Geek-Planet: East of West – The Promise

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 18. September 2016 das erste Mal auf meinem damaligen Blog Geek-Planet. Diesen gibt es allerdings nicht mehr. Trotzdem sollen irgendwann alle meine Texte auf meinem Blog hier zu finden sein. Deshalb gibt es jede Woche einen kleinen Blick in die Vergangenheit.

Ach, East of West. Dieser Comic hat mich damals so sehr begeistert, es lässt sich kaum in Worte fassen. Es ist die Ausstrahlung von Jonathan Hickman, die diesen Comic so besonders macht. Jonathan Hickman weiß, wie man gute, aber auch komplexe Geschichten erzählt. Er verwendet Karten, Graphen und Abbildungen, um seine kreierten Welten zu erläutern, realer wirken zu lassen und den Leser*innen näherzubringen. Sie machen die Welt greifbarer.

East of West ist einer meiner Lieblingscomics von Jonathan Hickman. An diesem stimmt fast alles. Seine Kollaborateure sind fantastisch und heben die Geschichte auf ein Level, mit dem ich nicht gerechnet habe. East of West strahlt eine Coolness aus, die man nur selten in Geschichten erlebt. Jede Seite ist großartig gestaltet und man kann es kaum erwarten weiterzulesen. Ich habe damals auch immer wieder von vorn angefangen zu lesen, weil man beim ersten Mal nicht alles mitbekommt. Man überliest Dinge, vergisst Details und verliert sich in den tollen Dialogen. Gute Geschichten zeichnen sich auch dadurch aus, dass man sie öfter lesen kann, ohne dass es langweilig wird. Die Reise an sich ist Belohnung genug. East of West ist eine solche Geschichte.


Wenn mich Charaktere immer wieder zu begeistern wissen, dann sind es die vier Reiter der Apokalypse. Verbunden mit Jonathan Hickman als Autor, kann man dann nichts anderes machen, als zuzugreifen. Deshalb habe ich mir gleich das 15 Ausgaben umfassende Hardcover-Buch gekauft, mit dem wunderbaren Titel: »The Apocalypse: Year One«. In den nächsten Wochen präsentiere ich also Reviews zu den drei enthaltenen Story-Arcs.

  • Ausgaben: #1 bis #5
  • Jahrgang: 2013
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

“I can’t fathom the reasonin’ behind it. Why Death would chase the living, when they all reach him soon enough.” – Witch

Hickman hat East of West mit dem Ausspruch beworben: »The Things that devide us are stronger than the things that unite us« (»Die Dinge, die uns trennen, sind stärker als die Dinge, die uns vereinen«). In der Krise und kurz vor dem Weltuntergang sieht jeder nur auf seinen eigenen Teller und möchte sich nicht auch noch mit anderen beschäftigen müssen. Machtspiele, Konflikte und Intrigen sind Elemente, die dazu führen, dass sich die Welt selbst vernichtet. Die vier Reiter nehmen dabei lediglich die Figuren von Ratgebern ein, um diese Tendenzen zu verstärken.

Die Geschichte East of West spielt in der Zukunft. Wir befinden uns zum Großteil im Jahre 2064. Mitten in der Wüste, an einem mystischen Ort, stehen die apokalyptischen Reiter wieder auf. Doch etwas ist schiefgelaufen. Nur Famine (Hungersnot), Conquest (Eroberung) und War (Krieg) sind die einzigen, buchstäblichen Kinder der Apocalypse, die erneut das Licht der Welt erblickt haben. Death (Tod) fehlt.

