MCU Rewatch | Captain America: The Winter Soldier

Wie habe ich mich auf diesen Film gefreut! Nicht nur damals, als man die ersten Trailer sah, sondern auch jetzt wieder. Es ist ein großartiger, ich würde sogar sagen, fast perfekter Film. Von der Atmosphäre, der Musik, den Charakteren, den Schauspieler*innen, der Geschichte, den Twists und den Effekten stimmt alles. Es greift ineinander wie Zahnräder, um etwas noch viel Größeres anzutreiben. Die Filme von Captain America, angefangen bei The First Avenger bis Civil War gehören zu den besten Einträgen im MCU und haben den Charakter endgültig als zentralen Bestandteil des Marvel Universums und im Mainstream etabliert.

Ich weiß noch genau, als ich im IMAX-Saal des Salzburger Cineplexx saß. Es war das Kino am Bahnhof, einfach zu erreichen und toll ausgestattet. Der Bau an sich war etwas brutalistisch, mit seinen blanken Betonmauern und wuchtigem, doch offenem Design. Es gab immer wieder Stimmen, die das Kino für die schlichte Tristesse beklagten. Ich mochte es allerdings sehr. Es hatte etwas Einzigartiges und widerstand der sonst so modernen Architektur, der man überall begegnet. Und es war ein Kino. Was benötige ich da schon? Ich möchte mir Snacks kaufen können und Toiletten wären nicht schlecht. Ansonsten kommt es mir auf die Technik der Kinosäle an und dass die Sitze bequem sind. Der Rest ist nicht so wichtig. Leider hat das Kino spontan, quasi über Nacht, geschlossen. Es fehlt mir.

Jedenfalls saß ich im IMAX-Saal des Kinos und der Film startet. Es läuft das Marvel-Logo durch und es folgt die Intro-Szene mit Sam Wilson (»on your left«). Toller Einstieg, sehr sympathisch, auf vielen Ebenen. Black Widow holt Cap ab für einen Einsatz und schon sind sie in einem Flieger über einem Schiff. Cap springt aus dem Heck und landet mit einem Knall im Wasser. Es folgt eine meiner Lieblingssequenzen des MCU. Mit vollem Schildeinsatz kämpft sich Cap durch das Schiff. Der IMAX-Saal macht sich bezahlt, denn jedes Mal, wenn der Schild jemanden trifft oder wo abprallt, gibt es einen sehr zufriedenstellenden, satten Sound. Perfekt. Dazu die Musik und die fantastische Stunt-Arbeit. Großartig. Hätte gerne noch etwas länger gehen können.

Schon in dieser Anfangssequenz, als klar wird, dass Black Widow etwas anderes vorhat, als nur Geiseln zu retten, etabliert sich das Thema des Films: Vertrauen. Wer steckt mit wem unter einem Hut? Hat Nick Fury wirklich nur die besten Absichten? Gibt es Hydra wirklich noch? Wer ist Stephen Strange? Und könnten die Shirts von Chris Evans noch etwas enger sein? Alles essenzielle Fragen, die im Laufe des Films mehr oder weniger beantwortet werden.

Samuel L. Jackson als Nick Fury war ein Glücksgriff für Marvel. Das zeigt sich allein schon in der Aufzugfahrt, als er Cap in das Projekt Insight einführt. Seine Präsenz, wie er die Geschichte des Großvaters erzählt; es stimmt alles. Was zeigt er Steve? Drei Helicarrier, die die Welt überwachen sollen. Ausgestattet mit einer Bewaffnung, die alle Armeen der Welt in den Schatten stellt. Ausgestattet mit einer KI, die Bedrohungen eliminieren soll, bevor sie Verbrechen begehen können. Es ist ein Konzept, welches schon des Öfteren in Filmen verarbeitet wurde, doch durch die Einbindung ins Marvel-Universum kann man es schön übertrieben darstellen, ohne dass der Film an Glaubwürdigkeit verliert. Im Gegenteil; es ist eine Antwort auf das, was in New York passiert ist. Man will vorbereitet sein. Nicht nur auf Aliens, sondern auf alle Arten der Bedrohung, ob man von ihnen nun weiß oder eben noch nicht.

