Auf diesen Film war ich sehr gespannt. Ich habe ihn, wenn ich mich recht entsinne, seit dem Kinobesuch vor über 6 Jahren nicht mehr gesehen und keine guten Erinnerungen daran. Wobei das eher einem Gefühl entspricht. Konkret benennen, woher diese eher negativen Eindrücke kommen, kann ich leider nicht mehr. Deshalb bin ich sehr froh, mich bei diesem Rewatch entschieden zu haben, wirklich alle Marvel-Filme noch einmal anzusehen. So bekommt jeder eine zweite Chance. Bisher wurde ich nicht enttäuscht. Glücklicherweise ist Ant-Man and the Wasp keine Ausnahme.
Wenn ich so darüber nachdenke, gefällt mir der zweite Teil sogar um einiges besser als der erste. Das liegt hauptsächlich daran, dass die Fortsetzung konsequenter und stringenter wirkt. Er kommt aus einer Hand, wenn man so will, aus einer Vision heraus, wie dieser Film aussehen und was dessen Geschichte bewirken soll. Hat man dem ersten Teil noch seine schwierige Produktionsgeschichte angemerkt, so sind diese bei Ant-Man and the Wasp nicht mehr spürbar. Es ist eine tolle Reise, deren Ensemble-Cast immer wieder glänzen darf und wo alle Charaktere ihre Momente bekommen.
Die Bösewichtin wird zwar als skrupellose Schurkin eingeführt und hat eine schwierige Vergangenheit, doch im Grunde wurde sie ihr Leben lang ausgenutzt und ein Versprechen auf Heilung immer wieder enttäuscht. Sie ist zutiefst verletzt, verzweifelt und will einfach nur ihre permanente Pein loswerden. So hat man am Ende durchaus Mitgefühl mit ihr und es ist schön zu sehen, dass sie mit Bill Foster jemanden gefunden hat, der sie auf den richtigen Pfad zurückführen möchte. Heilung, ja, aber nicht um jeden Preis. Bill Foster wird großartig porträtiert von Laurence Fishburne. Ich hatte schon ganz vergessen, dass er in diesem Film mitspielt. Er hat eine tolle Chemie mit Hannah John-Kamen, die die Verzweiflung ihrer Figur wunderbar darstellt. Die Effekte ihrer Fähigkeiten tragen ihr Übriges dazu bei, sie zu einer tollen Bösewichtin zu machen.
Doch wie auch schon im letzten Film ist meine Lieblingskombo Scott mit seiner Tochter Cassie (erneut von Abby Ryder Fortson gespielt). Die Anfangssequenz mit ihrem Zuhause kreierten Abenteuern und die Unterhaltungen, die die beiden im Laufe des Films haben, erwärmen einem immer wieder das Herz. Es ist großartig zu sehen, wie sehr sich Scott Mühe gibt, nur das Beste für seine Tochter zu tun und sie nicht zu enttäuschen. Doch ihre aufbauenden Worte, als sie erfährt, dass er wieder in die Rolle des Ant-Man geschlüpft ist und wie Cassie ihn deckt, indem sie dem FBI-Agenten Paroli bietet – das alles sind immer wieder Höhepunkte des Films. Es braucht nicht immer große Action-Sequenzen oder CGI-Gewitter. Manchmal braucht es nur schöne Momente mit tollen Charakteren.
Im ersten Teil fand ich Scotts Gang mit Luis, Kurt und Dave etwas nervig. Vor allem haben die Macher Michael Peñas Talent etwas zu oft eingesetzt. Ich glaube, dreimal durfte er in seiner toll überspielten, rasant redenden Art eine Geschichte erzählen. Hier ist es nur einmal der Fall und es wirkt sogleich besser. Man freut sich direkt darauf, wenn er loslegen darf, und es passt in die Geschichte hinein. Er zögert die Wirkung des Wahrheitsserums so lange hinaus, bis es nicht mehr geht. Die eingespielten Momente, in denen sich die Charaktere so ganz anders verhalten als sonst, sind ebenso brillant umgesetzt. Doch auch Kurt und Dave haben am Ende des Films ihren großen Auftritt und überwältigen den zweiten Bösewicht des Films, der eher zu einem Comic-Relief verkommt; was aber nicht weiter störend auffällt.
Das große Thema des Films, wie auch schon beim Vorgänger, ist Familie. Hank und Hope wollen ihre im Quantum-Realm verschwundene Frau bzw. Mutter wiederfinden. Die Macher des Films fallen dabei stets mit großartigen, kreativen Ideen auf, wie man Hanks Technologie, Dinge schrumpfen und vergrößern zu können, einsetzen kann. Seien es die Miniaturautos, die in einer entsprechenden Schachtel aufbewahrt werden, die Verfolgungsjagden oder gar die Verwendung des Gebäudes mit Hanks Labor als Trolley-Koffer. Doch auch Scott darf sein Talent für größe, wenn man so will, wieder zum Besten geben und mimt ein Meeresungeheuer. Dazwischen noch ein paar nette Scherze mit dem FBI-Agenten und man hat einen wirklich schönen Film beisammen.
Doch den Film zeichnet noch etwas anderes aus, was wir bisher immer nur am Rande mitbekommen haben: Die Konsequenzen von Civil War sind hier deutlich zu spüren. Ant-Man and the Wasp zeigt, was mit den „normalen“ Superhelden passiert, die nicht so privilegiert oder ressourcenstark sind wie ein Tony Stark oder Steve Rogers. Es war schon hart zu sehen, in Civil War, wie Scott und Co. im Hochsicherheitsgefängnis auf hoher See gefangen gehalten wurden. Der Zeitsprung von zwei Jahren wird sehr subtil in Ant-Man and the Wasp eingebaut und funktioniert. Erneut ein Marvel-Film, der mich positiv überrascht hat, aber mittlerweile sollte ich das ja gewohnt sein.