XCU Rewatch | Deadpool 2

Deadpool 2 setzt einen Trend der X-Men-Filme fort: Zweite Teile sind hervorragende Fortsetzungen. Er ist lustig, die Action kreativ, die Geschichte kurzweilig und doch mit einer gewissen Tiefe behaftet. Die neuen Charaktere machen sehr viel Freude und bringen frischen Wind in das gesamte Franchise. Mit dem, was Logan geleistet hat, wäre das eigentlich eine gute Basis gewesen, um weitere großartige Filme zu machen. Leider sind es allerdings nur mehr zwei Filme, bevor diese Ära der X-Men-Filme endet.

Doch erfreuen wir uns erst einmal dessen, was wir haben. Wie bereits im Vorgänger steigen wir mitten in der Geschichte ein, bevor Wade den Erzähler mimt und uns das bisher Geschehene präsentiert. Vanessa wird von Thugs ermordet. Wade versucht dies zwar zu verhindern, doch es gelingt nicht. So stirbt sie am Beginn des Films und dient als Motivation für Wades restliches Handeln. Diese Art der Erzählung, die (meist) weibliche Protagonisten rein als motivierender Faktor für die männlichen zu missbrauchen, nennt man »fridging«. Es kommt aus Comics. Es wäre eigentlich genial gewesen, mit dieser Trope hier zu spielen. Besonders, weil sie es aktiv im Vorspann ansprechen. Vanessa kommt auch im Film weiterhin vor und wird am Ende sogar vielleicht gerettet.

Wenn ich mich richtig erinnere, wussten die Macher allerdings in Interviews nicht einmal, was fridging bedeutet. Eine Schande, wenn sie sich schon mit popkulturellen Referenzen und den Comics auseinandersetzen, muss jemand über dieses Konzept gestoßen sein. Oder es hat ihnen jemand erzählt. Deadpool 2 hätte so auf der Meta-Ebene noch einmal mehr Subtext bekommen und einer Industrie den Spiegel vorhalten können. So ist es eher zufällig, dass es trotzdem so gelesen werden kann. Am Ende liegt es stets beim Publikum, ein mediales Erzeugnis zu werten und eventuelle Bedeutungen herauszugreifen.

Doch das ist nur ein Aspekt des Films. Cable zuerst als Gegner und schließlich Verbündeten einzuführen, war ein genialer Schachzug. Josh Brolin passt perfekt in die Rolle. Vor allem, weil er zu dieser Zeit bereits Thanos verkörpert und so mindestens ein Witz auf dieser Tatsache verwendet werden kann. Ich höre zum Teil immer noch Thanos heraus. Es ist großartig. Zeitreisen spielen zwar besonders im Abspann noch eine Rolle, doch der Einsatz während des Hauptteils der Geschichte ist erfreulicherweise reduziert. Es geht im Kern um Russell und ob es möglich ist, ihn doch noch zur guten Seite der Macht zu bringen.

So ist nicht nur Vanessa eine Motivation für Wade, endlich sterben zu können. Russell dient als Anker in der Welt der Lebenden und zeigt ihm, dass es sich lohnt, weiterzumachen. Ein gekonntes Tauziehen entwickelt sich, das gespickt ist mit den absurdesten, unterhaltsamsten und verrücktesten Szenen, die man sich in einem Superheldenfilm nur wünschen kann. Sei es der quasi-Gefängnisausbruch von Wade. Das Casting der X-Force-Mitglieder. Der erste Einsatz von X-Force. Dominos Fähigkeit des Glücks ist ein Augenschmaus, und ich hätte mir einen Solo-Film mit ihr gewünscht. Oder aber die ganzen Szenen mit Colossus, Negasonic Teenage Warhead und ihrer Freundin Yukio. Weasel ist natürlich auch wieder für einige Lacher gut.

Deadpool 2 ist wie der Vorgänger gespickt mit kreativen Ideen. Ich finde ihn äußerst lustig und war erneut perfekt unterhalten. Die neuen Charaktere passen ideal zur Geschichte, ergänzen sich gegenseitig und bilden ein Ensemble, welches ich gerne in einem dritten Teil gesehen hätte. Die Geschichte um Russell und Cable bringt die notwendige Gefühlsebene in den Film. Ohne eine wirkliche Motivation des Helden und der Nebencharaktere funktioniert ein solcher Film nicht. Es kann noch so absurd, verrückt und lustig sein, wenn die Motivation, der Kern fehlt, bricht es schnell in sich zusammen. Deadpool 2 gelingt dieser Balanceakt bravourös.