Black Panther gehört zu den besten MCU-Filmen, die wir bisher bekommen haben. An dem Film stimmt einfach alles. Von der Besetzung über den großartigen Soundtrack, das Design hin zur Geschichte. Alle Teile greifen wunderbar ineinander, um etwas wirklich Spezielles zu erschaffen. Ryan Coogler führte dabei nicht nur Regie, sondern war ebenso Teil des Autorenteams. Wenn man einen Regisseur hat, dessen Vision nicht nur ins MCU passt, sondern dem man vielleicht auch entsprechende Freiheiten gibt, diese umzusetzen, kommt so ein Film dabei heraus. Das Intro von Coogler, in dem er die Zuschauer*innen begrüßt, zeugt von einer Leidenschaft für den Charakter und wie wichtig es ihm war, dessen Geschichte zu erzählen.
Welche Bedeutung diese Prominenz eines Schwarzen Superhelden für Kinder hat, die sich nun ebenso im MCU vertreten sehen, kann man sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen. Ich kann mich an ein paar Reaktions-Videos zum Trailer vom Live-Action-Film zu Arielle erinnern, wo einem das Herz aufgeht. Es ist immer wieder schön zu sehen, welche Auswirkungen authentische, ernst gemeinte und mit Respekt umgesetzte Repräsentation hat. Egal, um welche Minderheit oder Community es auch gehen mag. Black Panther war sicherlich ein Meilenstein, der auf den Grundfesten vorangegangener Projekte wie Blade aufbauen, aber trotzdem seinen eigenen Abdruck hinterlassen konnte. Ich wage es nicht zu beurteilen, ob die Authentizität in Bezug auf die abgebildeten Stämme, Rituale, Kleidung und so weiter in sich stimmig ist, das können andere sehr viel besser.
Was ich allerdings sagen kann, ist, dass der Film für mich einfach großartig funktioniert. Die Geschichte um den in Civil War ermordeten König T’Chaka ist äußerst vielschichtig, und immer wieder kommt die zugrundeliegende Thematik im Film hervor. Nicht nur, was ein König von Wakanda leisten muss und welchen Preis er bereit ist zu bezahlen, damit das Geheimnis von Wakanda nicht nach außen getragen wird. Sondern ob diese Zurückhaltung überhaupt gut ist für Wakanda und den Rest der Welt. Anhand von Okoye wird die andere Seite dieses inneren Konflikts gezeigt. Als Generalin der Dora Milaje, Wakandas Spezialeinheit, ist sie dem Thron verpflichtet, egal, wer darauf sitzen mag. Sie orientiert sich an den etablierten Traditionen und als ein totgeglaubter T’Challa zurückkehrt, nutzt sie dieses Schlupfloch, wenn man so will, um sich gegen einen König zu stellen, der der Welt den Krieg erklären möchte, auch wenn sie sich damit gegen die Ideologie ihres Ehemanns stellt und ihn bekämpfen muss.
Black Panther ist voller gegensätzlicher Meinungen und Sichtweisen, die immer wieder wunderbar zum Vorschein kommen. Manchmal offensichtlich in Diskussionen, doch ebenso sieht man sie subtiler, in der Mimik und Gestik der Schauspieler*innen. Chadwick Bosemans Leistung in dem Film kann man nicht genug hervorheben. Man sieht ihm die Zerrissenheit förmlich an. Die Fehler und fast schon Verbrechen, die sein Vater begangen hat, um das Geheimnis Wakandas zu schützen. Killmonger mag ein Monster sein, doch dieses Monster hat nachvollziehbare Beweggründe und durchaus hehre Ziele. Killmonger wurde aus den Fehlern Wakandas geboren und will diese nun ausgleichen. Wakanda hat sehr lange zugesehen und sich versteckt, während in der Welt wahnsinnige Verbrechen passiert sind. Sowohl Killmonger als auch T’Challa sehen, dass sich das ändern muss. Ihr technologischer Fortschritt und ihre Macht verpflichten sie quasi dazu, etwas zu unternehmen.
Ich hätte mir gewünscht, dass der finale Kampf eher auf der Oberfläche stattfindet, statt in den CGI-Höhlen. Alles ist dunkel und die beiden tragen schwarze Anzüge vor einem schwarzen Hintergrund. Der Kampf an sich ist toll inszeniert, doch hätte er genauso auf der Oberfläche stattfinden können. Besonders der letzte Moment, wo T’Challa Killmonger tödlich verwundet, sieht man den beiden an, dass sie eigentlich für dasselbe kämpfen, nur die Methoden unterscheiden sich. Ich mag auch die letzte Einstellung, als beide unter der Statue des Panthers den Sonnenuntergang bewundern. Vielleicht ist es kitschig, doch ebenso ist es ein bitteres Ende eines verzweifelten Kampfes. Michael B. Jordan ist eine wunderbare Besetzung für Killmonger.
»Bury me in the ocean with my ancestors who jumped from the ships, because they knew death was better than bondage.« – Killmonger
Doch ich mag genauso sämtliche andere Aspekte des Films. Seien es die durchaus witzigen Einwürfe von Shuri und ihrer unbändigen Neugier, oder Forest Whitakers Darstellung des geistigen Anführers Suri. Die Kombination an technologischen Errungenschaften und alten Traditionen finde ich gelungen und ergänzt sich. Es schließt sich nicht aus, sondern Altes wird unter neuem Licht betrachtet und in die Moderne gebracht, ohne alte Traditionen abzuwerten. Von den Stämmen finde ich die Jabari und ihren Anführer M’Baku faszinierend. Sie haben sich vor langer Zeit von den Stämmen, die sich um das Vibranium und den Black Panther geformt haben, abgesagt und ihr eigenes Reich in den Bergen aufgebaut. M’Baku ist ein toller Charakter mit einem moralischen Kompass, von dem man sich eine Scheibe abschneiden kann. Er ist integer und weiß, seine Position auszuspielen. Ich kann nur empfehlen, den Comic-Ursprüngen der Charaktere nachzurecherchieren (welche zum Glück modernisiert wurden), was als Inspiration diente (beispielsweise Nuancen in den verwendeten Sprachen) oder was der Chant der Jabari bedeutet.
Ob man nun Black Panther nur für sich betrachtet oder ihn als Sprungbrett verwendet, um sich mit der Geschichte dahinter mehr auseinanderzusetzen, es ist ein fantastischer, fast perfekter Film. Er steht für sich und braucht weder Civil War noch einen anderen MCU-Film, um die Geschichte oder ihre Charaktere zu verstehen. Ein wirklich toller Eintrag in das größere Universum des MCU. Wakanda wird demnächst noch eine größere Rolle spielen, wenn wir uns Infinity War widmen und Thanos auf die Erde kommt.