MCU Rewatch | Guardians of the Galaxy Vol. 2

Auf ein Wiedersehen mit Guardians of the Galaxy Vol. 2 habe ich mich nicht wirklich gefreut. Zwar habe ich ihn seit dem Kino-Release damals nicht mehr gesehen, trotzdem sind die Erinnerungen, die ich daran habe, nicht gut. Vor allem die Sprüche von Drax sind mir sehr sauer aufgestoßen damals und haben sich in mein Gedächtnis gebrannt. Sie überschatten den Rest des Films. Doch vielleicht sollte mich, wie schon die Filme zuvor, Guardians of the Galaxy Vol. 2 ebenfalls zu überraschen wissen.

Der Film ist gleichzeitig besser und schlechter, als ich ihn in Erinnerung habe. Die Geschichte rund um Peter und seinen Vater funktioniert für mich einwandfrei. Es ist nachvollziehbar, dass Ego so lange nach seinem Sohn gesucht hat und die anfängliche Täuschung ist clever gemacht. Vor allem, wenn man Egos Geschichte aufmerksam lauscht, merkt man einige Ungereimtheiten daran. Woher wusste er beispielsweise, wie Menschen aussehen und konnte seine physische Repräsentation danach formen, wenn er doch noch keinem anderen Wesen zuvor begegnet ist? Außerdem ist natürlich Mantis Verhalten ein Indiz dafür, dass etwas nicht stimmen kann. Aber dazu gleich mehr.

Doch die Höhepunkte des Films sind für mich allerdings eher die Nebenschauplätze als Peters Geschichte. Wir haben Gamora und ihre Schwester Nebula. Letztere versucht immer noch die andere zu töten und Rache dafür zu nehmen, was alles in ihrer Kindheit falsch gelaufen ist. Thanos hat in diesem Konflikt eine unfassbare Präsenz, wenngleich man ihn nie zu Gesicht bekommt. Sein Ruf wird so weiter ausgebaut und er bleibt dadurch ein unbeschreibliches Böses. Zum Glück wissen wir, dass Marvel es gelingt, dieses Versprechen eines erbarmungslosen Bösewichts einzulösen. Vor allem, weil er glaubt, das Richtige zu tun, wirken seine Handlungen noch grausamer.

Der Konflikt zwischen Gamora und Nebula löst sich zwar etwas zu schnell auf, doch wir kennen die Charaktere schon aus dem vorherigen Film und es bleibt nachvollziehbar. Trotzdem muss man als Zuschauer*in so einige Lücken selbst füllen oder eben mit dem Flow der Handlung mitgehen. Beide waren Kinder und haben nur getan, was ein grausamer Vater von ihnen verlangt hat. Sie haben ums Überleben gekämpft, nur Nebula hat dafür einen brutalen Preis bezahlen müssen. Deshalb ist es schön, sie nun auf derselben Seite kämpfen zu müssen.

Der zweite Nebenschauplatz findet zwischen Yondu, Rocket und Groot statt. Yondu, der seine Crew verliert und versucht Buße zu tun. Rocket, der Angst davor hat, seine neue Familie zu verlieren und sie deshalb in einer Tour beleidigt und von sich wegstößt, um eine Enttäuschung, wenn sie ihn doch fallen lassen, zu mildern. Groot ist gewissermaßen noch ein Baby in dem Film und lernt erst so richtig mit seinen Kräften umzugehen und versteht nicht unbedingt, was man ihm sagt. Ihm gehören die lustigsten Momente im Film. Dass gerade Rocket und Yondu ein tolles Team abgeben würden, hätte ich mir nicht gedacht, doch der Ausbruch aus dem Gefängnis, wenn man so will, ist einfach fantastisch inszeniert. Die Macht von Yondus Waffe wird immer wieder toll in Szene gesetzt.

Man merkt auch, wie wichtig Yondu die Ravagers sind. Die Interaktionen auf dem Basis-Planeten der Gruppe (oder wo sie einen Zwischenstopp machen), zeigen dies eindeutig. Doch er lässt sich von arbiträren Regeln nicht in die Irre führen. Er hat seinen eigenen moralischen Kompass und versucht so, seine vergangenen Fehler wiedergutzumachen. Damit hat er angefangen, als er Peter nicht zu seinem Vater gebracht hat. Das muss schließlich auch Peter einsehen. Yondus Opfer am Ende gehört zu den bewegendsten Momenten des MCU und hat mich auch bei diesem Rewatch wieder kalt erwischt.

Leider sind die großartigen Momente in dem Film, von denen es tatsächlich einige gibt, immer wieder überschattet von Drax Verhalten gegenüber Mantis. Ich habe nach Kritiken und Beiträgen gesucht, die dieses Thema behandeln, viele gibt es bedauerlicherweise nicht. Es ist schlicht ein misogynes Verhalten. Anders kann man es nicht bezeichnen und ich verstehe nicht, warum es im Film ist. Mantis wurde als Kind oder Baby von Ego entführt, hatte nie Kontakt mit anderen, wurde ihr Leben lang unterdrückt und ausgenutzt. Dann kommt Drax daher und bezeichnet sie als hässlich, würgt sogar in einer Szene und redet ihr schlecht zu, wenn sie die Guardians retten soll. Am Ende wird sie sogar K.-o.-geschlagen und von Drax vom Schlachtfeld getragen. Mantis ist buchstäblich ein punching-bag in dem Film und ich weiß nicht warum.

Sie ist grundsätzlich ein cooler Charakter und hätte eine bessere Story-Arc verdient. Immerhin lehnt sie sich gegen ihren „Meister“ auf und schließt sich Fremden an, die sie nicht kennt, um gegen Ego zu kämpfen. Sie will sich selbst befreien. Es ist toll und hätte ein wirklich heroisches Ende für sie sein können, endlich in Freiheit selbst zu entscheiden, sich den Guardians anzuschließen. Selbst ihre Kräfte sind ein passender Gegensatz zum Rest der Charaktere. Sie ist in den Comics zwar ein Martial Arts Profi, was sie hier bislang nicht wirklich zeigen konnte, aber ihre empathischen Kräfte kann sie unter Beweis stellen. Man hätte mehr damit machen können. Sie im Finale beispielsweise mit Groot zusammenbringen. So hätten die beiden Underdogs, die alle wahrscheinlich unterschätzen, den Tag retten können. So war es nur Groot. Eine wirklich verpasste Chance.

Leider sind die diskriminierenden Kommentare über den ganzen Film verteilt und überschatten so immer wieder tolle Szenen. Man kann es jetzt gerne versuchen, mit dem Hintergrund von Drax und wie sein Volk die Dinge sieht zu erklären. Doch sind das auch Filme für Kinder und die sehen nur, dass ein Mann eine schlanke, durchtrainierte, hübsche Frau als hässlich beschimpft und niemand etwas dagegen tut. Nur Gamora versucht halbherzig dagegen vorzugehen, aber das verschwindet schnell wieder. Drax Verhalten wird weder wirklich erklärt, noch in die Schranken gewiesen. Marvel versucht immer wieder Regisseurinnen und Autorinnen hineinzureden und Dinge zu ändern, damit sie in ihr Konzept passen, aber so etwas lassen sie einfach stehen. Schade. Guardians of the Galaxy Vol. 2 hätte ein wirklich grandioser Film sein können, quasi ein Empire Strikes Back für die Guardians. So bleibt stets ein fahler Beigeschmack zurück.