Geek-Planet | The Walking Dead: Staffel 5

Es ist Donnerstag. Also besprechen wir einen alten Text von mir. Der folgende erschien am 22. Oktober 2015 auf meinem Blog »Geek-Planet«, den es heute allerdings nicht mehr gibt. Ich möchte trotzdem, dass meine alten Texte auffindbar sind. Deshalb suche ich mir jede Woche einen heraus und versehen ihn mit einer kleinen Einleitung.

Ach, Rick. Ein äußerst vielschichtiger Charakter, der sowohl im Comic als auch im Buch so einiges durchmacht. Er will eigentlich nur das Beste für die Gruppe und scheitert doch manchmal an seinen Ambitionen und seinem Misstrauen. Doch sind das genau die Eigenschaften und seine Fähigkeit, unbeliebte Entscheidungen zu treffen und sich über die Meinung der anderen hinwegzusetzen, die es der Gruppe erlaubt, noch am Leben zu sein. Zumindest diejenigen, die es bis hierhin geschafft haben. Doch manchmal schießt er etwas über das Ziel hinaus. Da hätte ich mir dann gewünscht, dass die Gruppe mehr für sich einsteht und für ihre Prinzipien.

Ich finde es lustig, dass ich mich an einer Stelle beschwere, dass manche Charaktere sinnlos sterben. Ohne heroische Momente. Doch nur wenige Absätze später lobe ich das Unvorhersehbare und dass quasi kein Charakter sicher scheint. Beides kann eigentlich nicht wahr sein. Doch wünscht man sich vielleicht, dass gewisse Charaktere entweder länger gelebt hätten oder aber ihr Tod einen Sinn hatte; sie für die Gruppe ein Opfer brachten. Genau das ist es, was auch Game of Thrones anfangs auszeichnete. Die Unsicherheit, welcher Charakter die nächsten Folgen überleben wird. Besonders in einer Zombieapokalypse, wie sie The Walking Dead beschreibt, hilft so ein Gefühl, eine dichte, packende Atmosphäre zu erzeugen.


Wie auch schon die vierte Staffel werde ich dieses Review in drei Akte aufteilen, die meines Erachtens gut zur Geschichte passen. Vielleicht hätte ich dies auch schon früher machen können, doch dieser Rhythmus in der Erzählung ist mir erst kürzlich bewusst geworden: Zu Anfang gibt es immer eine Situation, aus der sich unsere Protagonisten befreien müssen, bevor sie aus verschiedenen Gründen weiterziehen, um zu ihrer nächsten Station zu gelangen.

  • Developed by Frank Darabont
  • Cast: Andrew Lincoln, Norman Reedus, Steven Yeun, Lauren Cohan, Chandler Riggs, Danai Gurira, Melissa McBride
  • Musik: Bear McCreary
  • Executive producers: David Alpert, Scott M. Gimple, Greg Nicotero, Robert Kirkman u. a.
  • Erstausstrahlung: 12. Oktober 2014 auf AMC

“You’re the butcher, or you’re the cattle.” – Mary

Terminus. Diese scheinbar so Heil bringende Stätte entpuppte sich im Finale der letzten Staffel nicht gerade als Paradies in der Hölle. Stattdessen zeigt sie wieder einmal die grausame Fratze des menschlichen Daseins und wie wir alles tun, um zu überleben, zumindest manche von uns. Gareths Gruppe hat die wohl bestialischste Variante gewählt und lockt mit falschen Versprechen verzweifelte Überlebende zu sich, nur um sie in reine Fleischlieferanten zu verwandeln, die selbst einen Metzger beeindrucken würden.

Die Darstellung des Schlachthauses hinterlässt einen starken Eindruck. Nimmt man die beiden rivalisierenden Gruppen aus dem Geschehen und würde durch dieses wunderbar gemachte Set wandern, müsste ich mich schon des Öfteren umdrehen, nur um sicherzugehen, dass mir niemand folgt. Die von der Decke hängenden, menschlichen Torso, die auf dem Grill liegenden Fleischstücke, der einem uns unbekannten Ritual dienende Raum voll mit Kerzen – all das hat eine Ausstrahlung und eine Aura, die ihresgleichen sucht. Der Staffelauftakt erreicht schließlich seinen Höhepunkt, als Rick, Daryl und Co bei ihrer Flucht gefangen genommen werden und über ein Becken gebeugt nur darauf warten, mit einem Baseballschläger K.O. geschlagen und anschließend aufgeschlitzt zu werden. Die ersten Opfer, welche den Ernst der Lage schildern sollen, sind so überzeugend wie bedrohlich.

