Breaks gehört zu den frühesten Webcomics, die ich entdeckt habe. Es ist leider nicht mehr ganz nachvollziehbar, wann ich den Comic von Emma Vieceli & Malin Ryden entdeckt habe. Aber das Kickstarter-Projekt zum zweiten Volume habe ich 2019 unterstützt, das heißt, ein paar Jahre davor muss ich mir Volume 1 gekauft haben. Und davor habe ich den Comic via der Tapas-App gelesen und verfolgt.
Es gibt immer wieder Dinge im Leben, seien es Filme, Serien, Comics, Spiele oder Podcasts, die einem viel bedeuten. Man trägt sie im Herzen mit sich herum, auch wenn man sie nicht (mehr) regelmäßig verfolgt. Es müssen nicht einmal qualitativ hochwertige oder gute Dinge sein, vielleicht haben sie uns in einem Lebensabschnitt erwischt, wo wir genau so eine Geschichte gebraucht haben. Vielleicht haben uns die Charaktere an einem wunden Punkt erwischt und schon wird man sie so schnell nicht mehr vergessen. Ich glaube, Breaks ist für mich so eine Geschichte. Wobei hier noch hinzukommt, dass es ein fantastischer Comic ist, der nicht nur eine mitreißende Geschichte erzählt, sondern auch noch kreativ umgesetzt ist.
Was bei Breaks gleich auffällt, wie bei den meisten Comics, weil es sich immerhin um ein visuelles Medium handelt, ist der Zeichenstil. Breaks kommt ohne Farben aus und ist in einem grau-grünen Olivton gehalten. Man sieht die Kernfarben der Protagonisten Cortland Hunt und Ian Tanner, was sie tragen und so weiter, anhand der Titelseiten und anderer Artworks. Doch die Welt, in der sie sich bewegen, die Schule, ihre beiden Zuhause und Freunde muss man selbst mit eigenen Ideen und Farben füllen. Ich finde es immer wieder toll, wenn Autorinnen und Künstlerinnen solche Methoden anwenden, um die Leser*innen tiefer in die Geschichte hineinzuziehen. Man ist involvierter in das Ganze.
Doch worum geht es? Cortland Hunt ist trotz seiner jungen Jahre bereits ehemaliger erfolgreicher Boxer, musste aber aufgrund diverser Vorfälle ausscheiden. Ian läuft für sein Leben gerne, aber hat leider so manche schlechten Einflüsse in seinem Leben, die ihm nicht gerade guttun. Doch wie sich herausstellen wird, ergänzen sich Hunt und Ian optimal, wissen sich zu unterstützen. Ihre angehende Beziehung ist nicht gerade leicht, denn immer wieder gibt es Menschen, die ihnen nichts Gutes wünschen oder vergangene Ereignisse, die sie belasten. Doch die beiden sind dermaßen liebenswürdig geschrieben und gestaltet, ihre Chemie wunderbar und sie funktionieren einfach nur toll miteinander. Es macht Freude, trotz diverser Rückschläge, ihre Geschichte zu verfolgen und auf ein Happy End zu hoffen.
Wenn es um queere Geschichten geht, dann mag ich es, wenn es Feel-Good-Erzählungen sind. Sprich, wenn sich die (meist klischeehaften) Probleme der Charaktere in Grenzen halten und man sich auf die angehende Beziehung konzentrieren kann. Sie in ihrer individuellen Reise verfolgt. Aber eine Geschichte, völlig losgelöst von Konflikten, funktioniert nicht. Es braucht Konflikte, wie auch immer diese aussehen mögen, um es für die Leser*innen spannend zu machen. Denn erst, wenn die Protagonisten Hindernisse überwinden und Rückschläge wegstecken können, aus Herausforderungen vielleicht siegreich und aber auf jeden Fall stärker hervortreten, wie der Phoenix aus der Asche, wiegen die positiven, schönen Momente umso größer und besser.
Welche Konflikte und Möglichkeiten es gibt, eine Geschichte spannend zu erzählen, haben wir uns in den vergangenen Wochen immer wieder angesehen.
Breaks sticht hier vielleicht noch einmal besonders heraus, da es sich um eine Geschichte handelt, die vor Gewalt nicht zurückschreckt; sowohl physischer als auch psychischer Natur. Es ist zwar schon eine Weile her, seit ich den Comic das letzte Mal gelesen habe, allerdings kann ich mich an die emotionalsten Momente noch hervorragend erinnern. Es lohnt sich, Breaks eine Chance zu geben. Wie Cortland und Ian selbst wird man gestärkt und motiviert aus diesen Erlebnissen herausgehen.
Wenn dieser Text hier erscheint, sind es nur noch wenige Tage, bis das letzte Volume von Breaks erscheint. Zwar hätte ich mir gewünscht, dass es auch zu diesem Band eine Kickstarter-Kampagne gäbe, aber ich bin schon um eine gedruckte Version des Comics froh. Ich habe davon abgesehen, den Comic auf Tapas fertig zu lesen, da ich wirklich das Hardcover in Händen halten wollte. Ich bin schon sehr gespannt, wie die Geschichte enden wird. Die letzten Tage vor dem Erscheinen des finalen dritten Bandes werde ich unter anderem dafür nutzen, mein Gedächtnis etwas aufzufrischen und die beiden Vorgänger erneut zu lesen.