XCU Rewatch | X-Men Origins: Wolverine

Vielleicht eine etwas gewagte These, aber ich finde, dass X-Men Origins: Wolverine ein Film ist, den man sich gut ansehen kann. Er schafft es, die lange und verworrene Vergangenheit von Logan in unter zwei Stunden unterhaltend zu erzählen. Wir bekommen ein paar Einblicke in eine schwierige, mit vielen Krankheiten geprägte Kindheit und seine lange Freundschaft mit Victor. Die beiden halten zusammen, was immer auch geschehen mag, und tun das seit 1845. Also verständlich, wenn sich Logan später schwer damit tut, diesen Mann zu töten.

Die anfänglichen Credits, die die beiden „unsterblichen“ Männer in unterschiedlichsten Kriegsszenarien zeigen, machen auf eine beeindruckende Weise deutlich, wie Victor immer weiter eskaliert. Wie er Spaß daran findet zu töten und ihm egal ist, wem es trifft. Hauptsache, er kann seine blutrünstige Seite voll ausleben. Das gipfelt in einem nicht schlecht gemachten Einsatz von X-Force (kann man das Team so nennen?) und bildet die Grundlagen für Logans Beziehung mit Stryker. Die Fähigkeiten, besonders von Wade aka Deadpool sind etwas cheesy, aber der Einsatz hat seine Momente. Besonders das spätere Ende, wo sich Logan vom Team verabschiedet, beeindruckt auch heute noch.

Was dem Film immer wieder gut gelingt, ist, Logan in unterschiedlichen Lebenssituationen zu zeigen. Sei es als Krieger oder als Partner, in einer ruhigen Beziehung, irgendwo in Kanada. Er kann ein einfaches Leben führen, wenn man ihn nur lassen würde. Doch wie es scheint, hat selbst das Stryker von langer Hand geplant, sodass er wirklich immer Zugriff auf seinen besten Mann hat. Mit dem scheinbaren Tod von Logans Freundin ist sein Schicksal, endgültig zu Wolverine zu werden, ein für alle Mal besiegelt. Doch Stryker scheint seine Kreatur nicht so gut zu kennen, wie er meint.

Die Szene, wo Logan das Adamantium verabreicht bekommt, tut beim Zuschauen schon weh. Die Transformation ist fantastisch gemacht. Ich glaube, in dieser Szene hat Hugh Jackman ein für alle Mal festgeschrieben, dass er der wahre Wolverine ist. Aber auch den Rest des Films trägt er, wie kein Zweiter. Die physische Präsenz auf der Leinwand ist gewaltig, und Jackman verkörpert den Mutanten mit einer Inbrunst, die ihresgleichen sucht. Seien es die Kämpfe, die Schreie oder die intimen Momente – Hugh Jackman ist perfekt dafür geeignet, die gesamte Bandbreite dieses Charakters glaubwürdig zusammenzuführen. Über 20 Jahre dürfen wir ihn nun schon auf dieser Reise und mit diesem Charakter begleiten. Und es war nie langweilig.

Offen gestanden hatte ich schon ganz vergessen, dass Gambit in diesem Film mitspielt. Er macht auch keine schlechte Figur und hat gute Auftritte. Gambit darf Wolverine ein paar mal aus der Patsche helfen und seine visuell gut gemachten Kräfte zur Schau stellen. Gerne hätte man ihm den nächsten Origins-Film geben können. Ich finde es wirklich schade, dass sie diese Reihe nicht weiter ausgebaut haben. Es steckt viel Potenzial darin. So viele Geschichten, Genres und Varianten an Stilen, Zeitaltern oder Designs, die man in Origins-Filmen hätte anwenden können. Leider ist es aber nur bei einem geblieben. Schuld daran ist vielleicht der letzte Auftritt von Deadpool im Finale des Films.

Wenn die Produzent*innen es dabei belassen hätten, Wade einen kleinen Cameo zu geben, wäre das völlig fein gewesen. Ryan Reynolds hatte seinen Auftritt, durfte coole Moves machen und wieder gehen. Sie hätten dem Experiment XI am Ende nur einen anderen Namen geben müssen. Aber sie mussten Deadpool draufschreiben. Sie hätten ihn sogar völlig wegstreichen können. Es hätte ausgereicht, wenn Stryker an Mutantenkindern experimentiert. Das ist Beweggrund genug für Logan sich gegen ihn zu stellen und seine Basis zu zerstören. Es wäre ein besseres Finale gewesen. Denn ich hätte gerne gesehen, dass Victor den letzten Kampf gegen Wolverine bekommt. Es wird immer wieder im Film angedeutet. Ein tragisches Ende für zwei tragische Charaktere.

Trotzdem bleibe ich bei meiner anfänglichen These, dass X-Men Origins: Wolverine ein sehenswerter Film ist. Die Sequenzen in Kanada, das lustig bis unterhaltsame, wenn auch tragische zusammentreffen mit dem netten, alten Ehepaar, die Helikopter-Szene, die manchmal keinen Sinn ergibt und die übertriebenen Charaktere. Es passt und ergibt am Ende ein stimmiges Gesamtbild. Es blieben außerdem ein paar Fragen am Ende offen. Wer war Logans Vater wirklich? Was wurde aus Victor? Vieles, wo man hätte anknüpfen können. Wenn ich mich richtig erinnere, werden allerdings keine dieser Fragen in The Wolverine angesprochen. Aber das werden wir in ein paar Tagen sehen.