Typische Touristen

Am Wochenende, genauer gesagt am Samstag, war ich früh in Salzburg unterwegs. Es steht ein größerer Besuch an und natürlich will ich die Stadt von ihrer schönsten Seite zeigen und ein paar nette Lokale sowie Führungen oder Museen anbieten können. Ich hatte einen Plan, der bei einer leckeren Tasse Kaffee und einem zauberhaften Pofesen noch ein letztes Mal überarbeitet, korrigiert und mit Alternativen ausgestattet wurde. Damit konnten die ersten Termine fixiert und reserviert werden. Zu dritt findet man durchaus Plätze, vor allem wenn man gewillt ist, etwas zu suchen und viele Cafés und Restaurants kennt. Zu fünft ist das schon etwas schwieriger. Deshalb wollte ich vorbereitet sein.

Es war schönes Wetter und deshalb unfassbar viel los. Eigentlich kann ich so etwas schon auf dem Weg in die Stadt sehen, je nachdem wie viele Menschen mit der Lokalbahn fahren. Doch dieses Mal sollte sich dieses Indiz als falsch herausstellen. Denn es war tatsächlich sehr viel los in der Stadt. In der Steinbar war gar kein Platz mehr zu bekommen, trotz dem wir es zu unterschiedlichen Zeiten versuchten. Aber wir kennen uns mittlerweile gut aus und wissen, wo meist noch ein Plätzchen frei ist, besonders wenn man nur zu zweit ist.

Das sonnige und viel zu warme Wetter für meinen dicken Pullover stellte sich als ideal heraus, um einen Spaziergang durch die Altstadt zu machen und die benötigten Plätze zu reservieren. Natürlich hätte ich das per Telefon oder zum Teil auch online erledigen können. Ich mag aber das Persönliche an einer Reservierung, besonders wenn ich sowieso in der Nähe bin. Nachdem das alles erledigt war, wurde es Zeit für den kulturellen Teil des Tages. Das Wohnhaus von Mozart hatten wir noch nie besucht, daher stand es dieses Wochenende ganz oben auf der Liste. Man könnte darin locker eineinhalb Stunden verbringen, hieß es. Es wäre interessant, hieß es. Wir waren voller Erwartung, neues zu lernen und sich auf das Haus, seine berühmten Bewohner und ihre Geschichte einzulassen.

Der Eintritt ist saftige 15 €. Für ein Museum nicht wenig. Besonders wenn man es mit den sprechenden Häusern vergleicht, die meist ebenso 15 € verlangen. Da ist man dann mindestens zwei Stunden unterwegs und sieht Örtlichkeiten, die der Öffentlichkeit vielleicht nicht immer so leicht zugänglich sind. Aber man will ja positiv bleiben. Tickets gekauft, begaben wir uns in den ersten Stock, wo der Großteil der Ausstellung und des Museums zu finden ist. Es begann mit ein paar einleitenden Worten (schriftlich, auf einer Tafel) über das Gebäude, dem berühmten, hölzernen Flügel von Mozart und seinem Porträt. Dann bog man geschichtlich ins 20. Jahrhundert ab, zu einem Dirigenten, der Mozart vielfach und auf berühmte Weise aufgeführt haben soll. Den Namen kann ich weder aussprechen noch schreiben oder mich im Detail daran erinnern, wenn ich ehrlich bin. Denn eigentlich kam ich, um mehr über Mozart, seine Familie und dergleichen zu erfahren.

Man geht durch die Räume, liest mal mehr, mal weniger aufmerksam die Tafeln und Beschreibungen durch, bis man bei einem Modell des Wohnhauses ankommt. Dieses ist zum Teil von oben her offen und mit gut gemachten Modellen des früheren Mobiliars ausgestattet. Man kann sich so ein gutes Bild machen, wie es damals aussah. Das hätte ich eigentlich gerne in Originalgröße gehabt, aber ein Modell ist ja auch gut. Dann ging es durch die Tür einen Stock tiefer und wir standen im obligatorischen Shop. War es das? Hatten wir etwas übersehen? Noch einmal zurück und eine unscheinbare Tür benutzt, entdeckten wir ein lieblos hingestelltes, größeres Gartenhaus. Doch das war es. 15 € für knapp 30 Minuten, in denen man mehr über einen Dirigenten erfährt, als über die Person, die hier tatsächlich gewohnt hat.

Ich wusste nicht, was mich erwartet, zugegeben. Es sollte aber schon mehr sein als das. Vielleicht ließe sich durch eine Führung das ganze Erlebnis auf eine Stunde oder sogar eineinhalb strecken, aber trotzdem sind es nur eine Handvoll Räume und sehr wenig zu sehen. Über die Familie lernt man nicht viel. Mozart hatte doch viele Geschwister, man hätte mehr zu denen machen können, seinem Vater und seiner Mutter. Es heißt immerhin Wohnhaus, also möchte ich doch mehr über die Bewohner erfahren. Seit vielen Jahren beschäftigen wir uns nun schon mit der Geschichte und Kultur der Stadt. Doch das Wohnhaus ist bisher die größte Touristenfalle, die wir entdeckten. Dann lieber noch einmal durch die Domquartiere oder Mozarts Geburtshaus ansehen.