Gewohnheiten zu hinterfragen, ist stets eine Herausforderung. Denn es bedeutet Veränderung. Dinge ans Tageslicht zu zerren und vielleicht am Ende eines Reflexionsprozesses etwas besser zu machen, als es in der Vergangenheit der Fall war. »Life gets in the way«, wie es im Englischen so schön heißt – Das Leben kommt dazwischen. So häufen sich Dinge an, die einem vielleicht gar nicht mehr guttun und am Ende ist es Zeit für eine Veränderung. Auch wenn es schwerfällt.
Ich mag die Idee, das Smartphone wegzulegen und einfach nur mit Stift und Papier etwas festzuhalten. So führe ich seit über 10 Jahren ein Tagebuch oder Journal. Journal finde ich in diesem Zusammenhang tatsächlich den besseren Begriff, da er für mein Verständnis allumfassender ist, als das, was gemeinhin unter Tagebuch verstanden wird. Natürlich ist ein Teil eines Journals das Aufschreiben von Gedanken, Gefühlen und dergleichen. Ich mache das gerne in Langform, also vollständigen Sätzen, und lasse mir dabei Zeit. Aber es besteht ebenso aus dem, was ich vorhabe, über den Tag schaffen möchte und dem Revue passieren des Tages – es ist immer auch ein Reflexionsprozess. Für mich haben sich zwar über die Jahre die Methoden immer wieder geändert, ein Journal zu führen, so habe ich auch digitale getestet. Doch komme ich stets zurück zu Stift und Papier. Wenn es um Journals geht, schlägt keine App die analoge Technik.
In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Systeme angehäuft, die ich eigentlich nicht alle benötige. So ist manches doppelt oder sogar dreifach vertreten. Beispielsweise habe ich von der Marke Leuchtturm ihr Notizbuch »Some lines a day«. Darin sind fünf Jahre abgebildet. Jede Seite ist in fünf große Zeilen unterteilt, die jeweils den gleichen Tag in fünf Jahren darstellen. So kann ich auf einen Blick sehen, was ich beispielsweise am 9. Januar 2025, 2024, 2023 und so weiter getan habe. Ich mag das eigentlich sehr gerne. Ich schreibe auf, was mich bewegt hat und was ich getan habe. Alles kompakt in wenigen Zeilen.
Doch seit Oktober 2023 habe ich zudem noch eine Numbers-Tabelle (so nennt sich die Excel-Variante von Apple), wo ich das von Matthew Dicks empfohlene »Homework for Life« betreibe. Dies ist eine Methode, um Geschichten über das eigene Leben zu sammeln und sich an vergangenes besser erinnern zu können. Ziel ist dabei allerdings nur eine Sache aufzuschreiben. Etwas, das an diesem Tag besonders war oder worüber man jemandem fünf Minuten erzählen könnte. Und ja, man findet immer etwas. Eine schöne Methode. Doch hat sie sich im Laufe der vergangenen Monate von ihrem Zweck weg entwickelt und ist nun fast eine Doppelung der Einträge, die ich in »Some lines a day« hineinschreibe.
Für den Tagebuch-Teil meines Journals habe ich schließlich noch ein A4 Notizbuch, ebenfalls von Leuchtturm. Darin schreibe ich regelmäßig in Langform meine Gedanken nieder. Dort kommt alles rein, was mir im Kopf herumschwirrt, mich beschäftigt, ärgert, freut und so weiter. Einfach alles. Mal sind die Einträge länger, mal nur ein paar Zeilen lang. Doch natürlich greife ich hier ebenfalls manche Themen auf, die entweder in »Homework for Life« vorkommen oder in »Some lines a day« angerissen wurden. Es ist alles in allem sehr viel und es wird höchste Zeit aufzuräumen. Peter McKinnon hat diesen Reformprozess angestoßen.
