragen der eigenen Gewohnheiten sind eine Sache. Es ist aber ebenso wichtig, unterscheiden zu können, was ich wirklich selbst möchte und was mir eventuell von der Gesellschaft eingeredet wird.

Texte von Theresa Bäuerlein:

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