Gotta catch ‚em all

Fan sein ist manchmal nicht leicht. Egal, wovon. Star Wars ist gerade ein schwieriges Thema. Die Serien haben eine Qualität erreicht, bei der ich mich nicht einmal mehr traue, damit anzufangen, aus der Furcht heraus eklatant enttäuscht zu werden. Von den Filmen, die durchaus passabel angefangen haben, aber ein katastrophales Ende nahmen und wenig Hoffnung auf die Zukunft machen, möchte ich gar nicht erst anfangen. Andor, die beste Serie, die Disney je aus dem Star Wars Canon hervorgebracht hat, ist hier der einzige Lichtblick. Immerhin startet hier bald die zweite Staffel. Das nahm ich zum Anlass für einen Rewatch der Ersten und bin erneut zutiefst bewegt und begeistert. Großartig, und das ganz ohne Lichtschwerter.

Marvel, genauer gesagt das MCU, macht ebenfalls gerade eine schwierige Zeit durch. In meinem Rewatch bin ich gerade bei den X-Men-Filmen und koste die Zeit sehr aus, da ich mich davor scheue, mit der Ära nach Endgame anzufangen. Natürlich können sich die Kritiken und Einspielergebnisse täuschen, trotzdem habe ich die Befürchtung, dass es bei den meisten Filmen zutreffen wird. Man hat natürlich immer die vergangenen Erzeugnisse, auf die man sich stützen kann und die mich immer wieder begeistern können. Ich hätte nie gedacht, dass ich meinen Rewatch der Infinity Saga so sehr genießen würde, wie ich es tatsächlich tat. Es ist eben ein grandioses Stück Kinogeschichte. Doch neue Kost wäre gelegentlich auch nicht schlecht.

Auf der Comic-Seite habe ich schon lange nicht mehr reingelesen, muss ich gestehen. Das neue Ultimate Universe, welches vor ein paar Jahren von Marvel erneut ins Leben gerufen und von Meister Jonathan Hickman höchstselbst angeführt wurde, überzeugte mich allerdings. Ich habe nur ein paar Ausgaben gelesen bisher, aber was ich gelesen habe, zeugt von einem durchdachten Konzept. Es ist neu und dadurch kleiner, überschaubarer und noch nicht so ausufernd. Es erfordert nicht viel Hintergrundwissen und das, was man wissen sollte, ist schnell nachgeholt. Zuerst hatte ich meine Zweifel, primär am Spider-Man-Comic, doch der hat sich als ausgezeichnet herausgestellt.

Natürlich waren das alles jetzt nur Dinge, die unter der Disney-Fahne reiten, doch aktuell gehört Disney nun einmal sehr viel und man kommt schlecht an dem Unternehmen vorbei, wenn man sich für solch popkulturelle Themen interessiert und dafür begeistern kann. Doch im Grunde geht es mir heute um die Marke Spider-Man. Oder zumindest darum, was man mit einer Marke alles anstellen kann. Dass man Merchandise produziert und verkaufen möchte, ist eine Sache, aber mit anderen Unternehmen etwas komplett Eigenes auf die Beine zu stellen ist wieder eine andere. So hat sich Marvel mit Wizards of the Coast zusammengetan. Im September erscheint eine Magic: The Gathering Erweiterung oder Variante, mit Spider-Man im Fokus.

Seit Jahren kollaboriert Magic mit anderen Marken und bringt unter dem Label Universes Beyond immer wieder neue Decks und Booster Packs heraus, wo man hunderte Euro ausgeben könnte. Sei es Herr der Ringe, Warhammer, Assassin’s Creed, Final Fantasy, Spider-Man oder viele, sehr viele mehr. Bisher konnte ich der Versuchung widerstehen, doch einmal zuzuschlagen. Herr der Ringe hätte mich interessiert, weil es coole Artworks waren und tolle Designs. Doch waren es stets nur limitierte Auflagen und nach kurzer Zeit ausverkauft und nur mit viel Aufpreis zu haben. Oder, wie es bei Assassin’s Creed der Fall war, habe ich es schlichtweg verpasst. Ich bin eben kein Magic-Spieler. Was soll ich also mit den Karten anfangen, außer dass sie irgendwo im Regal liegen? Dort liegen schon genügend Yu-Gi-Oh!-Karten.

Ich kann sie nicht an die Wand heften, sondern müsste sie in Ordnern sammeln und könnte sie mir dort ansehen. Ich spiele nicht damit, es werden keine Geschichten damit erzählt, dazu sind die Comics da. Es sind einfach nur Bilder von Charakteren, die ich sowieso kenne und von denen es unzählige Zeichnungen und Abbildungen in den Comics gibt, die mindestens genauso cool und kreativ sind. Da hänge ich mir lieber solche Zeichnungen an die Wand und lese gelegentlich einen Comic, statt unnötig viel Geld in Spielkarten zu investieren. Ich weiß nicht, ob man mit dieser Strategie diejenigen regelmäßig erreicht, die kein Magic spielen, doch Fan von der Marke sind und deshalb die ganzen Decks und Booster kaufen. Scheinbar muss es sich aber lohnen, sonst würden nicht so viele Sets erscheinen und das seit Jahren.

Wenn ich ehrlich zu mir selbst bin, sehe ich den Reiz. Es sind zum Teil Marken und Charaktere, die mich schon mein Leben lang begleiten. Doch einmal mehr darüber nachgedacht, verschwindet die Begeisterung dafür schnell, da das praktische fehlt. Klemmbausteinsets kann ich mir zumindest ins Regal stellen und anschauen. Ich muss sie zuerst aufbauen und verbringe Zeit damit. Ich kann sie zerlegen, neu aufbauen oder in Dioramen integrieren – etwas damit machen. Doch Spielkarten zu kaufen, nur damit sie in einer Mappe vor sich hin vegetieren, ist ein Schritt zu viel. Manchmal ist es eben nicht so leicht, ein Fan zu sein. Es ist stets ein Abwägen, was man sich antun möchte und was es sich lohnt zu kaufen. Entweder, weil es einen gewissen Mehrwert bietet oder eben eine faszinierende Geschichte erzählt. Man muss einen schmalen Grat wandern und nicht auf die Seite des kompletten Ausnutzens hinunterstürzen.