Das ist ein Thema, welches sich durch die zweite Phase des MCU zieht. Wie gehen die verschiedenen Charaktere mit den Ereignissen von New York um? Für alle war es das erste Mal, dass sie mit Aliens in Kontakt kamen. Das erste Mal, dass ihnen so richtig bewusst wurde, dass das Universum so viel größer ist, als sie es sich jemals erträumt hätten. Es ist schön zu sehen, dass Marvel sich die Zeit nimmt und den Charakteren erlaubt, traumatische Ereignisse zu verarbeiten. Deshalb wäre es so wichtig gewesen, etwas Ähnliches nach Endgame zu machen. Kleinere Filme, die den Charakteren zugestehen, innezuhalten und zu reflektieren. Dafür ist unter anderem Sam Wilson da. Steve braucht eine Bezugsperson, die er nicht nur durch die Avengers und S.H.I.E.L.D. kennt. Jemanden von außerhalb, der ihm Halt gibt und offen Ratschläge erteilt. Eine schöne Dynamik.

Diese wird jedoch schnell unterbrochen, wenn sich jemand tot geglaubtes aus Steves Vergangenheit zurückmeldet. Doch dieses Mal unter dem Einfluss von Hydra. Der erste Auftritt des Winter Soldiers ist beeindruckend. Alle Auftritte vom Winter Soldier sind beeindruckend. Jeder auf seine eigene Art und Weise. Sei es der Überfall auf Nick Fury, eine der coolsten Szenen des Films und ein Beispiel dafür, dass er immer Ressourcen zur Verfügung hat. Oder die Verfolgungsszene zu Fuß, über Dächer und durch Gebäude hindurch. Oder die Kampfszene zwischen Steve, Natasha und Sam und dem Trupp rund um den Winter Soldier auf offener Straße bei helllichtem Tag. Der Winter Soldier ist bedrohlich, nicht zu unterschätzen und eine Kampfmaschine sondergleichen. Als Steve herausfindet, wer unter der schwarzen Maske und dem dunklen Make-up steckt, ist er verständlicherweise schockiert und will unter allen Umständen seinen alten Freund retten.

Der Rückblick, der Steve und Bucky zeigt, ihre Freundschaft und wie sie immer füreinander da sind, ist perfekt getimt. Es dauert nur wenige Augenblicke und ist so schnell vorbei, wie er angefangen hat, doch es steckt so viel Herz in diesen Minuten, es ändert den Blick der Zuschauer*innen auf die brutale, erbarmungslose Kampfmaschine. Es macht aus ihr eine tragische Figur. Die wohl schrecklichste Szene ist wohl diejenige, in der Bucky Zweifel bekommt. Zweifel an sich und an seinem Ziel. Doch Alexander Pierce ist genauso erbarmungslos wie Hydra und so wird Bucky gelöscht, bis scheinbar nur noch der Winter Soldier übrig bleibt. Ich bin immer noch erstaunt, dass diese brutale Szene in einem Marvel-Film sein darf. Aus heutiger Perspektive nicht mehr vorstellbar, aber doch so wichtig. Keiner macht Witze oder einen dummen Spruch. Buckys tragisches Schicksal, die Folter und das Leid – einfach alles, was er in den vergangenen Jahrzehnten durchgemacht hat und ertragen musste, wird in dieser einen Szene grausame Realität.

Captain America – The Winter Soldier ist ein beeindruckender Eintrag ins MCU. Auf sehr vielfältige Art. Er steht da als Monument einer Ära, in der jeder Film anders sein durfte, in der man sich ausprobiert hat und nicht das große Ganze des MCU im Zentrum stand. Natürlich war es wichtig und schwang stets im Hinterkopf mit, doch das zentrale waren die Charaktere. Sie konnten ihre Geschichten erleben, sich weiterentwickeln und die Welt um sie herum verändern. Natürlich wurden neue Charaktere eingeführt, aber stets so, dass es sinnvoll ist für die eigentliche Geschichte und die Protagonisten. Wenn diese neuen Charaktere dann etabliert sind (wie eben Sam Wilson), kann man sie weiterentwickeln und ins Zentrum rücken. Captain America – The Winter Soldier ist ein Testament dafür, wie Comic-Verfilmungen aussehen können, wenn man sie ernst nimmt. Ein Film, der seinesgleichen sucht. Für mich eindeutig ein Meisterwerk.