XCU Rewatch | Days of Future Past

Zweite Teile von X-Men-Filmen scheinen immer ein Garant für gute Unterhaltung zu sein. So war es bisher bei X2 und The Wolverine (Hugh Jackmans zweites Solo-Abenteuer) der Fall. Days of Future Past steht dieser Tradition in nichts nach. Ich mag den Einstieg in den Film sehr. Die dystopischen Bilder, Patrick Stewarts Monolog und die grausame Entwicklung der Welt werden in den wenigen Minuten perfekt eingefangen. Es unterstreicht die Ernsthaftigkeit und Dringlichkeit des Films. Es geht um das Überleben aller Mutanten. Wir starten mit der alten Crew, wenn man so will, und nicht mit der Neuauflage, was ebenfalls die Brisanz und die Bedrohung der Sentinels unterstreicht.

Gemeinhin wurde damals (glaube ich) spekuliert, dass Wolverine ins Zentrum der Handlung gerückt wurde, weil der Charakter durch die Darstellung von Hugh Jackman enorme Popularität gewonnen hat. Wenn es so ist, ist es mir herzlichst egal, da das Resultat fantastisch ist. Days of Future Past gehört zu den besten X-Men-Filmen. Er greift viele Thematiken auf, die seit jeher in den Comics behandelt werden. Die »mutant metaphor« kann für alles möglich eingesetzt werden. So auch für Rassismus, Fremdenhass, Unterdrückung von Minderheiten, Angst vor dem Fremden und vieles mehr. All das wird scheinbar mühelos im Film immer wieder zum Thema.

Besonders durch die Augen von Raven/Mystique erfahren wir, was wirklich hinter den Experimenten von Dr. Bolivar Trask steckt. Welche Verbrechen er den gefangenen Mutanten angetan hat, lässt sich nur erahnen. Doch es wirkt für mich immer wieder ein Stück grausamer, wenn gut gemachte schwarz-weiß-Aufnahmen verwendet werden. Es wirkt dreckig, brutal und altertümlich. Dabei sieht man nie direkt, was den Mutanten passiert. Es wird stets angedeutet, vielleicht einmal besprochen, aber nie direkt gezeigt. Peter Dinklage verkörpert Trask mit einer bösartigen Hingabe. Er ist ein begnadeter Schauspieler und passt hervorragend in die Rolle.

Doch zurück zu Wolverine. Nur er ist dank seiner Heilungsfähigkeiten in der Lage, von Kitty zurück in die Vergangenheit geschickt zu werden. Genauer gesagt in die frühen 70er. Es ist wahrlich eine andere Zeit. Er hat noch seine normalen Knochen, die nicht mit Adamantium überzogen sind. Magneto sitzt in einem Hochsicherheitsgefängnis unter dem Pentagon. Charles fristet ein trostloses Dasein auf dem ehemaligen Campus der X-Men. Die Beziehung zwischen Erik und Charles, und wie sich diese in den vergangenen Jahren entwickelt hat, wird nur allzu deutlich in diesem Film. In der Zukunft arbeiten sie zusammen, sehen ihre Fehler ein und was sie hätten besser machen können. Doch in der Gegenwart könnten sie nicht weiter voneinander entfernt sein.

Hier zeigen sich die schauspielerischen Fähigkeiten dieses fantastischen Casts. Patrick Stewart, Ian McKellen, James McAvoy, Michael Fassbender, Jennifer Lawrence und all die anderen zeigen hier, was in ihnen steckt. Sie sind zu ihren Charakteren geworden. Man nimmt ihnen ihre jeweiligen Versionen der Charaktere ab. Es wird für Marvel sicherlich nicht leicht werden, neue X-Men zu etablieren. Immerhin haben uns diese Versionen insgesamt über 19 Jahre begleitet. Wenn man sich die halbherzigen Versuche ansieht, die X-Men oder Fantastic Four in den bisherigen Filmen unterzubringen (das Multiverse ist Fluch und Segen zugleich), kann man nur hoffen, dass die eigenständigen Filme besser werden.

Seinen ersten Auftritt als Quicksilver darf Evan Peters feiern. Zwar ist er nur wenige Minuten im Film, doch das reicht vollkommen aus, um seinen Status als Quicksilver zu zementieren. Die Zeitlupensequenz ist bravourös gemacht und sieht auch heute noch fantastisch aus. Das liegt wahrscheinlich an einem großartigen Zusammenspiel zwischen realen Effekten und CGI. Sein Auftritt ist perfekt in Ausführung und Dauer. Wenn er für die gesamte Mission geblieben wäre, hätte er wahrscheinlich zu sehr abgelenkt. Er wäre zu neu und vielleicht übermächtig an manchen Stellen. Doch so ist es ein netter Cameo. Außerdem darf er anteasern, dass Magneto sein Vater ist.

Ich könnte noch sehr viel mehr positive Dinge über Days of Future Past schreiben. Beispielsweise die Entwicklung von Charles. War er es, der im letzten Film die anderen trainiert und gecoacht hat, so ist es dieses Mal er, der Hilfe benötigt. Was schließlich zu einer wunderschönen Sequenz zwischen Patrick Stewart und James McAvoy führt. Oder Magneto, der seine Fähigkeiten ein weiteres Mal unter Beweis stellen darf, indem er ein komplettes Stadion versetzt oder die Sentinels unter seine Kontrolle bringt. Er ist stets an der Schwelle, zu dem zu werden, was er eigentlich hasst und bekämpft. Auch hier gelingt ein weiteres Mal ein toller Balanceakt. Oder all die großen und kleinen Actionsequenzen, die der Film bietet. Das Erzähltempo ist gut gewählt und alles wirkt durchdacht.

Was ich mir bisher noch nicht angeschaut habe, ist der Rogue Cut von dem Film. Bisher war in den alten Filmen Rogue ein zentraler Charakter oder kam zumindest immer wieder prominent vor. Nur hier wird sie schmerzlichst vermisst. Dies soll aber der alternative Cut des Films ausgleichen. Hauptsächlich werden etliche Minuten an Filmmaterial mit ihr ergänzt, der Rest bleibt scheinbar mehr oder weniger gleich. Vielleicht schaue ich mir den ebenfalls noch an. Würde mich sehr interessieren, ob ein weiterer Sub-Plot dem Film schadet oder ihm einfach mehr Tiefe verleiht. So oder so ist Days of Future Past einer der besten X-Men-Filme und immer wieder einen Filmabend wert.