Wie jeden Donnerstag blicken wir auch heute in meine Blogger-Vergangenheit. Dieses Mal auf den 16. Dezember 2016. Der Text erschien auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen irgendwann alle meine alten Texte hier auffindbar sein.
Unfassbar, dass ich erst 2016 das erste Mal Invincible gelesen habe. Über die Jahre habe ich mich intensiv mit dem Comic auseinandergesetzt, ihn immer wieder gelesen und sogar meine Bachelorarbeit darüber verfasst. Gefühlt kenne ich den Comic schon ewig. Vor allem das erste Drittel des Invincible-Runs ist mir noch immer sehr präsent. Ich mag auch die Unschuldigkeit und Naivität, die in den Zeilen des folgenden Textes mitschwingt. Aber ich konnte mich schon immer sehr in Geschichten verlieren und habe während des Lesens nicht viel darüber nachgedacht, was passieren könnte, sondern mich dem Flow hingegeben. So wirken manche Twists besser. Ich bin mir nicht sicher, ob ich das auf diese Art heute auch noch kann, aber ich denke schon. Besonders bei Webcomics gelingt mir das immer wieder.
Nach der Lektüre sämtlicher The Walking Dead Comics und sehr vielen Spider-Man-Ausgaben steht nun Invincible auf dem Plan. Dabei handelt es sich wie bei TWD ebenfalls um einen Comic von Autor Robert Kirkman. Invincible erscheint seit 2003 jeden Monat. Ich werde pro Artikel ca. zwei Story-Arcs besprechen.
- Autor: Robert Kirkman
- Künstler: Cory Walker, Ryan Ottley
- Colorist: Bill Crabtree
#1 bis #4: Family Matters
Invincible erzählt die Geschichte des Jungen Mark, dessen Vater Nolan aka Omni-Man als Superheld immer wieder die Welt rettet und für Ordnung sorgt. Eines Tages ist es so weit und auch Mark bekommt seine Kräfte (diese Aktivieren sich erst ab einem gewissen Alter). Anfangs noch mit einem improvisierten Kostüm, erhält er bald vom Schneider, der auch andere Helden versorgt, sein eigenes Kostüm und macht sich als Invincible auf, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten.
Das Erfrischende an dieser Geschichte ist, dass das Superheldendasein der beiden Männer als Job behandelt wird und die Familie am Abend gemeinsam beim Essen sitzt und versuchen, nichts Besonderes aus den Fähigkeiten zu machen – es gehört bei ihnen eben dazu. Auch die Origin-Story vom Vater ist eher ungewöhnlich, da sein Volk auf dem Planeten Viltrum eine Art utopische Zivilisation begründet hat und nun anderen Planeten den Weg dorthin zeigen will. Da die Erde erst durch das Raster an potenziellen Kandidaten gefallen ist, hat sich Nolan freiwillig dafür gemeldet, sie zu beschützen und dafür zu sorgen, dass sich die Menschen entsprechend entwickeln können. Eine Geschichte ohne Tod und Tragik ist rar im Superheldenbusiness. Was mich an der Familienkonstellation allerdings stört, ist die Rolle der Mutter. Nolan sorgt nämlich nebenbei noch als Autor für ein entsprechendes Einkommen, was Mark und sie dazu befähigt nicht arbeiten zu müssen. So bekommt sie lediglich die Rolle der putzenden, kochenden Frau zugeordnet, die bisher keine eigene Identität aufbauen konnte, als die Frau eines Superhelden zu sein. Ich hoffe sehr, dass sich dies bald ändert und sie aus dieser Rolle ausbricht.
#5 bis #8: eight is enough
Während Mark als Invincible Bösewichte dingfest macht, indem er sie erstmal ordentlich verprügelt, mahnt ihn sein Vater zur Vorsicht, vertraut ihm jedoch genug, um ihn für eine Weile allein zu lassen. So darf sich Mark um einen außerirdischen Eindringling kümmern, der natürlich zu einem ungünstigen Zeitpunkt auftaucht. Sie prügeln sich erst halbherzig im All, aber schnell wird klar, dass das Alien eigentlich keine bösen Absichten hatte. Mark redet also mit ihm und es stellt sich heraus, dass es sich um einen Inspekteur handelt, der alle drei Jahre vorbeikommt, um die Verteidigung des Planeten zu testen. Eine schräge Idee, die durchaus sinnvoll ist. Leider ist die Erde aber der falsche Planet, denn eigentlich sollte er zu einem anderen Planeten, den er all die Jahre vernachlässigt hat – eine nette Verwechslungskomödie. Es ist ein toller Dialog zwischen den beiden und einmal eine andere Art, einen Konflikt zu lösen.
Wir lernen in dieser Storyline auch die Guardians of the Globe kennen, die sehr stark an die Justice League erinnern und das nicht nur vom Aussehen her. Es handelt sich dabei: Darkwing, The Red Rush, War Woman, den König von Atlantis, Martian Man und Green Ghost. Jedoch werden diese auch schon nach ihrem ersten Auftritt von Omni-Man getötet oder zumindest jemanden, der sich als ihn ausgibt. Es ist durchaus lustig, dass diese Charaktere erst lange eingeführt werden, nur um danach brutal getötet zu werden. Vor allem auch etwas seltenees in Superhelden-Comics, dass man die eigentlichen Helden derart Scheitern sieht.
Ein weiterer interessanter Aspekt, der in diesen Comics eigentlich selten auftaucht, ist, dass Protagonisten noch „normale“ Freunde haben. Mark geht immerhin noch zur Highschool und hat ständig Kontakt mit Menschen ohne Fähigkeiten. Bei einer Besichtigung einer Uni findet sein Kumpel William heraus, dass Mark Fähigkeiten besitzt. Er macht keine große Sache daraus, nur später bittet er ihn darum, einmal mit ihm fliegen zu dürfen – wer würde dies nicht tun?
Invincible ist ein wunderbarer Comic, der sich nicht nur über andere lustig macht. Vielmehr ist es eine Hommage an das, was in dem Genre und im Science-Fiction-Bereich allgemein, so alles erarbeitet, verwendet und aufgegriffen wurde. Die Zeichnungen und die großartigen Farben vermitteln einen guten Eindruck von der Welt. Außerdem sind die Aliens, die Mark und andere immer wieder bekämpfen müssen, äußerst kreativ umgesetzt. Es fehlt weder an Humor noch an einer gewissen Ernsthaftigkeit. Kirkman findet die perfekte Mischung. Absolut empfehlenswert.