Wenn ich schon einen ausgedehnten MCU-Rewatch mache, dann richtig. Wir haben alle modernen Spider-Man-Filme besprochen. Und es werden noch weitere, ältere Comicverfilmungen folgen. Haben sie dem Zahn der Zeit widerstehen können? Wir werden es sehen. Doch bevor wir uns von den X-Men fürs Erste verabschieden, gibt es noch zwei Special Editions zu besprechen. Von Days of Future Past gibt es einen Extended Rogue Cut und von Logan eine dedizierte Schwarz-Weiß-Version namens Noir. Ändert das etwas an der Erfahrung der Filme? Ist es gut oder schlecht? Sehen wir sie uns an.
Days of Future Past – Rogue Cut
Ganze 20 Minuten dauert der Film in dieser Version länger. Es wurde nicht nur die Sequenz rund um die Rettung von Rogue ergänzt, sondern auch andere Szenen bekommen ein paar Sekunden mehr spendiert. Beispielsweise gibt es in der dystopischen Zukunft eine kurze Diskussion, ob sie überhaupt jemanden in die Vergangenheit schicken sollen. Sie reden über die Konsequenzen. Hinterfragen, ob es eine gute Idee ist und ob sie es damit nicht noch schlimmer machen würden. Es sind nur wenige Sekunden, doch so werden die jüngeren X-Men zu interessanteren Charakteren. Die Beziehung zwischen Kitty und Bobby wird deutlicher dargestellt. Sie verhalten sich wie ein glaubwürdiges Paar. Überhaupt werden Nebencharaktere mit ein bisschen mehr Dreidimensionalität ausgestattet. Das hebt die gesamte Filmerfahrung.
Am entscheidendsten ist allerdings die Ergänzung durch Rogue. Kitty wird von Wolverine aus Versehen schwer verletzt. Bobby schlägt vor, dass sie Rogue aus dem ehemaligen Xavier-Haus retten sollen. Dieses ist mittlerweile zu einer kleinen Basis der Gegner geworden, wo sie in Ruhe an Mutanten experimentieren können. Die Sequenz gefällt. Magneto und Charles bekommen ein wenig mehr zu tun und wir sehen einen Charakter wieder, der in den alten Filmen einen prominenten Platz eingenommen hat.
Ich muss sagen, der Rogue Cut war eine gute Entscheidung. 20 Minuten sind eine beträchtliche Menge. Doch all die kleinen Details, die während des Films ergänzt werden, machen einen gewaltigen Unterschied. Ich mag diese Version. Vielleicht wird sie sogar meine Standard-Variante, wenn ich mal wieder Lust auf Days of Future Past habe. Es ist und bleibt ein gewaltiger Film. Er sieht nicht nur gut aus, sondern ich zähle ihn 11 Jahre später immer noch zu den besten Comicverfilmungen.
Logan Noir
Ein Film, der ebenfalls zu den besten Comicverfilmungen zählt, auf jeden Fall zu den besten X-Men-Filmen, ist Logan. Ich hatte die Befürchtung, dass es zu viel wäre, den Film zweimal relativ dicht hintereinander anzuschauen, aber der andere Look macht einiges aus. Für die Noir-Version wurde der Film neu überarbeitet, damit dieser auch in Schwarz-Weiß gut aussieht. Ich bin jetzt nicht gerade ein Kenner von alten Schwarz-Weiß-Filmen, und wenn Logan extra für dieses Format gedreht worden wäre, hätten manche Szenen sicherlich einen härteren Kontrast, doch das Ergebnis beeindruckt.
Anders als bei Days of Future Past, wo die erweiterte Fassung mehr Tiefe und Kontext liefert, ist Logan Noir inhaltlich identisch und doch eine völlig andere Version. Das Fehlen von Farben macht etwas mit der Geschichte. Ich bin mir nicht sicher, wie ich es beschreiben soll. Ich habe nun auch keine favorisierte Version (Farbe oder Schwarz-Weiß). Beide haben ihre Daseinsberechtigung. Logan wirkt ernster, erbarmungsloser. Wenn man die Möglichkeit hat, Logan Noir anzusehen, würde ich das auf jeden Fall empfehlen. Der Film bleibt gewaltig und episch auf allen Ebenen. Für mich der perfekte Abschluss für Logans Geschichte.