XCU Rewatch | Deadpool

Neun Jahre sind es, seit wir unseren ersten Deadpool-Film bekommen haben. Noch einmal zwei Jahre davor haben wir das fast schon legendäre »test footage« gesehen. Damals wurde reichlich spekuliert, dass dies natürlich bewusst geleakt wurde, um zu sehen, wie diese Version von Deadpool ankommt. Nachdem der Charakter in X-Men Origins: Wolverine bis zur Unkenntlichkeit verändert und die Vorlage mit Füßen getreten wurde, bekamen wir nun endlich etwas Anständiges geliefert. Wobei es so anständig nicht war, denn Deadpool wurde seit langer Zeit der erste R-Rated Superheldenfilm. Und das berechtigterweise.

Ryan Reynolds hat schon lange Werbung dafür gemacht, dass er eine Version von Deadpool spielen darf, die den Comics gerecht wird. Der Film beweist, dass es nicht nur möglich ist, sondern auch erfolgreich sein kann. Solange es mit viel Feingefühl gemacht wird. Immerhin ist es nicht nur ein Film, indem sich der titelgebende Held durch allerlei Feinde schnetzelt. Das natürlich auch. Doch darunter liegt eine durchaus ergreifende Geschichte, die nicht davor zurückschreckt, emotionale Momente sitzenzulassen, ohne gleich wieder einen Witz zu reißen.

Immerhin ist Wade Wilsons Transformation nicht ohne Probleme und Hindernisse. Er wird tagelang, vielleicht sogar über Wochen gefoltert, bis endlich seine Mutation ausbricht. Seine Beziehung mit Vanessa (Morena Baccarin) wird zwar anhand von viel Sex dargestellt, doch zeigt es, wie lang sie zusammen sind und wie tief ihre Gefühle füreinander sind. Man muss eben etwas zwischen den Zeilen lesen. Vielleicht nicht gerade etwas, was man von einem R-Rated X-Men-Film mit Deadpool in der Hauptrolle erwarten würde.

Der Bösewicht bleibt zwar etwas dünn, doch manchmal braucht man keine komplexen Motivationsfaktoren. Es reicht, wenn der- oder diejenige Mutanten quasi »erschaffen« möchte, um sie an den Meistbietenden zu verkaufen und zu versklaven. Dafür leuchten die Nebencharaktere umso heller. Vanessa ist eine tolle Ergänzung zu Wade, und die beiden werden nie nervig miteinander. Es funktioniert einfach, weil sie toll geschrieben sind. Genauso Colossus (dessen CGI sich durchaus noch sehen lassen kann; für mich funktioniert es zumindest noch ausgezeichnet) und Negasonic Teenage Warhead. Sie konterkarieren Deadpool wunderbar, bilden eine Art Brücke zu den restlichen X-Men, die man hier allerdings noch nicht sieht.

Überraschenderweise funktioniert für mich der Humor in diesem ersten Teil weiterhin. Ich musste nicht nur einmal laut lachen. Der dritte Teil konnte mir nicht mehr als ein paar Schmunzler abverlangen. Aber er bekommt im Rahmen dieses Rewatch noch eine zweite Chance. Der erste Teil von Deadpool funktioniert auch neun Jahre später noch. Die Geschichte ist toll geschrieben und hat ein angenehmes Tempo, die Action-Sequenzen kreativ umgesetzt und die Dialoge on point. Selbst das Finale ist nicht zu übertrieben, sondern rundet alles schön ab. Ein verdienter, gelungener Auftakt für einen einzigartigen Charakter.