Rasur und Technik

Rasieren ist wie Kaffee; man kann eine unfassbare Wissenschaft daraus machen. Ich wechsle immer mal wieder zwischen unterschiedlichen Stilen. Mal trage ich den Bart länger, dann habe ich entsprechende Rasierapparate zum Stutzen und Trimmen der Haare. Was das anbelangt, kenne ich mich gut genug aus und habe mir über die Jahre schon hinreichend YouTube-Videos angesehen, um etwa zu wissen, worauf es ankommt. Vollbärte kann man auf unterschiedliche Art tragen, aber es gibt eben ein paar Prinzipien, auf die man achten sollte, damit dieser gut aussieht.

Überraschend schwieriger wird es, wenn es zum glatt rasieren kommt. Bisher hatte ich dabei eine zwei-Phasen-Methode: erst wird mit einem elektrischen Rasierer glatt rasiert. Das ist mir aber meist nicht genau genug und so ist die zweite Phase eine Nassrasur. Bisher waren meine Instrumente der Wahl ein mittel teurer Philips Shaver der Serie 3000, wenn ich mich recht erinnere, und die klassischen zig Klingen umfassenden Gillette-Rasierer. Doch beim Aufräumen des Bades habe ich aus Versehen das Ladekabel des Philips Shavers entsorgt. Außerdem hatte der schon einige Jahre auf dem Buckel und wollte sowieso ersetzt werden.

Zwar war ich mit den drei rotierenden Köpfen ganz zufrieden, doch ich wollte mal die andere Technik probieren. Zudem wirbt Philips hier mit einem „5-dimensional beweglichen Scherkopf“, was mir schon immer etwas seltsam vorkommt, gibt es doch nur drei Dimensionen, in denen man sich im Raum bewegen kann. Dass die Physik noch nicht von dieser revolutionären Entdeckung zweier zusätzlicher Raumdimensionen Gebrauch gemacht hat, ist eine Frechheit. Wir könnten schon längst eine allumfassende Theorie inklusive dunkler Energie und Materie haben, wenn man sich nur auf die Rasierer von Philips berufen würde.

Meine Wahl für einen neuen Rasierer fiel nach ewiger Recherche auf die Geräte der Braun Series 9 Pro. Ich hatte zum Glück noch einen 100-Euro-Gutschein vom Europark, jetzt war das Gerät ganz erschwinglich. Er leistet hervorragende Dienste, doch sobald man sich mal ein paar Tage nicht rasiert hat, kommt der Braun an seine Grenzen. Zwar wirbt Braun damit, dass man selbst einen 7-Tage-Bart damit einfach wegbekommt, doch die Realität sieht zumindest bei mir etwas anders aus. Praktisch finde ich die Reinigungsstation, die hoffentlich die Lebensdauer der Klingen verlängert. Bleibt nur die Frage, wie lange eine Packung der Reinigungsflüssigkeit hält. Das sind dann wieder zusätzliche Kosten, die man berücksichtigen muss.

Deshalb wollte ich auf der anderen Seite bei den Gillette-Klingen sparen. Nach jahrelangen Überlegungen habe ich mich also für einen Rasierhobel entschieden. Hier fiel meine Wahl auf den Störtebekker Rasierhobel »Hamburg«. Hundert Klingen kosten hier gerade einmal knapp 25 €, womit ich locker 2 Jahre auskomme. Also sehr viel günstiger als die andere Methode. Außerdem ist die Wahrscheinlichkeit, sich mit diesem Klingen ernsthaft zu verletzen, eher gering. Ich habe den Hobel nun schon einige Male verwendet und bin durchaus zufrieden. Man muss sich zwar etwas umgewöhnen, da die Technik doch etwas anders ist. Es sollten durchgehende Bewegungen sein, die man macht, und nicht zu fest andrücken. Doch schon nach zwei Wochen hatte ich keine roten Stellen mehr.

Meine neue Kombination aus dem Braun Serie 9 Pro und einem Störtebekker Hobel ist hervorragend, muss ich sagen (ich werde leider nicht gesponsert). Und seitdem ich ein Video gesehen habe, wo jemand davon berichtet, ebenfalls eine Kombination aus elektrischer Rasur und Nassrasur mit Hobel zu machen, bin ich beruhigt, nicht der einzige zu sein, der diesen Aufwand betreibt. Doch eine gute Rasur ist mir durchaus wichtig und ich sehe es mittlerweile nicht als lästige Pflicht oder Arbeit an, wenn ich glattrasiert herumlaufen will, sondern als eine Art quality time. Man tut sich damit schließlich selbst etwas Gutes und sollte es auch so betrachten.