Back on the road

Einen Tag nach meinem Geburtstag im Jahre 2005 fing alles an. Fünfzehn Staffeln, 327 Episoden und Millionen von Zuschauer*innen und Fans: Supernatural. Ich bin mir nicht einmal sicher, warum ich mich so sehr auf diese Serie einschieße. Na ja, eigentlich weiß ich es doch. Es ist der gleiche Grund, warum mir Stargate so sehr gefällt: Mythologie. Egal, ob griechisch, ägyptisch, nordisch oder verschiedenen Religionen entnommen, Mythen und Sagen haben es mir angetan. Die eigentlichen Geschichten lese ich zwar kaum, doch wenn sie in Filmen, Serien oder Spielen vorkommen, dann kann ich einfach nicht anders, als der Geschichte eine Chance zu geben. So auch bei Supernatural.

Geschickt haben Erik Kripke und sein Autor*innen-Team unterschiedlichste Horrorelemente und religiöse Einflüsse zu einer konsistenten und tiefgreifenden Geschichte ausgebaut. Kripke trat nach der fünften Staffel als Showrunner zurück, da seine Geschichte der Winchester Familie zu Ende erzählt war. Jedoch sollte sie noch 10 Jahre weiter laufen. Jede Staffel habe ich mit Spannung verfolgt. Die ersten fünf sogar des Öfteren angesehen. Ab Staffel 13 (wenn ich mich recht erinnere) war für mich allerdings die Reise zu Ende. Vielleicht weil ich eine zu lange Pause eingelegt hatte, bis die 13. Staffel über meinen Fernseher lief. Vielleicht war einfach die Luft raus oder das Leben kam dazwischen.

Als ich für diesen Text nachgesehen habe, wie viele Episoden insgesamt erschienen sind, wurde mir erst bewusst, dass selbst das Finale der Serie schon wieder vier Jahre zurückliegt. Gefühlt kam die Diskussion um das Ende und alles, was damit zusammenhängt, erst vor einem oder zwei Jahren auf. Vier Jahre erscheinen mir gefühlt zu lange. Aber es sind Corona-Jahre dabei. Zeit war in da sowieso ein abstraktes Konzept, das sich nicht wirklich greifen ließ. Selbst das Erscheinen der kompletten Bluray-Box liegt schon drei Jahre zurück. Aus irgendeinem Grund fühlte es sich in den vergangenen Wochen jedoch plötzlich sehr präsent an.

Diese ominöse Box, die sämtliche Staffeln der Serie enthält, inklusive allem Bonusmaterial und mehr, kam mir immer wieder unter. Werbung funktioniert eben doch, wenn sie den richtigen Nerv trifft. Außerdem eignet sich die dunklere Jahreszeit sowieso, um Spiele zu spielen und Serien zu schauen. Zudem erscheint Supernatural gerade auf Netflix oder wurde dort zumindest vor ein paar Wochen veröffentlicht. Das war nicht unbedingt ein positiver Start, da Netflix aus rechtlichen Gründen ein zentrales Element der Serie ändern musste: die Musik.

Wer Supernatural gesehen oder auch nur ein paar Episoden verfolgt hat, weiß, dass Musik ein essenzielles Element der Serie ist. Songs, die jede Staffel rahmen oder die den Charakteren wichtig sind. Die für running gags sorgen oder immer wieder an bestimmte Situationen erinnern. Oder sie sind einfach nur cool und passen perfekt zu Sam, Dean und der gesamten Atmosphäre der Serie. Wenn man dann dieses Element verändern muss (weil scheinbar übersehen wurde, die Streaming-Rechte für die Songs zu sichern) ist es nicht mehr dieselbe Serie. Ich kenne die Details nicht und weiß nicht, wie viel sie wirklich ändern mussten. Ich habe über die Jahre viele Playlisten bei den unterschiedlichsten Musik-Streaming-Diensten mit diesen Songs gefüllt und immer wieder angehört. Allein der Gedanke daran, dass auch nur ein einziger Song verändert wird, fühlt sich falsch an.

Aus diesem Grund musste ich mir die Bluray-Box besorgen. Es ist das Bewahren eines Zeitdokuments, so wie es vom Schöpfer und den späteren Showrunnern gedacht war. Wenn, dann will ich Supernatural im Original, mit den passenden Songs, sehen. Vielleicht fange ich bald mit einem Rewatch an oder erst in ein paar Wochen oder Monaten. Aber die Box musste ich mir sichern. Bevor es wie bei Stargate SG-1 ist und die Bluray-Box in unerschwingliche, preisliche Höhen weg driftet. Und Supernatural sollte ebenso seinen angestammten Platz im Wohnzimmer einnehmen. Es gibt eben Geschichten und Erzählungen, wiederkehrende Konzepte oder Ideen, die einen das ganze Leben über verfolgen. Supernatural gehört für mich zu diesem Kanon an Medien, die mir wichtig sind und die sich vergleichsweise einfach bewahren lassen. Spiele werden vielleicht inkompatibel und manchen Dingen entwächst man oder sie verschwinden in den Äther der Erinnerungen. Doch genauso gibt es Zeitloses, das sich immer wieder genießen lässt.