Ich bin mir nicht mehr sicher, wie ich Eternals damals nach dem Kinogang fand. Aber ich war schon immer angetan von der Idee. Der Film bietet visuell unfassbar viel und hat eine geradezu meditative Stimmung. Die Atmosphäre lädt ein zum Nachdenken, Reflektieren. Über die essenziellen, lebensnotwendigen Dinge, über das, was uns bewegt, warum wir auf dieser Welt sind. Eternals ist, genauso wie Shang-Chi, ein äußerst willkommener, frischer Wind im MCU. Es ist neu. Sowohl was die Mythologie betrifft, den Stil des Films, als auch die Charaktere. Ein schönes neues Kapitel.
Kaum zu glauben, dass mir nun schon der dritte Film hintereinander in der vierten Phase des MCU gefällt. Damit habe ich zugegebenermaßen nicht gerechnet. Ich gehe davon aus, dass dieser Trend in den nächsten zwei bis drei Filmen sich wenden wird, doch erst einmal freue ich mich über die positive Stimmung. Eternals ist ein gewaltiges Epos von zweieinhalb Stunden Länge. Die Eternals dürften, ähnlich wie die Guardians of the Galaxy, eher unbekannt gewesen sein, zumindest beim breiten Publikum. Comic-Fans sind sie spätestens seit dem kongenialen Run von Kieron Gillen ein Begriff. Die Comic-Reihe, die 2021 begann, ist eine Charakterstudie, wie man sie selten sieht. Gezeichnet wurde sie von Esad Ribic. Für alle eine Empfehlung, die sich weiter mit den Eternals beschäftigen wollen.
Doch zurück zum Film. Der Cast kann sich durchaus sehen lassen. Gemma Chan als Sersi und quasi-Protagonistin in diesem Ensemble-Cast. Sie dient als unser Anker in diesem Film. Richard Madden als Ikaris entspricht der Alien-Seite von Superman. Er will sich rein um seine Mission kümmern, den Menschen nicht zu Nahe kommen, wäre da nicht die Liebe. Er ist einer der mächtigsten Eternals. Kumail Nanjiani als Kingo könnte man, hauptsächlich wegen seines Assistenten Karun Patel, als Comic-Relief interpretieren. Doch überraschenderweise sucht man vergeblich danach, in diesem Film. Beide tragen durchaus eine Ernsthaftigkeit bei, die ich schätze. Lia McHugh als Sprite vermittelt die Zerrissenheit ihrer Figur. Barry Keoghan mit einem leichten Gott-Komplex, der die Menschen vor sich selbst schützen möchte. Don Lee als Gilgamesh und Vertrauten von Thena. Kit Harington als Dane Whiteman, der hoffentlich noch eine Rolle im MCU einnehmen wird.
Dann haben wir natürlich noch Brian Tyree Henry als Phastos. Der erste offen schwule Charakter im MCU. Hat ja nur 13 Jahre gedauert. Aber es ist erfrischend gewöhnlich und glaubhaft dargestellt. Hat mir gut gefallen und wurde längst Zeit. Makkari wird von Lauren Ridloff verkörpert, die selbst gehörlos ist. Da dies ein Meilenstein für das MCU ist, hätte ich mir gewünscht, dass der Film immer mit Untertiteln ausgestrahlt wird, um noch einmal mehr die Unterstützung zu zeigen. Es hätte Raum für künstlerisch gestaltete Untertitel geboten. Doch ein erster Schritt ist getan. Salma Hayek als Ajak, die Anführerin der Gruppe und erste Verschwörerin gegen Arishem. Und natürlich Angelina Jolie als Thena. Sie leidet unter ihren bisherigen Leben, doch ist eine erbitterte Kämpferin.
Eternals muss in den zweieinhalb Stunden Laufzeit sehr viel erzählen. Die Charaktere wollen alle ordnungsgemäß eingeführt werden. Welche Ziele haben sie? Woher kommen sie? Eine 7.000 Jahre währende Geschichte zu erzählen, ist nie eine leichte Aufgabe. Doch ich finde, dass es Eternals überraschend gut gelingt. Die Rückblenden zu verschiedenen Zeitaltern dienen stets dazu, die Motivation der Charaktere in der Gegenwart zu erklären. Oder sie geben mehr Einblick in die Beziehungen. Deshalb mag ich die Charaktermomente in dem Film so gerne. Es wabert stets etwas Tiefgründigeres mit.
Diskussionen, die ganze Filme füllen könnten, werden hier angerissen. Antworten gibt es nicht immer. Man muss sich selbst Gedanken machen, was richtig ist und was falsch. Gibt es diese beiden Seiten überhaupt oder ist die Thematik sehr viel komplexer? Sollen sich die Eternals in unsere menschlichen Belange einmischen oder sich fernhalten? Welche Auswirkungen hätte das? Ich mag es, wenn solche Themen und Fragen angerissen werden. Es ist auch nicht immer eine Antwort notwendig. Es reicht manchmal, die Fragen zu stellen. So bleibt der Film vielleicht etwas länger bei den Zuschauer*innen im Kopf.
Wie bereits bei Shang-Chi gefallen mir die Action-Sequenzen in Eternals äußerst gut. Die jeweiligen Fähigkeiten der Eternals sind gut umgesetzt und einzigartig visualisiert. Man findet sich stets zurecht und das CGI sieht fantastisch aus. So etwas gab es im MCU noch nicht und mit den Celestials ist dieses Universum noch einmal um ein Vielfaches größer geworden. Und natürlich finde ich es äußerst schade, dass wie bei Shang-Chi noch keine Fortsetzung erschienen, geschweige denn geplant ist. Ich würde gerne mehr von diesen Charakteren sehen. Aus den Guardians-Filmen kennen wir genug kosmische Entitäten, die man hier wieder aufgreifen könnte.
Ich möchte neue Welten kennenlernen. Neue Geschichten sehen. Das MCU muss nach vorne gehen und darf sich nicht nur auf seine ursprünglichen Charaktere oder Schauspieler*innen verlassen. So großartig sie und ihre Erzählung rund um die Infinity-Saga waren, muss man immer auch Neues wagen. Shang-Chi und Eternals haben gezeigt, dass so viel mehr im MCU steckt. Ich würde diese Seite gerne mehr erkunden. Ich hoffe sehr, dass sie die Charaktere und losen Enden wieder aufgreifen.