Am Samstag war ich ein letztes Mal dieses Jahr mit Freund J. in Salzburg unterwegs. Ich hatte schon die Hoffnung, dass es vielleicht in der Stadt nicht ganz so zugehen würde. Immerhin sind die Feiertage vorbei, manche sind unterwegs oder bei Verwandten, was man eben so macht zwischen den Jahren. Doch die Hoffnung auf eine ruhigere Stadt wurde bereits auf der Zugfahrt zunichtegemacht. Bereits in Oberdorf war der Zug sehr voll und wurde im Laufe der Fahrt nur noch gefüllter. In Salzburg selbst sah es ähnlich aus.
Allerdings war es ein herrlich sonniger Tag. So wie es die vergangenen Tage über stets der Fall war. Da muss man natürlich raus und wer kann es den anderen Menschen schon übel nehmen, dass sie einen solchen Tag in der schönsten Stadt verbringen wollen. Der Dom wurde herrlich angeleuchtet und von der Seite des Mönchsbergs bot sich ein wunderbarer Blick über Salzburg. Eingekehrt sind wir dann auch gleich beim Stieglkeller. War der dortige, kleine Wintergarten früher noch ein Geheimtipp, so ist er es nun scheinbar nicht mehr. Den letzten Platz, etwas abseits, hatten wir noch ergattert und verbrachten dort einen netten Nachmittag.
Wir hatten schon überlegt, wo wir etwas zu essen finden würden, und welche Restaurants aus unserer bisherigen Erfahrung eventuell noch nicht voll sein würden, als wir uns entschieden, doch gleich hierzubleiben. Das erwies sich als intuitiv richtig, denn innerhalb einer Stunde leerte sich der Wintergarten. Als wir dann unser Essen bekamen, ich gönnte mir einen wunderbaren Hirschrücken mit Knödel und Wurzelgemüse, waren wir allein in dem Eck. Wir setzten uns an den vordersten Tisch des Wintergartens und beobachteten die Stadt im Sonnenuntergang. Es war einfach großartig. Manchmal zahlt sich eben etwas Geduld aus.
Schließlich mussten wir natürlich noch unserer Stammweinbar einen Besuch abstatten. Wie könnten wir das Jahr, ohne Zeit im Coquette zu verbringen, vorübergehen lassen? Wir hatten schon befürchtet, dass sie geschlossen sein würde, doch wir hatten Glück und bekamen noch einen Platz an der Bar. Was mich immer wieder erstaunt, sind die unterschiedlichsten neuen Weine, die man dort präsentiert bekommt. Letztes Mal war es ein Wein aus Chile, an diesem Abend allerdings reisten wir bis nach Australien. »19 Crimes« nennt sich der vollmundige und geschmacksintensive Wein. Aus verschiedenen Traubensorten zusammengemischt, entsteht ein einzigartiges Geschmackserlebnis, das ich nicht erwartet hatte. Dazu noch eine Käseplatte und leckeres Olivenöl. So kann man ein Jahr wahrlich ausklingen lassen.

