Irgendwann musste es ja so weit kommen. Ich wusste nur nicht, dass der Fall so abrupt und steil vonstattengehen würde. Ich kann mich glücklich schätzen, dass ich die bisherigen 28 Filme des MCU genießen konnte. Natürlich sind manche besser und manche schlechter, doch genervt hat mich bisher keiner. Sie sind Teil eines großen Kanons und in sich kohärent. Thor: Love and Thunder ist eine Beleidigung. Nicht nur für mich, sondern für alle Charaktere, die darin vorkommen.
Das einzige Positive, das ich dem Film abnehme, ist die Performance, die Darstellung und die Atmosphäre, die Christian Bales Bösewicht Gor umgibt. Es ist düster, ernst, gefährlich. Mir gefällt das. Vielleicht etwas überzogen, an manchen Stellen, aber im Allgemeinen gut gemacht. So hätte der Film sein müssen. Selbst den ersten Szenen mit Natalie Portman als krebskranke Jane Foster kann ich etwas abgewinnen. Ihre Reaktionen passen zum Charakter. Doch das war es an positiven Dingen.
Der Rest des Films geht unter in unlustigen Sprüchen, die so gar nicht in den Film passen. Ich hoffe inständig, dass dies der letzte Thor-Film von Taika Waititi ist. Er zerstört für mich den Charakter, zumindest im MCU. Ich hätte gerne gesehen, wie Thor mit den Guardians reist, seine Depression bekämpft und ein Vorbild für mich und so viele andere sein könnte, die diese Krankheit haben. Stattdessen wird es nur eine kurze Rückblendung. Thor nimmt weder sich selbst noch das, was vor sich geht, ernst. Das zerstört den Film und die Bedrohung, die eigentlich von Gor ausgehen sollte. Er ist der »God Butcher«. In den Comics ist es ein wahnsinnig gut geschriebener, vielschichtiger Charakter, eine konstante Bedrohung, die immer im Hintergrund lauert, selbst wenn man ihn nicht sieht. Was in den Comics über Jahre erzählt wurde, wird hier in nicht einmal zwei Stunden erzählt. Eine Schande für das MCU, so eine tolle Erzählung derart zu verbrennen.
Ich will mich nicht lange mit all den negativen Dingen aufhalten, die mir aufgefallen sind. Seien es die nervigen, dauernd schreienden Ziegen, die absolut nicht lustig sind. Auch ein Konzept aus den Comics, das ins Lächerliche gezogen wird. Das Kostüm von Thor sieht aus, als hätte er es aus einem billigen Souvenirladen geklaut. Russell Crowe als Zeus ist die größte Fehlbesetzung des gesamten MCU. Ich kann mir nicht vorstellen, dass Sarah Halley Finn etwas damit zu tun hatte. Außerdem bekommen wir in den ersten 30 Minuten von Korg geschlagene zwei Nacherzählungen, was bisher geschah. Das sind mindestens zwei zu viel. So enttäuscht war ich schon lange nicht mehr. Es tut mir von Herzen weh, Geld für die Blu-Ray ausgegeben zu haben. Ich wünschte, ich hätte den Film nie gesehen und hoffe nun inständig, dass Black Panther: Wakanda Forever besser wird.