Ich sollte …

In einem Podcast, den ich letztens gehört habe, ich glaube, es war The Pod, ging es darum, ob Spiele nicht eigentlich Zeitverschwendung sind. Ein ziemlich interessantes Thema. Es gibt immer wieder unterschiedlichste Vorwürfe zu den verschiedensten Zeitvertreiben. Entweder es wird generell als Zeitverschwendung deklariert oder als kindisch. Als Comic-Fan musste ich mich schon des Öfteren dafür verteidigen, dieses ausschließlich für Kinder wahrgenommene Medium als Erwachsener noch zu konsumieren. Auch jetzt wollte ich schon damit anfangen, was es nicht alles für Horror-Comics gibt und Geschichten, die ich keinem Kind in die Hand geben möchte. Aber das ist ein Reflex, den ich mittlerweile gut zurückhalten kann. Wenn jemand einfältig genug ist, ein gesamtes Medium als kindisch abzustempeln, ist das das Problem dieser Person.

Aber darum geht es mir eigentlich nicht. Es geht mir eher um das Thema Zeitverschwendung. Ich habe das Gefühl und das kam auch bei dem Podcast-Gespräch auf, dass wir die Erwartung haben, immer produktiv sein zu müssen. Es gibt unzählige Online-Kurse, YouTube-Videos und Bücher, die sich damit beschäftigen, immer noch produktiver zu werden. Ich verstehe zugegebenermaßen nicht ganz, wie man einen YouTube-Kanal zu dem Thema betreiben kann, ohne wahnsinnig zu werden. Wenn man wirklich alle diese Techniken anwenden würde, die vorgeschlagen werden, ist das mit Sicherheit mehr als ein Vollzeit-Job. Alleine die ganzen Morgenroutinen, die es gibt, würden den halben Tag dauern. Wenn ich diesen Personen erzählen würde, dass meine »Morgenroutine« unter der Woche gerade einmal 15 Minuten dauert, bis ich aus dem Haus und in die Arbeit gehe, würden sie wohl verzweifelt in Embryonalstellung am Boden liegen.

Gewisse Sachen effizienter gestalten zu wollen, ist ja in Ordnung. Man kann im Alltag manches optimieren und besser machen, damit es einfacher von der Hand geht. Doch es muss nicht immer alles auf Produktivität ausgelegt sein. Die meisten von uns arbeiten in irgendwelchen Jobs, die sowieso schon voll sind mit Zielen, die erreicht werden wollen, Projekten, die umgesetzt werden müssen und dergleichen, da muss man nicht auch noch die Hobbys in diese Richtung drängen. Denn genau das ist Freizeitbeschäftigung, die kein Geld einbringt: ein Hobby. Manchmal scheint mir das etwas unterzugehen.

Der Sport wird mit Smartwatches optimiert und auf das bestmögliche hingetrimmt. Natürlich kann man sich Ziele setzen und einen Marathon laufen wollen. Ein gewisser Druck ist da wahrscheinlich notwendig, um dieses Ziel zu erreichen. Trotzdem darf die Freude am Laufen und der Spaß am Sport nicht darunter leiden, sonst ist es kein nachhaltiges Ziel. Oder mein Blog-Projekt hier. Natürlich habe ich ein tägliches Ziel zu schreiben, aber darüber hinaus darf es nicht zu einem negativen Stress ausarten; einer Deadline, die mir jeden Tag im Nacken sitzt und mir ein schlechtes Gewissen macht. Natürlich will ich gewisse Schreibprojekte und Reihen umsetzen, wie meinen wöchentlichen Text zum »MCU Rewatch«, meine »Geek-Planet«-Texte oder dergleichen. Aber wer außer mir ist sauer, enttäuscht oder bestürzt, wenn ich es mal nicht schaffe, diese Textreihen einzuhalten? Niemand, außer mir, weil ich mir etwas eingeredet habe. Eine imaginäre Produktivitätsleistung, die mir im Grunde nur im Weg steht, als meinen kreativen Output zu fördern.

Ähnliches habe ich mir letztens auch gedacht, als mein Urlaub vergangenen Freitag anfing. Das Wochenende war eher verregnet, ich war erschöpft und hatte keine Lust, etwas anzureißen. Also bin ich am Samstag einfach nur mal meine typischen eineinhalb Stunden spazieren gegangen und habe Podcasts dabei gehört. Den restlichen Nachmittag/Abend habe ich viel YouTube oder Twitch geschaut und am SteamDeck Elden Ring gespielt. Dazwischen Pizza und Kekse gegessen. Einen mehr oder weniger faulen Tag genossen. Ich hätte stattdessen natürlich Texte schreiben können oder noch mehr trainieren oder etwas anderes »produktiveres« mit meiner Zeit anfangen können. Aber ich habe eben genau das gebraucht, um meine Batterien wieder etwas aufzufüllen. Am Sonntag habe ich dann diesen Text hier geschrieben, weil es mir etwas unter den Fingern brannte und ich unbedingt etwas zu virtuellem Papier bringen wollte. Die beiden Tage haben sich also gut ergänzt.

Ob es Zeitverschwendung ist, Elden Ring zum x-ten Mal durchzuspielen oder Twitch zu schauen, das müssen ehrlich gesagt andere beurteilen. Solange es mir Freude bereitet und ich nicht den ganzen Tag nur vor dem Fernseher herumhänge, ist es auch nicht so tragisch, mal ein paar Stunden damit zu verbringen. Es geht eher darum, die Waage zu halten, zwischen den Dingen, die einen persönlich voranbringen (in welcher Art das auch immer sein mag) und den Phasen, in denen man sich eine kleine Auszeit gönnt. Im Englischen gibt es unter anderem den Begriff des »guilty pleasure« (wörtlich übersetzt: schuldiges Vergnügen). Ich mag den Begriff nicht, weil er unterstellt, man müsse sich schuldig fühlen, sich schämen oder dergleichen. Das ist mir zu negativ. Es geht im Grunde um das große Ganze, das stimmen muss.