Ich bin mir nicht sicher warum, aber YouTube streut in letzter Zeit immer wieder kurze Handwerker-Videos in meinen persönlichen Feed ein. Dabei handelt es sich nicht um so ausführliche Videos, die erklären, wie man etwa eine Holzbank baut oder ein Bad fließt. Es sind kurze, knackige Videos, die einem erklären, wie man beispielsweise einen Zollstock verwenden kann. Das war ein durchaus interessanter Einblick, was sich die Erfinder dieses scheinbar einfachen Werkzeugs gedacht haben und auf welch unterschiedliche Weise man es verwenden kann. Wieder andere Videos beschäftigen sich mit dem richtigen Entlüften von Heizungen oder anderen alltäglichen Dingen, die einem im Haushalt helfen.
Diese Videos dauern meist nur ein paar Minuten; wenn überhaupt. Die größtenteils deutschsprachigen Inhalte, die mir vorgeschlagen werden, erklären die Dinge einfach und effizient. Die Betreiber dieser Kanäle sind darauf aus, die Zeit ihres Publikums nicht unnötig zu verschwenden. Sie kommen schnell auf den Punkt und nutzen jede Sekunde aus. Dadurch wurde mir erst bewusst, welch eine vergessene Kunst dies geworden ist.
Es ist schon fast egal, nach was man eigentlich sucht, die Ergebnisse sind mehrheitlich verwässert und führen nur mühsam zum Ergebnis. Videos werden unnötig in die Länge gezogen, erklären Hintergründe, für die ich mich nicht interessiere und schweifen ab, wo es nur geht. Man schaut am Ende also 10 Minuten frustriert ein Video, nur um 30 Sekunden effektiven Inhalt herauszuziehen. Alternativ springt man wild darin herum, bis man irgendwann zur Lösung findet oder erbost das Browserfenster schließt.
Mittlerweile bin ich sehr selektiv geworden, wenn es darum geht, die Ergebnisse einer Suche auszuwählen – besonders bei how-to-Inhalten. Wenn ich etwas herausfinden will, beispielsweise bzgl. eines Spiels oder wie man etwas Bestimmtes am Mac umsetzt oder wo eine Funktion einer Software versteckt ist, schaue ich nun zuerst auf Webseiten, die eine schriftliche Lösung versprechen. Einen Text kann man wesentlich besser überfliegen als ein Video. So finde ich meist schneller zur Lösung.
Ich würde mir wünschen, dass dies wieder mehr Einzug hält. Wir werden sowieso schon mit Informationen und Inhalten überflutet. Da muss man nicht den Ursprung des Universums erklären, nur um irgendwann zu dem Punkt zu kommen, dass die gesuchte Funktion mit dem neuesten Software-Update anders heißt oder gar nicht mehr verfügbar ist. Für das Spiel God of War habe ich zum Beispiel ein paar Locations von Gegenständen gesucht, die ich brauchte, um neue Rüstungen freizuschalten. Es gibt zehnminütige Videos, die einem das in aller Ausführlichkeit erklären. Allerdings findet man ebenso Videos von 2 bis 3 Minuten Länge, die den gleichen Informationsgehalt wiedergeben. Eine wahrlich verlorene Kunst.
