Es ist Donnerstag und das heißt, wir werfen einen Blick zurück in die Vergangenheit meines Blogger-Daseins. Genau genommen auf den 13. Oktober 2015, als der folgende Text auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet« erschien, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Trotzdem sollen alle meine Textet an einem Ort versammelt und auffindbar sein.
Ach, Fear the Walking Dead. Ich kann mich tatsächlich noch daran erinnern, wie ich den Podcast gehört habe und mich jedes Mal auf die Diskussionen gefreut habe. Es gab running gags und neue Dinge an Charakteren und der Welt von FTWD zu entdecken, die mir zuvor noch nicht aufgefallen sind. An was ich mich allerdings nicht mehr erinnern konnte, war mein finales Urteil zu FTWD. Scheinbar war die erste Staffel wirklich nicht sehr gut und hat mich wenig begeistert. Das ist insofern interessant, als sich das mit den kommenden Staffeln ändern würde. Je schlechter The Walking Dead wurde, desto mehr mauserte sich FTWD zu einer richtig gut gemachten Zombie-Serie. Mit jeder Staffel änderte sich das Setting und die Charaktere wurden interessanter.
Auch die Geschichte habe ich stets gerne verfolgt. Zwar habe ich nach der vierten oder fünften Staffel aufgehört, die Serie zu schauen, doch im Großen und Ganzen habe ich es nicht bereut, FTWD eine Chance gegeben zu haben. Es war eine willkommene Abwechslung in vielerlei Hinsicht zu TWD.
Was meinen alten Text an sich betrifft, ist es durchaus ersichtlich, dass ich noch eher früh in meiner Blogger-Karriere war. Der Text scheint unstrukturiert und die Übergänge zwischen einzelnen Themen holprig oder mit dem Vorschlaghammer erzwungen. Deshalb ist es so toll, sich mit früheren Texten auseinanderzusetzen. Man sieht den Fortschritt, den man gemacht hat. Außerdem können eventuelle Einstellungen oder Meinungen insofern überdacht werden, als man sich Gedanken machen kann, wie sie sich in den Jahren darauf entwickelt haben.
Es ist schon erstaunlich, wie sich Fear the Walking Dead, eine Serie, die in der gleichen Welt wie die Mutterserie The Walking Dead spielt und von denselben Machern stammt, dermaßen qualitativ von dieser unterscheidet. Die Freiheiten, die die Autor*innen in einem Interview angesprochen haben, scheinen nicht gerade positive Auswirkungen zu haben. Es gibt eben keinen Comic, auf den man sich notfalls beziehen kann. Ich bin gespannt, wie es nach dem Finale weitergehen wird.
- Created by Robert Kirkman, Dave Erickson
- Executive producers: Robert Kirkman, David Alpert, Greg Nicotero
- Editor: Todd Desrosiers
- Cast: Kim Dickens, Cliff Curtis, Frank Dillane, Alycia Debnam-Carey, Elizabeth Rodriguez
“She’s not sick. She’s dead.” – Nick
Der erste Unterschied zwischen FTWD und TWD ist eindeutig das Setting. Los Angeles als Dreh- und Angelpunkt bietet eine willkommene Abwechslung zur sonst so ländlichen, von Wald überwucherten Wildnis, die nur von Schienen, Hütten und Scheunen unterbrochen wird. Auch ist die Stadt tatsächlich bewohnt mit lebenden Menschen – es gibt Demonstrationen gegen Polizeigewalt, alltägliche Probleme spiegeln sich im Leben der Protagonisten wider und nur langsam wird ihnen bewusst, was sich wirklich abspielt.
Die erste Folge vermittelt einen guten Eindruck über die handelnden Figuren und spart erfreulicherweise an Zombies. Dass ein junger, drogensüchtiger Teenager namens Nick als erster die Zombies entdeckt und als unglaubhafter Zeuge fungiert, ist ein gut gemachter Schachzug. Überhaupt spielen die Verantwortlichen der Serie immer wieder mit den Erwartungen der Zuschauerinnen. So muss man sich immer wieder vor Augen führen, dass die einzelnen Charaktere nicht wissen, womit sie es zu tun haben. Zombies existierten in ihrer Welt vorher nicht (auch nicht in Folklore oder Literatur) und sie müssen erst lernen, mit der Situation umzugehen. Da verstehe ich dann die Beschwerden von so manchen Zuschauerinnen nicht, dass die Polizei doch bitte in den Kopf und nicht in die Brust schießen soll. Ist es nicht selbstverständlich, dass ich jemanden nicht direkt ins Gesicht schießen möchte?
Der Einzige, der offenbar Bescheid weiß, ist Tobias, ein Schüler von Madison. Er gibt ihr Tipps und Hinweise darüber, was sich aktuell abspielt und hilft ihr in einer brenzligen Situation. Nach ein paar Episoden verschwindet er mit einem Schulbus, wenn ich mich richtig erinnere, und leider sehen wir ihn bis zum Finale nicht wieder. Ich hoffe sehr, dass wir ihm wieder begegnen, da er ein wichtiger Bestandteil der Gruppe sein könnte, er hat einen gewissen Charme und außerdem möchte ich mehr über diesen mysteriösen Charakter erfahren. Vielleicht befindet er sich ja auf dem CGI-Schiff von Strand, das wir am Ende der letzten Episode sehen mussten.
