Geek-Planet | Invincible #20 bis #30

Es ist Donnerstag und damit werfen wir einen Blick in meine Blogger-Vergangenheit. Genauer gesagt auf den 30.12. 2016. Da erschien der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Ich möchte trotzdem alle meine Texte an einer Stelle versammelt wissen. Deshalb redigiere ich jede Woche einen alten Text von mir, versehe ihn mit einer kleinen Einleitung und veröffentliche ihn hier erneut.

Der Zeichnungsaspekt, auf den ich im folgenden Text gelegentlich eingehe, ist ziemlich interessant. Vor allem im Kontext von Invincible. Es gibt Comics, die über Jahre laufen und sich mehr oder weniger nicht verändern. Saga sei hier als Beispiel genannt, auch wenn ich schon lange keinen Blick mehr reingeworfen habe. Allerdings hat Fiona Staples einen so grandiosen Stil, dass er zeitlos wirkt und stets auf einem hohen Niveau agiert hat. Ryan Ottley, der sich für den Hauptteil von Invincible verantwortlich zeichnet, merkt man die Entwicklung über die Jahre deutlich an. Es ändern sich Stile und Techniken, die Art, wie die Farben von Bill Crabtree eingesetzt werden, variiert. Wenn man von Invincible die letzte und die erste Ausgabe in der Hand hat, merkt man die Entwicklung deutlich. Ich mag das sehr gerne. Deshalb lese ich beispielsweise auch gerne Webcomics, weil man die Entwicklung der Künstler*innen live mitbekommt. Es ist schön zu sehen, wie jemand in seiner Kunst aufgeht, sich verbessert oder herausfindet, was am besten funktioniert.


In »the facts of life«, dem fünften Handlungsbogen des fantastischen Comics Invincible, bekommen wir unter anderem die Nullnummer geliefert. Außerdem erhalten wir für diverse Charaktere eine Origin-Story und erfahren so, warum sie zu den Helden wurden, die sie heute sind. Der letzte Handlungsbogen für dieses Jahr ist dann schließlich »a different world«.

#20 bis #25, #0: the facts of life

Ich bin mir nicht sicher, wieso, wahrscheinlich aufgrund der Zeichnungen, allerdings nehme ich Invincible als diesen locker lässigen Comic hin, der für seichte Unterhaltung gut ist. Dies ist insofern interessant, als die Geschichten dann doch, so witzig und schräg sie teilweise sein mögen (man denke nur an die beinahe-Heirat zwischen Mark und Aquaria), so ernst und überraschend tiefsinnig kann eine Handlung ausfallen. So zum Beispiel Marks naive Herangehensweise, als ihn Titan darum bittet, ihn dabei zu unterstützen, Machine Head zu stürzen. Dabei handelt es sich um einen DER Verbrecherbosse der Stadt. Natürlich macht es Titan nicht ganz uneigennützig. Als die beiden den Schurken, der an Black Mask aus den Batman-Comics erinnert, überwältigt haben, übernimmt Titan kurzerhand die frei gewordene Position. Weder Mark noch Cecil bekommen davon etwas mit. Man sollte einem plötzlichen Gesinnungswechsel eines bekannten Verbrechers eben doch nicht so einfach Vertrauen schenken.

Eine andere schockierende Geschichte ist, als Rick, ein Freund von Mark und William, entführt wird. Eines Tages, als er nach Hause kommt, wird er einfach bewusstlos geschlagen. Wie sich herausstellt, steckt Sinclair dahinter, doch dies erfahren nur wir Leser, die Protagonisten bleiben im Dunklen. Hier offenbart sich eine der grausamsten Fantasien, die man sich so vorstellen kann. Rick wurde von dem Schurken an eine Apparatur angeschlossen, die mit seinem Gehirn und anderen Teilen seines Körpers verbunden ist. Hinzu kommt, dass ein Arm amputiert wurde und er bei vollem Bewusstsein gefoltert wird. Diese überraschenden Momente, die niemals auch nur ansatzweise angedeutet werden, sondern den Leser*innen einfach vor das Gesicht geknallt werden, machen Invincible zu so einem tollen, unvorhersehbaren Comic.

Doch auch die Beziehung zwischen den einzelnen Charakteren ist einwandfrei ausgearbeitet und man hofft immer wieder mit den Protagonisten, dass sie die Situation gut hinbekommen. So zum Beispiel als Mark seiner Freundin Amber davon erzählen will, dass er Invincible ist. Die gesamte #0 Ausgabe ist dieser Prämisse gewidmet und Mark erzählt ihr alles, selbst die Geschichte über seinen Vater, was ihm sichtlich guttut. Schließlich werden seine Mühen mit Sex belohnt. Es scheint so, als würde das mit den beiden etwas Langfristiges werden.

