In den vergangenen Tagen bin ich etwas von meiner üblichen Routine abgewichen. Zumindest was das Verbringen der Pausen im Büro anbelangt. Normalerweise mache ich es so, dass ich an meinem Platz mein Mittagessen verspeise. Meistens handelt es sich dabei um einen gemischten Salat mit Thunfisch oder einen leckeren Cottage Cheese mit einem leckeren Weckerl dazu. Anschließend gehe ich raus, wenn es das Wetter erlaubt, und spaziere eine Runde um das Firmengebäude. Entweder höre ich dabei einen Podcast oder lasse die Gedanken schweifen. Es ist eine schöne Routine, um den Kopf freizubekommen und an etwas anderes zu denken.
Allerdings bin ich in letzter Zeit vermehrt von dieser Routine abgewichen. Das Mittagessen war zwar mehr oder weniger dasselbe, aber danach habe ich mich in die Kaffeeküche gesetzt und den Rest der Mittagspause damit verbracht, im Falter zu lesen oder durch die App des Standard zu scrollen. Oder ich habe die Google-App bemüht, die in den vergangenen Monaten und Jahren gelernt hat, dass ich gerne Gaming-Nachrichten haben möchte und mir entsprechende Meldungen präsentiert. Einmal habe ich sogar ein YouTube-Video angefangen zu schauen, aber das umgehend wieder unterbunden. Doch habe ich Mittag keine Muse, mich eingehender mit Nachrichten oder dergleichen zu beschäftigen, also scrolle ich eigentlich nur durch diverse Überschriften, erfahre nicht wirklich viel Neues und gehe dann wieder an die Arbeit.
Natürlich redet man auch mit Kolleg*innen und trinkt noch gemeinsam einen Verdauungskaffee, aber ich habe schnell gemerkt, dass ich alles, was ich davor mache, unbedingt wieder einstellen muss. Bereits nach zwei Tagen des sinnlosen Herumwischens, ohne wirklich etwas intensiver zu lesen oder mich mit einem Thema auseinanderzusetzen, bringt rein gar nichts. Es verwirrt das Gehirn, versetzt es in einen seltsamen Alarm-Modus, und man geht unbefriedigt aus der Mittagspause wieder heraus. Dadurch fällt es natürlich schwerer, sich zu konzentrieren. Wenn dann am Abend noch unproduktive YouTube-Videos dazukommen (um es einmal so auszudrücken) und eventuell noch wenig Schlaf, ist der Kreislauf perfekt und man befindet sich in einer tollen Spirale.
Zum Glück bin ich, was solche Dinge anbelangt, reflektiert genug, dass ich schnell merke, wenn etwas in eine falsche Richtung abgleitet. Zukünftig gibt es nach dem Mittagessen wieder einen kleinen Spaziergang, maximal einen Podcast dazu und sonst nichts. Raus an die frische Luft, an nichts weiter denken und sich schon gar nicht oberflächlich mit den Problemen der Welt auseinandersetzen. In den zehn Minuten, die ich damit verbringe, auf dem Bildschirm des iPhone zu wischen, kann ich etwas viel Besseres mit meiner Zeit anfangen. Da setze ich mich viel lieber am Samstag- oder Sonntagmorgen mit einer guten Tasse Kaffee und meinem iPad an den Küchentisch und lese den Falter oder hole ein paar Texte der Krautreporter nach, für die ich unter der Woche keine Zeit hatte.
Man muss nicht über alles immer gleich sofort Bescheid wissen. Ich kann sowieso nichts dagegen tun. Und wenn mich ein Thema wirklich interessiert, kann ich dem am Abend immer noch nachgehen. Für mich war dieser kleine Ausflug ins Doomscrolling schon ein Wahnsinn und nicht gut für meine psychische Gesundheit. Dabei kamen noch nicht einmal soziale Medien hinzu, die ich ohnehin weitgehend meide und nicht am iPhone installiert habe. Für die meisten fehlt überhaupt der Account – die meisten habe ich schon vor Jahren gelöscht. Einfach mal die Welt sein lassen und einen Spaziergang machen. Sei es allein, mit Freunden, einem Podcast oder was auch immer – das ist sehr viel nützlicher und besser für das eigene Wohlbefinden. Danach kann man sich immer noch mit Nachrichten beschäftigen. Nur eben mit einem ruhigeren Kopf und etwas unaufgeregter.