Carol, Tyreese und Judith sind derweil außerhalb der Anlage unterwegs und treffen gerade zum richtigen Zeitpunkt in Terminus ein, um den anderen zu helfen. Wie so oft darf Carol hier wieder zeigen, was in ihr steckt. Zwar habe ich es eher unwahrscheinlich gefunden, dass ihr erster Versuch von Erfolg gekrönt ist, den nahe gelegenen Behälter zum Explodieren zu bringen, doch das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen. So sind alle wieder frei und müssen erneut auf offener Straße um ihr Überleben kämpfen.

Der erste Akt um Terminus und seine Besitzer ist gut gemacht, außerdem ist es geschichtlich interessant gestaltet, da man dessen Vergangenheit ein bisschen erforscht und kennenlernt. So wird dies zu einem abgeschlossenen Kapitel, dessen Nachwirkungen in späteren Folgen noch zu spüren sind. Und wie wir mittlerweile wissen, habe ich es sehr gerne, wenn die Handlungen unserer „Helden“ gewisse Nachwirkungen zeigen.

“They think I’m scrawny. They think I’m weak. But they don’t know shit about me.” – Noah

Was findet man wohl, wenn man Terminus verlässt und blind durch einen Wald läuft? Richtig, einen von Zombies bedrohten Priester und seine Kirche. Zuvor gibt es aber noch eine herzzerreißende Szene, in der Carl und Rick ihre kleine Judith wiederfinden. Es ist schön, die Familie wieder vereint zu sehen, sie haben es sich durchaus verdient und wurden wirklich lange auf die Folter gespannt. Zu dieser kleinen familiären Idylle passt der bereits erwähnte Priester. Zuerst empfand ich es als etwas schwierig, den Aspekt der Religion mit in diese Serie zu packen (klar spielte er bisher ebenfalls eine Rolle, doch nicht so dominant), aber mit Blick auf die Apokalypse war es wohl nur eine Frage der Zeit, bis ein solcher Charakter auf der Bildfläche erscheint.

Erfreulicherweise wird diese Thematik dezent eingebaut und in einer subtilen, doch markanten Weise. Ich komme nicht umhin, mich des Öfteren zu fragen, wie es dieser Mann geschafft hat, solange allein zu überleben, ohne sich ernsthaft vor den Zombies zur Wehr zu setzen. Dieser bedingungslose Glaube wird später deutlich gezeigt. Es ist ein starker Moment auf einer verlassenen Straße. Die Musik, die Stimmung, welche von der Kamera eingefangen wird – einfach toll gemacht.

Wir müssen in dieser Staffel, bevor wir zur nächsten Station kommen, noch einige Opfer beklagen. Viele sterben einen eindrucksvollen, geradezu heroischen Tod. Manche allerdings finden ihr Ende auf weniger nachvollziehbare Weise und derart spontan, dass ich fast daran glauben möchte, es war keine Absicht, diese Charaktere an dieser Stelle ihrem unweigerlichen Schicksal nahezubringen. Die beiden „positiven“ Tode, so möchte ich es vielleicht nennen, waren die von Bob und Beth. Die Autor*innen und der Schauspieler schaffen es, in wenigen Episoden, in denen man den erst kürzlich eingeführten Charakter kennen lernt, einem ans Herz zu wachsen. Man wünscht ihnen das Beste; doch wir sind hier schließlich bei The Walking Dead. Es gefällt, dass auch seine Vergangenheit gezeigt wird – so erhält man einen kompletten Eindruck dieses vom Schicksal geprägten Mannes.

