Ich sollte mir nicht zu viel wünschen. Denn manchmal gehen Wünsche in Erfüllung und das nicht unbedingt so, wie man es sich erhofft hatte. Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick in die Vergangenheit. Der heutige Text erschien am 5. April 2015 auf meinem ehemaligen Blog »Geek Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.
Jason Aarons Thor-Saga gilt schon lange als ein Klassiker, den man sich nicht entgehen lassen darf. Wenn man etwas für Thor übrig hat, sollte man diese Geschichten unbedingt lesen. Die Tragweite, die diese annehmen, war zu dem Zeitpunkt, wo ich diese Rezensionen geschrieben habe, für mich noch nicht absehbar. Jane Foster nimmt einen zentralen Schwerpunkt der Geschichte ein, Thor muss lernen, was es heißt, Mjölnirs würdig zu sein.
Leider wurden unzählige Comics in nur einen Film gequetscht, wenn es doch eine Trilogie hätte sein sollen. Thors erste Film-Trilogie war abgeschlossen, warum hat man nicht drei weitere aus diesem großartigen Ausgangsmaterial gemacht? Ich habe Love and Thunder zwar noch nicht gesehen, fürchte mich aber etwas davor, wenn der Tag meines MCU Rewatch Projektes kommt. Doch die Comics kann uns niemand wegnehmen. »Thor: The God of Thunder« war nur der epische Auftakt eines noch viel größeren Abenteuers, das jedoch tief in die Motivation und den Kern der Charaktere führt.
Meine derzeitige Pull-List von Comics ist sehr von den beiden Verlagshäusern DC Comics und Image dominiert. Da kommt mir ein Angebot der gesamten »Thor: The God of Thunder« Reihe auf ComiXology gerade recht – besonders da die Reihe vom hochgelobten Autor Jason Aaron stammt, habe ich nicht lange gezögert.
- Writer: Jason Aaron
- Künstler: Esad Ribic
- Color Artist: Ive Svorcina
- Letterer: VC’s Joe Sabino
„Thus is one mystery solved. As another is born.“ – Thor
Als ich mit dem Lesen der Reihe begann, wusste ich noch nichts von dem epischen Ausmaß, welches die erste Story nehmen würde. Ich dachte, es handelt sich um eine gut durchdachte Geschichte und wir erleben Thor in verschiedenen Stadien seiner Entwicklung. Nach den typischen drei bis sechs Ausgaben pro Erzählung bestreiten wir ein anderes Abenteuer. Doch es stellte sich schnell als etwas Größeres heraus. Worum geht es also? Gorr, The God Butcher (Der Gottesschlächter) hat sich zum Ziel gemacht, alle Götter, die jemals waren, sind und noch sein werden, zu töten. Er will ein gottloses Universum schaffen, wo Lebewesen wirklich frei leben können. Seit Jahrhunderten streift er dabei durch den Raum und konnte noch von keinem Gott bezwungen werden. Auch scheint niemandem das Muster aufzufallen – die Ermordeten gelten schlicht als vermisst. Bis Thor aus der Gegenwart eines Tages in der großen Bibliothek darauf aufmerksam wird, dass es zu viele Götter sind, die verschwinden und es sich nicht mehr nur um einen Zufall handeln kann.
Der Aufbau der Geschichte hat mich von Anfang an begeistert. Wahrscheinlich lässt sich dieser mit dem Finale von »Star Trek: The next Generation« vergleichen. Dort muss sich Picard in drei verschiedenen Phasen seines Lebens mit dem gleichen Problem beschäftigen. Ähnlich ist es auch hier. Dadurch spielen, besonders zum Finale hin, Zeitreisen eine wichtige Rolle und führen nicht selten zu Verwirrung (zumindest bei mir). Denn ich bin mir immer noch nicht ganz sicher, wie die Geschichten ineinander greifen. Warum manche Vorfälle aus der Vergangenheit Auswirkung auf die Gegenwart haben und andere nicht. Doch das ist Jammern auf hohem Niveau, denn ansonsten ist es eine epische Geschichte.
Die abwechselnden Sichtweisen Thors sind bemerkenswert gut gelungen. Der junge, unerfahrene und noch ohne Mjölnir ausgestattete Thor der Vergangenheit. Der gegenwärtige Thor, der sich den Avengers angeschlossen hat und schon taktischer denkt, sowie der weise alte Mann der Zukunft, letzter Überlebender von Asgard, auf dem Thron sitzend und auf Rache hoffend. Außerdem lernen wir die Lebensgeschichte Gorrs kennen, sein Leben, seine Tragödien und was ihn schließlich dazu gebracht hat, diese unmögliche Aufgabe anzunehmen. Jason Aaron gelingt es dabei, Gorrs Handlungen derart nachvollziehbar zu machen, dass ich zwischendurch fast auf seiner Seite war.
„Tell me now, Prince of Asgard, before all you’re able to do is whimper and scream … what was Thor the god of before he died?“ – Gorr
Die gut durchdachten Charaktere, die spannende Geschichte und die fantastischen Dialoge machen das Abenteuer zu einem Genuss. Der Ablauf zwischen den einzelnen Szenen und Zeitaltern wirkt dabei meist schlüssig, nie wird etwas erzwungen oder den Charakteren aufgedrückt.
Einzig über die jetzt noch folgenden Storys mache ich mir etwas Sorgen. Denn wie soll der Autor einen solchen Auftakt noch toppen können? Es liest sich eher wie ein großes Finale, einer großartigen Comic-Reihe und nicht der Beginn. Doch ich bin zuversichtlich, denn die nächsten Abenteuer umfassen ebenfalls mehrere Ausgaben und haben klingende Namen wie »The Accursed« oder »The Last Days of Midgard«. Jason Aaron hat gut vorgelegt und ich freue mich auf seine nächsten Ideen.
„I will not sit in that blasted throne a second longer … If I cannot walk to my death like a god of the Vikings … I will crawl to it like a wounded dog.“ – Thor
Auch künstlerisch ist »Thor: The God of Thunder« brillant umgesetzt. Landschaften wirken weitläufig und abwechslungsreich. Es treten viele verschiedene Spezies auf, die alle ihr eigenes, gutes Design erhalten haben. Zusätzliche kleine Eigenheiten machen sie liebenswert oder Furcht einflößend. Dabei sind vor allem Gorr und seine grausamen Fähigkeiten und Folterspiele nicht schön zu beobachten. Der Schmerz und das Leid der Figuren werden zum Greifen nahe – man leidet mit.
Der Auftakt der Reihe gewährt einen fantastischen Einblick in die Entwicklung Thors, und ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass sich diese überzeugend in einen Film transportieren lässt. Dabei lassen vorwiegend der göttliche Aspekt und die weitläufigen Ereignisse es logisch erscheinen, wenn die Avengers nicht auftauchen, um ihm zu helfen. Wobei dies durch einen kleinen Cameo-Auftritt abgerundet wird. So manche klasse Kampfszenen würde ich nur zu gern in Live-Action sehen, besonders der letzte Kampf beinhaltet Szenen, die ihresgleichen suchen, aber ich möchte nicht zu viel Spoiler.