Leopolds Krone

Jeden dritten Samstag im Monat veranstalten die Sprechenden Häuser eine Führung in Salzburg oder in der näheren Umgebung. Da ich mit Freund J. bereits vor Jahren angefangen habe, die Stadt mit Hilfe von Führungen und kulturellen Angeboten zu erkunden, ihre schillernden sowie weniger schillernden Persönlichkeiten, ihre Geschichte und versteckten Orte zu erkunden, haben wir wohl tatsächlich aus Versehen einen Trend gesetzt. Denn es ist zu beobachten, dass sich jedwede Führung durch die Stadt immer größerer Beliebtheit erfreut und nicht nur Touristen, sondern sehr viele Einheimische die vielfältigen Angebote nutzen.

Die_Sprechenden Häuser_ sind davon natürlich nicht ausgenommen. Erst seit Kurzem sind wir dazu gekommen, auch dieses Angebot regelmäßig in Anspruch zu nehmen. Die Gruppe hat sich über die Jahre sicher eine ansehnliche Stammkundschaft aufgebaut, aber es kommt eben die Beliebtheit der Führungen noch obendrauf. So waren es vor einem Monat im Wehrgeschichtlichen Museum eine stattliche Anzahl an Menschen, die sich in der Schwarzenbergkaserne eingefunden haben. Das Schloss Leopoldskron, welches vergangenes Wochenende am Plan stand, musste sich, was den Besucheransturm anbelangte, nicht verstecken. Es waren sicherlich 150 Leute oder mehr, die sich eingefunden hatten, um das scheinbar seltene Angebot einer Führung durch das Schloss wahrzunehmen.

Es ist immer wieder erstaunlich, wie es den tollen Menschen, die sich hinter den Sprechenden Häusern verbergen, gelingt, große Menschenmengen zu bewältigen. Wenn man ankommt, kauft man erst einmal die Karten für die reservierten Plätze. Dann bekommt man von Heidi ein farbiges Pickerl verabreicht und wird so einer Gruppe zugeordnet. Jedes Mitglied der Sprechenden Häuser hat eine dazu passende farbige Karte und wenn es losgeht, marschieren die Gruppen in ihre jeweilige Richtung. So löst sich ein scheinbar heilloses Durcheinander schnell auf und die Führung kann beginnen. Innerhalb weniger Augenblicke haben sie die Kontrolle über die Menge. Toll organisiert und ein System, welches einfach ist und funktioniert.

Im Schloss Leopoldskron waren es insgesamt sechs Gruppen und damit auch sechs Stationen, die man durchmachte. Über zweieinhalb Stunden hielten wir uns in dem großartigen Gebäude auf und erkundeten dessen reiche Geschichte. Die Stationen wurden von der immer gleichen Person der Sprechenden Häuser betreut, bevor wir weitergeschickt wurden. Zwei weitere Damen kümmerten sich darum, dass niemand sich verlief. Eine effektive Methode, da die Stationen auch nicht allzu weit voneinander entfernt waren. So erkundete man das erste und zweite Stockwerk des Schlosses. Vom Speisesaal über die Bibliothek, das asiatische Zimmer und ein Spiegelzimmer und noch weiteren erstaunlichen Räumlichkeiten erschloss man sich nach und nach das Gebäude.

Es ging sowohl um das Gebäude selbst, was es auszeichnete, als auch warum es so lange in einem eigentlich sumpfigen Moorgebiet überstehen konnte, wer es erbaut und über die Jahrzehnte und Jahrhunderte gepflegt und renoviert hat. Es wurden viele Jahreszahlen genannt, noch mehr Persönlichkeiten beschrieben und so manche Eigenheiten und Besonderheiten in lustigen bis tragischen Anekdoten wiedergegeben. Zweieinhalb Stunden sind eine lange Zeit, sich mit einem Gebäude zu beschäftigen, und irgendwann ist man voll der Eindrücke und Informationen, die irgendwie verarbeitet werden wollen. Für eine Klausur oder einen ausführlichen Aufsatz würde es zwar nicht mehr reichen, aber darum geht es im Grunde auch nicht.

Es geht um das Besichtigen der wichtigen historischen Orte der Stadt, ihre Geschichten und Menschen mit der Zeit immer besser kennenzulernen. Es ist eine Faszination, die nie so recht abreißen will, und es gibt immer wieder Neues zu entdecken und kennenzulernen. Man entdeckt neue Winkel der Stadt und Ecken, von denen man gar nicht wusste, dass es sie gibt. Man hört Namen immer wieder in verschiedenen Kontexten, bis sich irgendwann ein vollständiges Bild ergibt. Wie ein Puzzle setzt man so immer wieder Teile ineinander und mit der Zeit wird ein Konzept, ein größeres Ganzes sichtbar. Deshalb macht es auch Spaß, Führungen immer wieder zu machen und neue Verbindungen herzustellen. Geschichte ist ein großartiges, faszinierendes Hobby.