Wenn ich Dinge auflisten müsste, die mich an der Serie am meisten gestört haben oder die immer wieder negativ aufgefallen sind, dann sind dies definitiv so manche Entscheidungen und Reaktionen von bestimmten Charakteren. Travis scheint sich zum Beispiel null für seinen Sohn zu interessieren und wenn dieser ihm ein Video von eventuell Hilfe suchenden Menschen zeigen möchte, kann er sich keine Minute Zeit nehmen, um sich das mal kurz anzusehen. Innerhalb weniger Folgen entwickelt sich Travis dann zu einem richtigen Draufgänger und Gewalttäter, was ich für zu schnell und gezwungen halte. Diese Entwicklung hätte man durchaus noch in die zweite Staffel mitnehmen können. Chris’ Entwicklung dagegen gefällt mir ziemlich gut. Er wird immer weiter in die Geschehnisse eingebunden, auch wenn er zum Schluss von den anderen mit Alicia im Auto gelassen wird – wer bitte lässt seine Kinder einfach mal so kurz zurück, während die Apokalypse im Gange ist?
Dann ist mir noch sauer aufgestoßen, dass das Militär zu schwach und hilflos dargestellt wird. Wenn sich alle Stationen so verhalten wie die gezeigten, wundert es mich nicht, dass wir Menschen keine Chance gegen eine Horde Zombies haben. Sobald mehr als zehn davon vor dem Zaun stehen, wissen die ausgebildeten Spezialeinheiten nichts Besseres zu tun, als einfach mal drauf loszuballern. Das haben selbst Rick und seine Gruppe in TWD besser gelöst und Zombie für Zombie einzeln mit einem Kopfschuss oder besser noch lautlos mit einem Messer erledigt. Außerdem haben Militärs doch sicher ein paar Raketen und Granaten herumliegen, die sich besonders toll dafür eignen, viele Zombies auf einen Schlag zu eliminieren.
Der letzte negative Punkt, den ich hier erwähnen möchte und der sich auch immer weiter hochgeschaukelt hat bei mir, ist die Tatsache, wie lange Nick mit den gestohlenen Altmännersachen herumläuft. Es dauert eine Ewigkeit, bis er sich zumindest mal ein frisches T-Shirt anzieht. Es hätte sich mehr als eine Gelegenheit geboten, mal etwas anderes anzuziehen, zum Beispiel als er zu Hause war? Trost spendet hier eindeutig die darstellerische Leistung von Frank Dillane, der den Charakter überzeugend spielt, und es wird mit der Zeit auch deutlich, wie abhängig Nick wirklich ist. Anfangs war ich mir noch etwas unsicher, doch später klaut er sich selbst das Morphin von sterbenden Menschen und seine Mutter reagiert entsprechend schockiert darauf. In dieser Situation und mit dem Stress, dem sie ausgesetzt ist, erscheint mir ihre Reaktion durchaus nachvollziehbar. Ich bin sehr neugierig auf Nicks weitere Entwicklung. Ist er nach dem Aufenthalt im Militärkomplex clean oder zumindest so weit, dass er sich gegen weitere Drogen entscheidet? Wird er ein wertvoller Teil der Gruppe und nicht nur eine Last, die mitgeschleppt werden muss? Und natürlich die wichtigste Frage: Wann zieht er sich was Anständiges an?
Positiv überrascht bin ich von der neuen Figur des Strand. Er hat eine gewaltige Präsenz und ist eine spannende, mysteriöse Figur, die uns hoffentlich noch länger begleitet. Seinem Haus, den Anzügen und vor allem seinem Schiff nach zu urteilen hat er eine Menge Geld und ich bin noch nicht überzeugt, dass er sich das Ganze in Las Vegas erspielt hat. Könnte er eventuell ein Auftragsmörder sein?
Alles in allem war die Staffel okay, doch nicht überragend. Zum Ende hin konnte sie sich noch einmal steigern, doch wirklich überzeugt bin ich noch nicht. Es sind auf jeden Fall noch viele Fragen offen, die ich beantwortet haben möchte, und die Findungsphase haben sie mit dieser Staffel hoffentlich abgehakt.
Wenn ihr euch noch mehr zum Thema FTWD anhören wollt, kann ich euch sehr den Podcast der Serienjunkies empfehlen. Die Redakteur*innen nehmen sich darin jede Episode einzeln vor. Dabei entstehen unterhaltsame Diskussionen, denen man gut lauschen kann und die das ein oder andere Detail zutage befördern, auf das man vielleicht nicht geachtet hat. Sie werden auch die kommenden Episoden von The Walking Dead begleiten.