In dem Video, welches unten verlinkt ist, beschreibt er seinen Umgang mit Notizbüchern und wie er sein Journal handhabt, dafür nutzt er A6 kleine Pocket-Notebooks. Also habe ich ein altes herausgesucht und angefangen, es ihm gleichzutun. Um zu testen, ob es mir zusagt. Dort trage ich mir jeden Tag fünf bis acht »critical tasks« ein, die ich erledigen möchte. Unter der Woche sind es acht, weil Aufgaben der Arbeit dazukommen, am Wochenende fünf. Das ist aber meine persönliche Ableitung dieser Technik. Dazu kommt noch ein A5 Notizbuch (natürlich von Leuchtturm, aber dieses Mal Softcover), um Gewohnheiten zu tracken und andere Dinge aufzuschreiben (z. B. der Tagebuch-Teil).
Das Wochenende und die letzten Tage des Februar nutze ich dazu, so manche Notizbücher und Methoden auslaufen zu lassen. »Some lines a day« wandert damit ab 1. März zu meinen anderen alten Notizbüchern und Journals. Vier Jahre hat es mir gute Dienste geleistet, doch es ist Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Genauso, wie ich »Homework for Life« nicht mehr digital festhalte, sondern analog. Dazu habe ich alle bisherigen Tabellen ausgedruckt und in das A4 Notizbuch eingeklebt. Ich finde es toll, wenn man durch solche Einträge blättern kann. Wie oft sieht man sich schon alte Word-Dokumente an oder Listen, die man irgendwo am Rechner liegen hat? Schließlich habe ich noch ein paar andere Notizbücher, die ich gefunden habe und die nur wenige Einträge enthalten, buchstäblich auseinandergenommen und in das große integriert. Damit wandert es ebenfalls zu den anderen ins Regal.
Das Letzte, was ich dann noch getan habe, war, alle meine digitalen Tagebücher, Einträge und Journal-Versuche in einem großen Dokument zu sammeln. Dazu habe ich alte Festplatten durchforstet und durchaus überraschendes gefunden. Über 180 A4 Seiten sind zusammengekommen, voll beschrieben. Zwischen 2020 und 2023 habe ich scheinbar ausführliche Texte geschrieben – das war mir gar nicht mehr so bewusst. In ausgedruckter Form kann ich nun darin schmökern. Diese Ausdrucke kommen in eine Mappe und dürfen sich ebenfalls zu meinen anderen Journalen gesellen. Damit habe ich vier oder sogar mehr (je nachdem, wie man zählen mag) unterschiedliche Systeme, die sich in den vergangenen Jahren angesammelt haben, aufgeräumt.
Ziel ist es jetzt, ein einfacheres System zu finden und zu entwickeln. YouTube bietet hier einen echten Fundus an Möglichkeiten. Doch das Wichtigste ist mir, es einfach zu halten. Sich nicht von all den Varianten, Vorschlägen und scheinbaren Vorbildern zu sehr beeinflussen zu lassen. Immerhin soll das System mir dienen und nicht andersherum. Vorerst werde ich mich an dem System von Peter McKinnon orientieren. Ein paar Inspirationen nehme ich mir allerdings aus der Bullet Journal Methode von Ryder Carroll, die mir bereits in der Vergangenheit gute Dienste geleistet hat. Ich werde von der Entwicklung berichten.
Das analoge Festhalten von dem, was man getan hat, was man erlebt hat, der eigenen Gedanken und Gefühle ist mir weiterhin ein Anliegen. Doch soll das Reflektieren und Lernen, was geholfen hat, was gut und was schlecht gelaufen ist, mehr Platz einnehmen. Man will sich schließlich weiterentwickeln. Stift und Papier, so simpel sie sein mögen, haben dabei etwas Magisches an sich. Und was in unserem digitalen Zeitalter nicht außer Acht zu lassen ist: sie gehören mir, sie liegen nicht auf irgendeinem Server und können nicht gehackt werden. Es ist etwas absolut persönliches und sollte es auch bleiben.
Links:
- YouTube | Peter McKinnon: I tracked my habits for 300 days and it changed my life
- YouTube | Bullet Journal (by Ryder Carroll)
- YouTube | Naphtali Rosenberg
- YouTube | Zacc Rowlands: 5 powerful ways I use pocket notebooks
