Geek-Planet: East of West – There is no us

Wie jeden Donnerstag sehen wir uns auch heute wieder einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 16. Oktober 2016 auf meinem ehemaligen Blog »Geek Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Ich möchte allerdings meine bisherigen Texte an einem Ort versammelt wissen. Deshalb gibt es jede Woche einen wiederaufbereiteten und mit einer Einleitung versehenen Text aus grauer Vorzeit.

Ich möchte mich an dieser Stelle schon einmal für die häufig vorkommenden englischen Begriffe im Text zu East of West entschuldigen. Allerdings lässt sich das nicht immer vermeiden, wenn die hochtrabenden Namen der Progatonisten im englischen Original einfache Begriffe sind. So sind »The Message«, »Keeper« und »Death« eben zwangsweise Namen, die man so verwenden muss, wenn man über East of West schreibt. Es erleichtert das Lesen des Textes aber nicht unbedingt.

Was das Lesen des Textes ebenfalls nicht erleichtert, ist die Tatsache, dass ich selbst die Geschichte damals nicht vollständig verstanden habe. Ich bin mir nicht sicher, ob ich die Geschichte jemals vollständig verstanden habe. Es passiert sehr viel, es ist komplex und mit jedem Mal lesen werden Absichten, Intrigen und Positionen deutlicher, trotzdem bleibt etwas Unsicherheit zwangsweise zurück. Immerhin ist es Jonathan Hickman von dem wir hier reden, und dieser ist bekannt für seine durchdesignten und ausufernden Welten, die nicht ohne diverse Grafiken auskommen. Aber solche Geschichten bleiben zumindest im Gedächtnis, weil man sich mit ihnen beschäftigen muss. Es ist keine einfache Kost, aber unterhaltsam, episch und tiefgründig sind sie ebenso.


Mit »There is no us« endet das erste Jahr der Apokalypse und wir müssen wieder ein paar Monate warten, bis das zweite Hardcover-Buch erscheint. Es hat schon einen gewissen Vorteil, später in Comic-Reihen einzusteigen, wenn man ein Sammler ist, wie ich – so kann man direkt mit den dicken Büchern einsteigen.

  • Ausgaben: #11 bis #15
  • Jahrgang: 2014
  • Autor: Jonathan Hickman
  • Künstler: Nick Dragotta
  • Colors: Frank Martin
  • Letters: Rus Wooton

„And the word was made flesh, consumed by the one left behind“ – The Message

Zu Beginn von Büchern wie East of West wäre es manchmal angebracht, ein paar der Bonusmaterialien an den Anfang zu stellen. Ich weiß nicht, wie ihr das macht, aber ich lese so eine Collected Edition immer von Anfang bis Ende, das heißt, ich schaue mir nicht erst die Bonusmaterialien an. Hätte ich dies getan, wäre mir die Weltaufteilung nämlich etwas früher klar geworden. Die Geschichte von East of West spielt sich auf dem Gebiet der Vereinigten Staaten ab. Dieses Gebiet wurde neu aufgeteilt, auf die Bundesstaaten (?): The Confederacy, The Kingdom, The Union, The PRA, The Endless Nation und The Texas Republic. Außerdem gibt es noch eine Art neutrales Gebiet, auf dem sich das Monument Armistice befindet.

Nun findet ein Meeting der Oberbefehlshaber der Staaten statt. Hier wird wieder deutlich, wie egoistisch alle denken und nur auf das Wohl des eigenen Volkes aus sind; wenn überhaupt. Manche scheren sich überhaupt nur für das eigene Ansehen. So organisiert nicht nur Archibald Chamberlain von der Confederacy einen Plot gegen seinen eigenen Präsidenten, er ist zudem noch im Besitz der beiden Augen des Orakels, das wir aus der letzten Story-Arc kennen. Doch auch die Union, wo die Präsidentin mit eiserner Hand regiert, ist nicht vor Intrigen gefeit, da ihre engste Vertraute Doma Lux etwas im Schilde führt. Zu wem schließlich Bel Solomon gehört, bin ich mir nicht ganz sicher, aber er legt sich kurzerhand mit The Endless Nation an. Xiaolian, die Anführerin der PRA, ist von Anfang an sehr misstrauisch und ruft deshalb zum Krieg auf. Aufgrund der Vorkommnisse springen natürlich alle dankbar auf diesen Zug auf.

