Seit ein paar Wochen beschäftigt mich ein Projekt, welches ich subtil als »F*ck America« betitelt habe. Da die erratische Orange nicht aufhört, immer seltsamere, fragwürdigere, dümmere Entscheidungen zu treffen, bleibt einem nichts anderes übrig, als sich mit europäischen Alternativen auseinanderzusetzen. Natürlich könnte man all das ignorieren, den Kopf quasi in den Sand stecken und schauen, was passiert. Doch ich möchte nicht eines Tages vor einem virtuellen Scherbenhaufen stehen, der einmal meine Daten war. Ich habe sehr viele Fotos in der iCloud, tausende E-Mails bei Google und Daten bei allen möglichen Diensten gespeichert. Die meisten davon werden von Firmen betrieben, die in den USA beheimatet sind. Die dortigen Behörden können jederzeit, wenn sie wollen, auf diese Daten zugreifen.
Ganz davon abgesehen, was die Firmen, wie eben Google, mit diesen Daten machen. Natürlich hätte man sich schon früher damit auseinandersetzen können, aber wir haben doch in einer so schönen und gemütlichen Welt gelebt. Das Silicon Valley hat sehr viel Geld darauf angesetzt, dass wir uns geborgen fühlen. Es ist alles so einfach und bequem. Ich kann von überall auf meine Daten zugreifen. Das iPhone erstellt mir tolle kurze Videos von Urlauben und zeigt mir Bilder, die ich schon längst vergessen hatte. Alle meine E-Mails kommen seit Jahren an meiner Google-Mail-Adresse an. Egal, was ich suche – alte Rechnungen, Informationen oder Zugangsdaten – alles ist nur eine Suchanfrage entfernt. Das Gesuchte wird sich in den über 35.000 E-Mails finden lassen. Es wird Zeit, das zu ändern.
Ich habe bereits davon berichtet, dass ich mich nach E-Mail-Alternativen umsehe. Meine erste Anlaufstelle war mailbox.org, wo ich inzwischen einen Account habe. Manche Dienste habe ich auch schon dorthin umgezogen. Als Nächstes hatte ich Infomaniak und ihre ksuite im Auge, aber Proton erschien mir als die bessere Alternative. Diese verschlüsseln die Daten und nur ich habe darauf Zugriff. Aktuell habe ich nur den Gratiszugang, doch da ich auch eine iCloud-Alternative benötige, werde ich dafür wohl ebenfalls den Premium-Account klicken. Fotos, die in der iCloud liegen, werde ich auf wenige Jahre beschränken, den Rest exportieren und auf SSDs speichern. Ob mein nächstes Smartphone ein iPhone wird, da bin ich mir ebenfalls nicht sicher. LineageOS auf einem günstigeren Android-Phone zu installieren, klingt aktuell nach einer sympathischen Alternative. Social Media verwende ich schon seit Jahren nicht mehr.
Ist das alles einfach? Bei weitem nicht. Ist es unangenehm, aufwendig und mit Kosten verbunden? Auf jeden Fall. Wir sind in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten immer weiter dahin getrimmt worden, dass wir für Software nichts mehr bezahlen. E-Mails sind kostenlos, Cloudzugänge ebenfalls. Doch umsonst sind sie bei weitem nicht, denn wir bezahlen mit genau den Daten, die wir dorthin verlagern. Wie diese ausgewertet werden, wer darauf Zugriff hat und welche Schlüsse daraus gezogen werden? Keine Ahnung. Deshalb ist es mir den einen oder anderen Euro im Monat wert, Dienste von europäischen Anbietern zu verwenden. Und ich bin in der glücklichen Lage, es mir leisten zu können. Dabei will ich noch betonen, dass es insgesamt nicht viel kosten muss. Besonders E-Mail-Zugänge kann man schon sehr günstig für 1 € im Monat erhalten. Machen wir uns unabhängig von den großen US-Unternehmen. Meine Daten gehören mir.
Hier ist eine Liste an Quellen, die ich immer wieder zurate ziehe. Dank des tollen Podcasts »Wochendämmerung« (https://wochendaemmerung.de) sind noch ein paar Links dazugekommen.
- Buy European
https://buy-european.net/de - European Alternatives
https://european-alternatives.eu/de/ - Kuketz
https://www.kuketz-blog.de/unplugtrump-mach-dich-digital-unabhaengig-von-trump-und-big-tech - Go European
https://www.goeuropean.org/#products-list - Dataport
https://www.dataport.de/unsere-themen/open-source-in-der-oeffentlichen-verwaltung/
