Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir werfen erneut einen Blick in die Vergangenheit. Wie jede Woche sehen wir uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 23. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog geek-planet, den es heute nicht mehr gibt. Trotzdem will ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen. Und es ist ein interessantes Unterfangen, alte Texte durchzugehen und was man früher über Dinge gedacht hat.
So wie in diesem Beispiel von The Fourth Planet. Die Naivität der Jugend ist in den Zeilen zu spüren, wie schon lange nicht mehr in einem Text, den ich wiederaufbereitet habe. Wobei »Jugend« hier natürlich etwas übertrieben ist, da es gerade einmal acht Jahre her ist, da war ich 27. Trotzdem habe ich seitdem viel gelernt und so manche Meinungen über Dinge geändert. Geschichte gehört da natürlich dazu. Ich habe The Fourth Planet seit damals nicht gelesen und kann mich auch nicht an die folgenden Ausgaben erinnern, geschweige denn ob ich sie gelesen habe. Doch erscheint mir die Geschichte sehr nah an der menschlichen Natur zu sein.
Die europäische Geschichte und damit auch die der Erde ist geprägt von unserem Entdeckerdrang. Von unserem intrinsischen Verlangen, buchstäblich neue Ufer zu entdecken. Wie Yucal Harari in »Eine kurze Geschichte der Menschheit« eindrucksvoll darlegt, ist dies allerdings eher eine europäische Veranlagung, als eine, die für die gesamte Menschheit gilt. So sind wir es gewesen, die zwar die Welt »entdeckt« haben wollen, doch wir sind es genauso gewesen, die Völker unterdrückt, versklavt und ausgerottet haben. Sind wir nicht großartig? Es ist ein Aspekt europäischer Geschichte, der mir oft zu harmlos dargestellt wird, auch wenn sich dies in den vergangenen Jahren etwas geändert hat. Vor allem sollten wir in Anbetracht unserer Geschichte und vergangenen »Leistungen« vielleicht etwas demütiger sein mit dem, was wir in Europa aufgebaut haben. Denn auf wessen Rücken stehen diese Fundamente?
Genau diesen Aspekt scheint mir The Fourth Planet zumindest andeutungsweise ebenfalls darzustellen. Es wäre durchaus interessant, noch einmal einen Blick in die Comics zu werfen. Scheinbar gibt es leider nur ein Volume von der Geschichte. Vielleicht riskiere ich mal einen Blick. Ich denke, ich hätte heute eine komplett andere Meinung über die Darstellung der Menschen, als es noch vor acht Jahren der Fall war.
The Fourth Planet war ursprünglich ein Webcomic, der nun von dem Verlag Chapter House Comics in regelmäßig erscheinenden Ausgaben veröffentlicht wird. Allerdings nur quartalsweise. Die Science-Fiction-Geschichte ist unterhaltsam und weiß vor allem visuell zu überzeugen. Allerdings weist sie ebenso das ein oder andere Problem auf – welche das sind und ob sie zu sehr den Fluss der Geschichte stören, finden wir gemeinsam heraus.
- Autor: Fred Kennedy
- Künstler: Miko Maciascek
„My ‚kind‘ don’t believe in magic. That’s your word. We believe victory lies in change! A change that embraces knowledge rather than rejects it“ – Hethen
Menschen sind in dieser Welt dazu verdammt, als Sklaven zu arbeiten. Doch James Borchek begehrt gegen das Imperium der Tythyk auf. Es gelingt ihm, ein Schiff zu stehlen und mit einigen seiner Leidensgenossen zu fliehen. Ihr Schiff ist aber beschädigt und so müssen sie auf einem der nächstgelegenen Planeten bruchlanden. Und genau hier beginnt unsere Geschichte. Auf dem Planeten gibt es drei rivalisierende intelligente Spezies. Dabei sieht eine beeindruckender aus als die andere. Manche erinnern ein wenig an die Aliens aus Independence Day, nur ohne die Tentakel und wieder andere sehen aus wie Eisbären, nur mit einem anderen anatomischen Aufbau. Also schon mal ein guter Start für diese Reihe.
Eines, was als Erstes auffällt, sind die beeindruckenden Zeichnungen. Wenn man diese Qualität und Kreativität jeden Monat abliefern müsste, muss man das hauptberuflich machen und nicht nebenbei, wie es die beiden kreativen Köpfe dieses Comics versuchen. Die Zeichnungen selbst sind teilweise abstrakt, aber doch detailliert und die Farben erinnern stark an Wasserfarben, wodurch alles miteinander zu verfließen scheint. Einfach fantastisch.
Der Stand der Technologie auf diesem Planeten ist noch recht primitiv und scheinbar gerade bei Schießpulver angelangt. Im Prinzip kein Vergleich zu den hochtechnologischen Menschen – aber dazu später mehr. Es herrscht hier noch ein sehr deutliches Patriarchat. Dies ist besonders an den Frauenrollen zu erkennen. Sie sind dazu da, als Sexsklaven und Geburtenmaschinen herzuhalten. Nachdem man Comics wie Rat Queen, Giant Days, Paper Girls und so weiter gelesen hat, ist dies ein ziemlicher Rückschritt. Klar kann man das als Plot-Point verwenden und dann dagegen vorgehen, doch so wie es hier präsentiert wird, finde ich das nicht gut. Es ist nur da, ohne Kontext oder dass es bewertet wird. Vielleicht ist aber auch genau das der Aspekt, den die Geschichte herausstellen will. Am Ende des ersten Comics etwa geht es in Richtung Befreiungsaktion mit einer Art magischen Wesen, doch in der zweiten Ausgabe hat der Autor dies noch nicht wieder aufgegriffen. Mal sehen, was daraus wird.
Der zweite Punkt, der mich unheimlich stört, ist, dass die Menschen als die größten Arschlöcher auftreten. Ausgestattet mit der richtigen Portion an Selbstvertrauen und einer Attitüde der Art: So, jetzt sind wir da, verpisst euch! Dass sie ein Camp aufschlagen und alles machen, um auf diesem Gebiet zu überleben, damit habe ich keine Probleme. Allerdings denkt Captain James, der im Übrigen aussieht wie eine Mischung aus Jesus und einer Michelangelo-Statue, gleich daran, sich hier, genau da, wo sie gelandet sind, ein Häuschen zu bauen und eine Familie zu gründen. Fehlt nur noch der Schaukelstuhl. Was soll das? Das ist für meinen Geschmack eine zu stereotypische und narzisstische Variante an Menschen, die man in einer Sci-Fi-Handlung unterbringen kann. Warum können sie sich nicht erstmal umsehen, das Schiff reparieren, versuchen, mit Einheimischen zu verhandeln oder zumindest Kontakt aufbauen?
Vor allem werden doch die Tythyk nach ihnen suchen, da mache ich mich nicht auf dem erstbesten Planeten, den ich finde, breit. Wirklich ärgerlich, wenn so etwas in einem eigentlich gut gemachten Comic passiert. Denn ansonsten ist die Geschichte und die verschiedenen Spezies durchaus überzeugend. Ich möchte mehr über die Aliens erfahren, da brauche ich keine Menschen. Das hätte leicht etwas in der Art von Saga werden können. Nur eben konzentriert auf einen Planeten und drei Spezies. Ich bin gespannt, wann die dritte Ausgabe erscheint und werde diese definitiv testen, da ich wissen möchte, was dieses magisch mystische Wesen ist.