Zwei Terabyte

Die OLED-Variante des Steam Deck wird standardmäßig mit etwa 500 GB Speicher geliefert. Das ist zwar nicht wenig, aber wenn man bedenkt, dass manche Spiele mit Leichtigkeit die 100 GB knacken, ist es auch nicht gerade viel. Ich kann mich noch erinnern, dass ich mir sehr unsicher war, welche Variante ich nehmen soll. Denn es gibt durchaus eine 1-TB-Version. Diese ist jedoch mit einem „entspiegelten, geätzten Premiumglas” ausgestattet. Sprich: Das Display ist matt. Wozu kaufe ich mir das teurere OLED-Modell, wenn ich dann doch wieder ein mattes Display habe, das von den knalligen, lebendigen Farben etwas wegnimmt? Außerdem gibt es immer die Möglichkeit, eine entsprechende Schutzfolie auf das Display zu kleben, die ich jederzeit wieder entfernen kann.

Wie sich herausstellen wird, war dies eine gute Entscheidung. Nicht nur was das Display betrifft. Denn mit den Prime Days von letzter Woche konnte man eine 2-TB-M.2-SSD für das Steam Deck günstig erwerben. Vor Jahren habe ich bei meiner PS5 ebenfalls eine 2-TB-M.2-SSD installiert, was sehr einfach war. Sony ist hier äußerst benutzerfreundlich unterwegs. Und der zusätzliche Speicher ist einfach fantastisch. Außerdem findet man, was das Steam Deck betrifft, immer wieder Videos oder Artikel, die davon schwärmen, 2 TB an Speicher zu haben. So einfach wie bei der PS5 war es allerdings nicht.

Die M.2-SSD kam an und wollte eingebaut werden. Eine Videoanleitung von iFixit hat mir bei den folgenden Handlungsschritten geholfen. Die erste Herausforderung war, einen passenden Schraubenzieher zu finden. Die Schrauben auf der Rückseite des Steam Decks sind klein. Zum Glück wurde ich im Keller fündig. Die nächste Herausforderung bestand darin, das rückseitige Cover herunterzubekommen, ohne es zu zerstören. Es ist robuster, als man es ihm zutrauen würde. Trotzdem sind die Knack-Geräusche alles andere als beruhigend. Nun sah ich also den entblößten Rücken des Steam Decks. Eine M.2-SSD sucht man aber vergebens. Jetzt wurde es unnötig kompliziert und ich hoffe, Valve vereinfacht es bei der nächsten Generation an Steam Decks etwas, den Speicher zu erweitern.

Zuerst entfernt man den Stecker des Akkus vom Motherboard. Dann steckt man noch ein äußerst dünnes, fragil wirkendes Kabel von einer anderen Platine ab (fragt mich nicht nach Details). Das macht man, weil dieses Kabel auf dem Cover festgeklebt ist, welches das Motherboard umschließt. Mit einem stumpfen Messer und sanfter Gewalt habe ich nun dieses Kabel vom Cover gelöst. Vor meinem geistigen Auge sah ich schon Explosionen und ein nicht starten wollendes Steam Deck. Nachdem das Kabel gelöst war, ließ sich das Cover vergleichsweise einfach entfernen. Endlich sah ich die M.2-SSD. Eine letzte Schraube entfernt, konnte ich diese herausziehen. Die M.2-SSD ist von einer Abschirmung umschlossen, die man leicht auf die neue ziehen kann. Endlich konnte alles wieder zusammengebaut werden. Nach letzten nervösen Kabeleinsteckmanövern, bei denen der Angstschweiß erneut aufkeimte, war es geschafft. Aufwendiger als erwartet, aber doch machbar.

Bevor ich die M.2-SSD tauschte, habe ich das System auf die neue geklont. So konnte ich nach dem Umbau das Steam Deck einfach starten. Trotzdem hat das System (bereits vor dem Umbau) etwas gezickt. Startanimationen wurden keine angezeigt und der Wechsel vom Desktop-Mode in den Gaming-Mode dauerte beunruhigend lange. Also habe ich die ausgebaute 500-GB-M.2-SSD formatiert und die Spiele dorthin kopiert. Das erlaubte mir, das Steam Deck neu aufzusetzen und die Spiele einfach wieder raufzukopieren, ohne hunderte Gigabyte an Daten herunterladen zu müssen. Das Prozedere des Neuaufsetzens, Initialisierens und Einrichtens dauerte zwar sehr viel länger als erwartet (unter anderem deshalb, weil das Erstellen des bootfähigen USB-Sticks am MAC eine Herausforderung war und ich einen Windows-PC benötigte), aber irgendwann war auch das geschafft.

Das Steam Deck flutscht jetzt wieder wie am ersten Tag. Bei den Spielen muss man nur kurz auf „Installieren“ klicken, dann werden die kopierten Dateien verifiziert und ein paar letzte Daten heruntergeladen. Der Emulator läuft ebenfalls schon wieder. Es ist ein tolles Gerät und mit 2 TB fühle ich mich ganz wohl. So muss ich nicht mehr darüber nachdenken, ob noch Platz ist oder etwas gelöscht werden muss. Nun kann ich mich auf das Erleben toller Spiele konzentrieren. Zuletzt seien noch Reddit, die Steam-Seite und diverse andere Onlinequellen gelobt – man findet immer wieder tolle Unterstützung und Beiträge, die bei Problemen weiterhelfen. Das ist die großartige Seite des Internets.