Im ersten Teil der 25. Ausgabe bekommen wir schließlich so einige Origin-Storys geliefert. Monster Girl, Rex Splode, The Immortal und Atom-Eve bekommen alle auf jeweils zwei bis drei Seiten ihre bisherige Lebensgeschichte zusammengefasst und wie sie zu den Kräften gekommen sind, die sie heute haben. Es ist ein interessanter Einblick, und Robert Kirkman selbst schreibt als Erzähler, dass man dadurch vielleicht den ein oder anderen Charakter in einem neuen Licht sieht. So bekommt Rex, der bisher eher arrogant und selbstsüchtig rübergekommen ist, eindeutig mehr Tiefe und wird interessanter.

#25 bis #30: a different world

Mark ist ein großer Fan des Comics »Sience Dog«. Deshalb ist er umso überraschter, als dieser eines Tages leibhaftig vor seiner Tür steht und ihn darum bittet, ihn auf seinen Heimatplaneten zu begleiten. Es stellt sicher heraus, dass Science Dog nur eine Verkleidung ist, um das Vertrauen von Mark leichter zu erhalten. In Wahrheit sieht das Alien sehr insektenartig aus. Gegen den Wunsch von Cecil begleitet Mark den Außerirdischen zu seinem Planeten, um dem Volk zu helfen.

An dieser Stelle wird ein interessanter Aspekt aufgegriffen. Denn Mark arbeitet ja an sich für die Regierung, in Form von Cecil. Dieser koordiniert seine Einsätze und bezahlt ihn dafür. Es ist aber schon erstaunlich, wie sehr Cecil meint, Mark zu besitzen. Bisher habe ich ihre Beziehung immer so verstanden, dass Cecil es ihm ermöglicht, Gutes zu tun, indem er ihm Geld gibt und durch die Uni bringt. Der Arbeits- und Besitzaspekt kommt nun etwas schnell und direkt zur Sprache. Es wird interessant werden, ob dies in Zukunft noch einmal eine Rolle spielt und für einen Bruch zwischen den beiden führt.

Auf dem Planeten des Aliens bekommt Mark erst einmal eine ziemlich große Überraschung serviert, denn sein Vater begrüßt ihn. Dieser hat sich vollkommen von den Viltrums abgewandt und sucht inzwischen ein ruhiges Leben auf diesem Planeten. Nachdem was er getan hat, kann er unmöglich zur Erde zurück. Nolan hat sogar eine neue Familie begründet, womit Mark jetzt einen Halbbruder hat. Ich will mir gar nicht vorstellen, wie Nolan und Andressa, die insektenartige Frau von Nolan, dieses Kind gezeugt haben, aber es hat Eigenschaften von beiden Spezies. Dadurch hat es eine violette Haut und altert schneller (die Bewohner des Planeten haben eine Lebenszeit von gerade einmal neun Monaten). Doch Oliver, so tauft Debbie später das Kind, altert langsamer, je älter er wird (eine Eigenschaft der Viltrum-Seite), wodurch der Effekt mehr als ausgeglichen wird.

Nach einem überraschend klärendem Gespräch zwischen Mark und seinem Vater kommt es zu einem Angriff von vier Kriegern aus Viltrum. Der Kampf ist brutal, schnell und Mark kommt nur knapp mit dem Leben davon. Nolan gelingt es zwar, einen zu töten, doch er wird schließlich gefangen genommen. Da sich Mark in dem Kampf mehr oder weniger gut gehalten hat, wird er von den ankommenden Kriegern kurzerhand zum Beauftragten der Erde erklärt und bekommt 100 Jahre Zeit, den Planeten für die Invasion bereitzumachen.

Da Andressa bald sterben wird, gibt sie Mark ihr Kind mit, damit es ein besseres Leben hat, als es auf diesem Planeten möglich wäre. Dadurch wird Debbie zwar wieder die Möglichkeit genommen, einen Job und damit ein eigenständiges Leben aufzubauen, doch die Erziehung von Oliver wird sicher auch interessant, vor allem da er eine Tutorin von Cecil gestellt bekommt. Denn mit der violetten Haut kann er sich nicht auf die Straße trauen.

»a different world« ist eine schöne Geschichte, die eine Versöhnung zwischen Mark mit seinem Vater ermöglicht. Es bleibt spannend, ob Mark einen Rettungsversuch unternimmt und wie sich Oliver entwickelt. Doch auch die Beziehung zwischen Mark und Amber hat etwas von seiner zweimonatigen Abwesenheit gelitten. Amber ist dies nicht gewohnt und weiß nicht, mit wem sie reden soll. Dabei würde es sich durchaus anbieten, dass sie sich mit Debbie auf eine Seite schlägt, da diese das alles schon einmal durchgemacht hat und ihr sicher ein paar Tipps geben könnte.

Bald ist es geschafft und das erste Compendium, welches die ersten 47 Ausgaben von Invincible enthält, ist durchgearbeitet. Bis jetzt gefällt der Comic ziemlich gut, weil er nicht nur diverse popkulturelle Referenzen enthält und sich darüber lustig macht, sondern auch weil der Ansatz eines Superheldencomics ein anderer ist. Die Zeichnungen gefallen, vermitteln einen tollen Eindruck der Welt und setzen die Charaktere gekonnt in Szene.