man-Formulierungen

Mit Freund T. hatte ich mich letztens über man-Formulierungen unterhalten. Es ging im konkreten um Rezensionen von Filmen, beispielsweise. In meinem ersten Semester Medienwissenschaften hatte ich einen Kurs zum Thema Nachrichtentexte; wie man diese schreibt, worauf es ankommt und dergleichen. Damals hatte ich noch meinen alten Blog »Geek-Planet«. Meine neuen Freunde bestanden darauf, dass ich diesen kurz vorstelle, da es in der konkreten Stunde um Rezensionen ging und ich entsprechende Texte schrieb.

Ich war äußerst zurückhaltend damit. Bin ich auch heute noch, wenn ich ehrlich bin. Irgendwas hindert mich manchmal daran, darüber zu reden, dass ich einen täglichen Blog betreibe. Es hat etwas Entblößendes an sich. Man gibt sehr viel von sich preis, sehr viel sogar, wenn man jeden Tag über die unterschiedlichsten Themen schreibt. Aber das ist ein Vorsatz, nicht unbedingt fürs neue Jahr, eher generell, dass ich offener bin, mit den Dingen, die mir wichtig sind, aber auch wenn mich etwas stört oder so.

Jedenfalls saßen wir in dem Seminar und Sprachen über Rezensionen. Wir kannten uns kaum ein paar Wochen und schon sollte ich meinen Blog dort vorstellen. Freund H. hat dies, wenn ich mich recht entsinne, damals an sich genommen und im Nachhinein bin ich froh darüber. Manchmal bedarf es einer externen Motivation, um über den eigenen Schatten zu springen. Es war gerade die Zeit, als Star Wars – The Force Awakens in den Kinos lief, und meine Rezension dazu war eine der obersten Texte. Ich wurde gebeten, ihn vorzulesen.

Selbst ob meiner Nervosität lief dies überraschend gut. Der Text kam, glaube ich, auch einigermaßen gut an und die Professorin bot etwas Feedback an. Der eine Kritikpunkt, der mir seither nicht mehr aus dem Kopf geht, ist, dass ich-Formulierungen im Text vorkommen. Dies sei aber ein Blog und da kann man so etwas machen. Heute frage ich mich, warum dies gerade bei Rezensionen etwas Schlechtes sein soll. Bei dieser Sorte Text sollte es geradezu deklariert werden, dass dies eine subjektive Meinung ist und keine objektive Untersuchung.

Natürlich gibt es immer objektive Kritiken und Elemente, die man entsprechend beurteilen kann. Doch eine finale Rezension jedwedes Medienerzeugnisses ist zwangsläufig eine subjektive. Man-Formulierungen versuchen dies nur zu verschleiern und die angeführten Thesen und Kritiken als universelle Wahrheit darzustellen. Ein solcher Text wirkt komplett anders, wenn man sämtliche »man« durch »ich« ersetzt. Er wirkt sehr viel persönlicher, subjektiver und sämtliche, zuvor generell angesehenen Kritiken, verlieren etwas von ihrer Schlagkraft.

Plötzlich ist die Gelegenheit für einen Dialog da. Okay, du siehst es so, ich sehe es aber vielleicht anders. Ich habe einen anderen Zugang zum Thema, oder mich berührt dieser Aspekt der Geschichte besonders, weil ich eine entsprechende Erfahrung gemacht habe. Ich kann Argumentieren und mich aktiv über etwas austauschen. Manchmal sind man-Formulierungen unumgänglich oder machen einen Text zugänglicher. Manchmal hilft es bei den Themen, etwas Distanz zu gewinnen und vereinfacht es, darüber zu berichten. Es ist stets ein Abwägen, welche Formulierung gerade am angebrachtesten ist. Doch ein Fehler sind ich-Formulierungen, besonders wenn es um Rezensionen geht, keinesfalls.