Beth hat man dagegen die letzten fünf Jahre verfolgt und bei ihrer Entwicklung zusehen können. Am meisten werde ich mich wohl daran erinnern, wie sie sich um Judith sorgt und der Gruppe ihre schönen Songs vorsingt. Dies waren stets Momente der Stille, fast so, als ob nichts Schlimmes mehr passieren könnte. Im Krankenhaus opfert sie sich dann, um die anderen zu retten, und nur knapp können mehr Opfer verhindert werden. Sie lernte an diesem seltsamen Ort der Sicherheit Noah kennen, ich hatte noch gehofft, dass die beiden eventuell ein Paar werden, doch leider wird auch Noahs Schicksal relativ bald besiegelt. In einer relativ späten Folge stirbt er einen sinnlosen Tod. Dies zeigt noch einmal deutlich, dass es quasi jeden treffen kann. An der Stelle hätte ich es aber nicht schlecht gefunden, wenn Glenn das zeitliche segnet, da sein Charakter und vor allem die Beziehung mit Maggie sich nicht gerade ins Positive zu entwickeln scheinen.

Mehr oder weniger parallel zu diesen Geschichten verfolgen wir Abraham auf seinem Weg, die Menschheit in Form von Eugene zu retten. Dessen Charakter war mir schon immer suspekt und als er schließlich davon erzählte, dass er sich das alles nur ausgedacht hat, war ich nicht wirklich überrascht – mir tat allerdings Abraham leid, denn seine Willensstärke und Hingabe zur Mission sind ansteckend. Auch später in der Stadt darf er zeigen, was in ihm steckt, und wie mir scheint, lernt er hier erst so richtig, was es eigentlich heißt, selbstständig und ohne Mission zu arbeiten. Es wird sicher noch interessant seinen Charakter weiterzuverfolgen und ich wäre nicht überrascht, wenn er später der Anführer der Gruppe wird, sollte Rick vielleicht doch nicht immer alle Angriffe lebend überstehen.

“We’ll make it work. If they can’t make it, then we’ll just take this place.” – Rick

Springen wir in der Geschichte nun etwas weiter nach vorn und beschäftigen uns mit der Siedlung. Ich fand es äußerst interessant, wie die Gruppe auf die Fremden stößt. Als Geschenk finden sie erst einmal mehrere Liter Wasser, die sie nicht trinken wollen. Hier kommt wieder alles zum Vorschein, warum mir Rick teilweise so auf die Nerven geht. Er ist allem Neuem so unaufgeschlossen und skeptisch eingestellt. Klar, so haben sie bisher immer überlebt und ich hatte mit Aaron so meine Zweifel, doch er hat nichts getan, um die anderen zu provozieren und wird gleich mal ordentlich gefoltert – naja, zumindest ein wenig. Dies ist so typisch amerikanisch, dass ich mich furchtbar darüber aufregen könnte. Es gibt schließlich Menschen, die einen nicht unbedingt umbringen wollen – selten, in dieser Welt von The Walking Dead, aber es gibt sie.

Die Diversität wird mit diesem Charakter auch gleich um einiges erhöht, denn Aaron ist schwul und kümmert sich rührend um seinen verwundeten Freund. Das spätere Team-Up mit Daryl gefällt mir besonders gut, da dies mit den klassischen Klischees bricht und einen schönen neuen Schwung in die Runde bringt. Das Jagen, die Suche nach Essen und dergleichen werden komplett als eigenständige Geschichte fortgesetzt und bilden einen guten Kontrast zur sonst eher städtisch politischen Umgebung.

Diana Monroe, ein ehemaliges Mitglied des Kongresses, verwaltet die kleine Stadt Alexandria und hier finde ich es äußerst erstaunlich, wie man auf der einen Seite so lange in der Zombie-Apokalypse überleben und andererseits dermaßen naiv auf eine Gefahr reagieren kann. Zugegebenermaßen sind sie hervorragend ausgestattet, haben fließend Wasser, Strom und genügend Platz, doch man muss sich auf der anderen Seite auch der Gefahren bewusst sein. Diese Ignoranz führt schließlich zu einer, genauer gesagt sogar zu zwei Eskalationen. Beiden Gruppen kommt aber niemals in den Sinn, eine Kompromisslösung zu finden und gemeinsam an den Problemen zu arbeiten. Stattdessen wird rigoros auf dem eigenen Standpunkt bestanden und keinen Millimeter nachgegeben.

Am Ende gibt es dann noch eine atmosphärische Szene zwischen allen Beteiligten und das wohl ungünstigste Auftreten eines alten Bekannten: Morgan. Dieser hat sich in dieser Staffel gemausert und ist nicht mehr mit dem Verrückten aus der Vergangenheit vergleichbar. Ich bin äußerst gespannt, wie es mit seiner Entwicklung und vor allem der Beziehung mit Rick weitergeht.