Es ist wirklich erstaunlich, wie sich die gesamte Vorarbeit von Jonathan Hickman aus den letzten Handlungsbögen nun bezahlt macht. Es werden Referenzen gemacht und diverse Vorkommnisse spielen eine größere Rolle. Machtintrigen, Politik und Krieg waren selten so unterhaltsam zu lesen. Auch die visuelle Gestaltung und die Blickwinkel innerhalb der Panels sind fantastisch gelungen.

Während sich also alle darin einig sind, dass kein Weg an Krieg vorbeiführt, beschließen die drei jungen Reiter der Apokalypse, The Beast, den Sohn des Todes, zu töten. Ob dies der richtige Schritt ist, wollen sie aber vorher bei dem Keeper Ezra verifizieren, da sie nur ungern gegen die eigentliche Absicht handeln würden, wie es in The Message geschrieben steht. Der Keeper gibt zwar freudig Auskunft, dass sie es eigentlich nicht tun sollten, aber was schert das denn die Reiter?

Ezras Schicksal macht eine ziemlich interessante Wendung. Letztes Mal war er von einem ekelhaften Biest besessen, welches sich nun vollends entwickelt hat. Es hängt an seinem Rücken, überragt ihn um mehrere Köpfe und verursacht ihm unfassbare Schmerzen. Doch das erstaunliche ist, dass sich beide voneinander trennen und Ezra dann ebendieses Biest reitet. Ich bin äußerst gespannt, was die beiden noch planen, denn ich werde das Gefühl nicht los, dass Ezra die anderen mit seiner Interpretation von The Message manipuliert. Mal sehen, ob sich dies demnächst bemerkbar macht.

Dann haben wir natürlich noch Death. Dieser legt sich mit dem Ranger an, der seine letzte Hoffnung ausgelöscht hat, seinen Sohn zu finden. Es entfacht sich ein wirklich cool inszenierter Faustkampf zwischen den beiden und der Ranger weiß gar nicht, mit wem er sich angelegt hat. In der Zwischenzeit muss Wolf sich mit den Überresten seines Vaters auseinandersetzen und ich bin mir nicht sicher, wohin uns dieser Teil der Story noch führen wird, aber es klingt ziemlich abgefahren und interessant. Jedenfalls kommen Death und der Ranger auf die abwegige Idee, dass sie eigentlich ein ähnliches Ziel verfolgen. Der Ranger will die Chosen töten, was nur in Deahts Hände spielt. Also führt ihn der mechanische Hund des Rangers doch noch in die Richtung, in der er hoffentlich seinen Sohn finden wird.

Sollte East of West irgendwann einmal verfilmt werden, würde ich gerne Clint Eastwood als Death sehen. Er würde sich wunderbar für die Rolle eignen. Allerdings sollten sie sich dann etwas mit der Verfilmung beeilen, da er nun auch schon 86 Jahre alt ist.

„Then tell me … what’s really the difference between a hyper accurate simulation and reality itself?“ – The Beast

Nichts. Das ist zumindest die Antwort, die uns Jonathan Hickman vorschlägt. Doch so einfach ist das nicht, wie auch Babylon bald herausfinden wird. Ja, der Sohn des Todes hat sich Babylon genannt, denn warum sollte man sich mit weniger zufriedengeben? Er bricht aus dem Gefängnis aus, das man ihm errichtet hat, legt aber nicht komplett seine Instrumente ab. Er behält weiterhin eine Art Helm auf, der auch seine Augen bedeckt und ihm scheinbar die Realität anzeigt. Diese Apparatur ist an seinen Begleiter angeschlossen, der ihn die vergangenen Jahre über trainiert hat: Balloon, wie er ihn nennt.

Doch Babylon kann seinem kleinen Freund nicht ganz vertrauen. Zwar hilft er ihm dabei, vor den drei Reitern, die ihn töten wollen, zu flüchten, aber was er ihm in seinem Helm zeigt, deckt sich nicht ganz mit der Realität. Was auch immer »Realität« sein mag. Denn ist das, was er auf seinem Bildschirm in der Brille sieht, wirklich die Realität? Zeigt ihm Balloon doch eine Abwandlung ebendieser. Brennende Felder, statt blühender Wiesen. Bösartige Monster, statt der kinderartigen Wesen, die die Reiter doch noch sind. Wie lange wird es dauern, bis er merkt, dass etwas nicht in Ordnung ist? Und wird ihn sein Vater rechtzeitig finden?

East of West endet mit ein paar ziemlich spannenden Cliffhangern. Doch lange sollte es nicht dauern, bis das Hardcover von Jahr zwei erscheint.