Ich habe mich kurzerhand entschlossen, die Reihenfolge der letzten beiden X-Men-Filme zu ändern. Zum einen ist es egal, von der Geschichte her, und zum anderen möchte ich diese Textreihe mit Dark Phoenix beenden. Ich kann mich nicht mehr erinnern, ob er gut oder schlecht ist. Allerdings scheint es mir passend, mit den tatsächlichen X-Men aufzuhören und nicht mit einem Film, der durch die Produktionshölle ging, nur um am Ende etwas (im besten Fall) mittelmäßiges abzuliefern. Es schien mir richtig.
Fassen wir mal kurz die Handlung zusammen: Rahne, Illyana, Roberto und Sam sind in einem scheinbaren Krankenhaus untergebracht, um mit ihren Kräften umgehen zu lernen. Dani kommt frisch zu der Bande, nachdem in ihrem Reservat ein imaginärer Bär sehr realen Schaden anrichtet und ihre ganze Familie ausrottet, inklusive ihres Vaters. Das Krankenhaus wird von einer gewissen Dr. Reyes betreut. Im Laufe des Films begegnen den Mutanten immer mehr Schreckensszenarien aus ihrer Vergangenheit. Sie manifestieren sich und werden zu einer echten Bedrohung, bis schließlich Danis Dämonen-Bär auftaucht und besiegt werden muss. Dr. Reyes ist ebenfalls nicht die Ärztin, die sie vorgibt zu sein, sondern soll für Essex die neuen Mutanten unter Kontrolle bringen, damit man sie als Waffen einsetzen kann.
Grundsätzlich ist es keine schlechte Geschichte, die hier versucht wird zu erzählen. Den Machern gelingt es aber nie, diese aus dem seichten Fahrwasser der Mittelmäßigkeit zu hieven. Jedoch zum Ende hin wird The New Mutants noch einmal richtig gut. Der Kampf der jungen Mutanten gegen ihre jeweiligen Visionen, die Überwindung von Angst. Sie werden tatsächlich ein Team und müssen zusammenarbeiten, um sowohl ihre Ängste als auch das vermeintliche Krankenhaus hinter sich zu lassen. Die coming-of-age Liebesgeschichte zwischen Dani und Rahne ist durchaus gut gemacht und man könnte sogar meinen, zwischen Sam und Roberto würde sich etwas entwickeln. Alles gute Bausteine für einen unterhaltsamen 90-Minuten-Film. Doch leider scheitert er an zu vielen Klischees, die abgearbeitet werden müssen, bevor es losgehen kann.
Ich werde das Gefühl nicht los, dass die Autor*innen nichts mit den Charakteren anzufangen wussten, bis das Finale um die Ecke kommt. Der Film dümpelt vor sich hin, hat zwischenzeitlich durchaus seine Momente, doch kommt nicht so recht in Fahrt. Das ist sehr schade. Man hätte sehr viel früher anfangen können, eine Bande zwischen den New Mutants zu formen. Man muss nicht die Klischees aus Highschool-Filmen abklappern und die Tropes der Vergangenheit in so einem Film einbauen. Ranis ankommen hätte für die anderen von Beginn an ein Weg sein können, um einen Ausweg zu suchen. Man bekommt nie mit, wie lange sich die anderen schon in diesem Krankenhaus aufhalten, dabei ist es mehr als eindeutig, dass es eine Farce ist.
Außerdem ist Dr. Reyes allein. Man hätte gerne noch zwei Pfleger*innen oder so etwas Ähnliches einbauen können. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass sich eine Person rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, komplett allein um diese Kinder kümmert. Deshalb wäre es schön gewesen, wenn zumindest einer der New Mutants, der schon länger drin ist, an dem Konzept »Krankenhaus« oder Trainingscenter zweifeln würde. Besonders Roberto oder Illyana, vielleicht auch beide, hätten perfekt in diese Rolle gepasst.
Schade, dass The New Mutants der letzte wirkliche Film über die X-Men von 20th Century Fox geworden ist. Es steckt viel Potenzial in ihm und vielleicht hätte ein zweiter Teil das Ruder herumgerissen. Die Effekte sind nicht schlecht und die Basis solide. Doch so verblasst die Geschichte hinter den nicht gut geschriebenen Dialogen und altbackenen Tropes, die man meint, abarbeiten zu müssen. Es hätte mehr in The New Mutants gesteckt.