Ein Notizbuch System

In den vergangenen Wochen habe ich mich immer wieder damit beschäftigt, wie ich mein bisheriges Konstrukt an Notizbüchern vereinfachen kann. Was benötige ich wirklich? Welche Praktiken kann ich in einem Notizbuch zusammenfassen? Alles valide Fragen, die man sich stellen sollte, wenn man so ein System (mal sehen, ob wir im Laufe des Textes einen besseren finden) aufbauen möchte. Eine zentrale Frage dabei, die ich mir allerdings bisher noch nicht zu stellen traute oder deren Beantwortung etwas mehr Zeit in Anspruch nehmen wird, ist das »Warum«.

Warum überhaupt nach einem System suchen? Was erwarte ich mir davon? Prinzipiell ist es ein ähnliches Verlangen, das YNAB für mich finanziell stillt. Ein Problem, welches ich nicht wirklich fassen konnte, aber dessen Lösung mich ruhig schlafen lässt. »You Need A Budget« oder kurz YNAB ist eine Software und eine App, über die ich schon des Öfteren berichtet habe. Kurz geht es darum, dass man jedem Euro, den man aktuell zur Verfügung hat, einen Job gibt. Was muss jeder Euro für mich in nächster Zeit leisten? Sei es Miete, Stromkosten, Abo-Gebühren, Internet, Werkstatt und noch vieles mehr. YNAB gibt mir eine klare Übersicht über meine Finanzen, was ich mir tatsächlich leisten kann und verschafft mir dadurch ein ruhiges Gefühl. Und das seit vielen Jahren.

Damit wäre die finanzielle Seite abgedeckt. Doch ich möchte ebenso einen Überblick über die Ziele, Aufgaben und Verpflichtungen, die sich im Laufe des Lebens eben anhäufen, im Blick haben. Darüber nachdenken können, was mir wichtig ist, was ich erreichen möchte und welche Dinge es loszulassen gilt – auch wenn es manchmal schwerfällt. In der Vergangenheit hat mir hier Bullet Journaling sehr geholfen. Mein erstes Notizbuch, wo ich mit Bullet Journaling angefangen habe, ist über 10 Jahre alt. Anfangs war es nützlich. Doch mit den Jahren hat es sich in eine negative Richtung entwickelt. Es wurde zu einer Pflicht, einer Last, etwas, das mich verfolgt und in das ich mich hineingesteigert habe. Eigentlich sollte ein Notizbuch oder Journal mir dienen und nicht ich dem Journal oder dem System dahinter.

Ich habe mich in komplexe Tracker und Layouts hineingesteigert, die nur Zeit gekostet haben, zu zeichnen und aufzusetzen. Dabei sollte es doch einfach sein. Schnell und nachvollziehbar. So tut man zwar immer etwas, aber eigentlich richtet man nichts aus, da man damit beschäftigt ist, das System zu pflegen. Über die Jahre habe ich Bullet Journaling dann komplett sein lassen und mir ein Sammelsurium an anderen Dingen angeeignet. Diese gefallen mir zwar einwandfrei, doch ich möchte zu den Wurzeln zurück. Deshalb habe ich mir ein kleines DIN-A6-Pocket-Notebook gekauft. Dieses dient als mein Haupt-Notizbuch, wenn man so will. Dort gehe ich nach dem Bullet Journal Prinzip vor. Inklusive der täglichen und wöchentlichen Reflexionen. Das mache ich jetzt schon fast einen Monat und bin sehr zufrieden. Vor allem, weil ich das kleine Notizbuch überall mit hinnehmen kann.

Langform-Einträge kommen in ein separates A5-Softcover-Notizbuch, genauso wie »Homework for Life« oder Dinge, die ich tracken möchte. Ich teste dort ebenso eine 3-Monats-Übersicht und verwende es als eine Art Scrapbook. Das heißt, dort kommen alle Dinge rein, die ich so erlebe und die ich festhalten möchte. Seien es Eintrittskarten zu Führungen oder Vorstellungen, Fotos, Einträge zu Events und vielleicht auch mal Zeichnungen. Schließlich teste ich noch ein weiteres A5-Notizbuch, als mein Commonplace Book zu verwenden, wo ich interessante Dinge aus Newslettern, Artikeln oder Büchern festhalte. All dies packe ich in meinem neuen Taschenbegleiter von Roterfaden. Es nimmt wenig Platz ein und kann bei Reisen schnell und einfach eingepackt werden.

Dieses System ist sehr viel übersichtlicher und kompakter als das, das ich davor verwendet habe. Ich habe ein gutes Gefühl dabei. Die Organisation an sich nimmt so gut wie keine Zeit in Anspruch. Ich kann mich auf die Dinge konzentrieren, die mir wichtig sind und die ich erledigen oder festhalten möchte. Das alles habe ich mir nicht in wenigen Wochen angeeignet. Ich beschäftige mich schon ein Leben lang mit Tagebüchern und Journaling. Es hilft meiner psychischen Gesundheit. Alleine das ist es für mich schon wert, mich damit auseinanderzusetzen. Über die weiteren Aspekte des »warum« muss sich allerdings noch etwas nachdenken.

Über die Konzepte, die ich im Text erwähnt habe, berichtete ich in der Vergangenheit schon öfter. Ich habe versucht, entsprechende grundlegende Einträge zu verlinken oder direkt die Webseiten, wie bei Bullet Journaling.