In der ersten Story-Arc lernen wir nicht nur die wichtigsten Charaktere der Geschichte kennen, sondern auch das Land, indem die Geschichte spielt. Auf dieser Sci-Fi-Erde, gemischt mit vielen Elementen aus diversen Western, hat sich ein komplexes Machtkonstrukt entwickelt. Wie genau dieses zusammengesetzt ist, kann ich noch nichts beschreiben. Jedenfalls befinden wir uns im ehemaligen Gebiet der Vereinigten Staaten von Amerika. Aber die genaue Aufteilung davon und wie die Machtverhältnisse der einzelnen Parteien aufgeteilt sind, wird sicherlich in den nächsten Ausgaben klarer werden. Die Regierenden von Teilstaaten werden als »Chosen« (Auserwählte) bezeichnet und es gibt eine Art Präsidenten, der alles überwacht. Doch die drei jungen Reiter sind mit ihm nicht zufrieden und töten alle in der Rangfolge, bis sie auf eine Frau stoßen, die ihren Ansprüchen genügt. Die an sie glaubt. Die an »The Message« glaubt.

Bei »The Message« handelt es sich um eine alte Prophezeiung, die eine wichtige Rolle spielt. Sie dient als eine Art Leitfaden für das, was noch kommen wird. Eine Anleitung für das Ende. Interessant ist an dieser Stelle, dass sie nicht von einer Person geschrieben wurde, sondern drei Menschen in unterschiedlichen Jahrzehnten diese Schrift immer weiter geführt haben, bis sie komplett war. Wenn man dieses Instrument richtig zu interpretieren weiß, kann es ein mächtiges Werkzeug sein.

Wohin uns die Geschichte führen wird, ist mir bisher noch nicht ganz klar, genauso wenig die Absichten der Reiter. Bisher ist alles auf ein Machtspiel zwischen den Teilstaaten aus. Da die Reiter die Union kontrollieren, wollen sie mit ihrer Hilfe wahrscheinlich die Kontrolle über die Welt erlangen.

Death, das erfahren wir auch relativ früh, ist nicht auferstanden, weil er gar nicht gestorben ist. Er hat das überlebt, was die anderen auch immer vernichtet haben mag und ist weiterhin diese ehrfürchtige Gestalt, die mit zwei Hexen durch die Wüsten reitet. Bei seinen Helfern handelt es sich um mächtige Magier, die sich in Krähen bzw. in Wölfe verwandeln können. Daher auch deren Name Crow und Wolf. Warum sich Death wirklich von den anderen abgewandt hat, kann man an dieser Stelle nur vermuten, allerdings spielt Liebe eine überraschend wichtige Rolle. In New Shanghai ist seine Geliebte gefangen. Mit seinen beiden Hexen macht er sich also auf den Weg dorthin, um sie zu befreien. Interessanter Punkt an ihrer Beziehung ist, dass sie sehr viel Macht und Einfluss auf ihn hat. Das macht den Charakter mit dem Namen Xiaolian, sehr Furcht einflößend und bedrohlich.

Die visuelle Gestaltung des Comics ist sehr überzeugend. Death und seine beiden Anhänger sind in reinem schwarz-weiß gehalten, womit sie nicht zu dieser Welt zugehörig scheinen. Sie sind etwas anderes, vielleicht besseres, aber auf jeden Fall älteres. Sie wandeln gefühlt seit Jahrhunderten durch die Gegend. Auch die Städte sind sehr individuell gestaltet. Alle haben ihre Eigenheiten, seien sie in Schluchten gebaut, riesige Metropolen oder komplett in Schwarz gehüllt. Dazu kommt die matte Farbgebung – einfach perfekt.

Am Ende des Handlungsbogens wird dann noch etwas Grausames offenbart. Death und Xiaolian haben ein Kind. Dieses wurde ihnen genommen und in eine Einrichtung gesperrt. Angeschlossen an eine gewaltige Apparatur, die unmenschlich und grausam wirkt, wird es großgezogen und ist ständig am Lernen. Gefangen in einer virtuellen Realität, die es nicht verlassen kann.

East of West hat mich bisher auf voller Länge überzeugt. Die komplexe Geschichte mit Intrigen, Affären und Machtspiele ist nicht nur unterhaltend, sondern auch visuell beeindruckend. Außerdem ist das dicke Hardcover-Buch wunderschön und qualitativ hochwertig gestaltet.