Zufriedenheit und Verzicht

Ich bin immer wieder froh und dankbar, dass ich vor vielen Jahren die App »You Need A Budget« (kurz: YNAB) entdeckt habe. Sie hilft mir, meine Finanzen im Blick zu haben. Ich habe sie nicht mit meinem Bankkonto verknüpft (u. a. weil meine Bank nicht unterstützt wird), aber auch deshalb, weil ich die Daten manuell eingeben möchte. Wenn Transaktionen und Ausgaben automatisch übernommen würden, sähe ich manche Dinge vielleicht gar nicht. So muss ich mir ein klein wenig Zeit nehmen – Ausgaben eintragen, sie einer Kategorie zuweisen und bewusster damit umgehen. Natürlich lassen sich regelmäßige Ausgaben als wiederholende Transaktionen eintragen, aber auch diese muss ich bestätigen. Ich mag das.

Mich beschleicht das Gefühl, in letzter Zeit mehr Texte geschrieben zu haben, in denen es um Ausgaben geht oder um Dinge, die ich mir gekauft habe. Sei es eine PS5 Pro oder eine Speichererweiterung für das Steam Deck. Und ja, das sind keine kleinen Ausgaben. Allerdings versuche ich, wenn ich mir etwas Größeres, Neues anschaffe, dass ich das durch den Verkauf von alten Sachen ausgleiche. Natürlich gelingt das nicht immer 1:1. Aber durch den Verkauf der alten PS5 sowie diverser Spiele, Bücher und Blu-rays habe ich die Pro-Version zumindest fast wieder hereingeholt. Ein paar Sachen muss ich noch auf Willhaben einstellen, aber dazu hatte ich noch keine Zeit. Neue Sachen sind schön und gut, aber für mich muss es sich lohnen. Passt es zu meinen aktuellen Prioritäten? Kann ich andere Sachen verkaufen, um es auszugleichen? Habe ich dazu Geld in meinem Budget (also in YNAB) zur Verfügung?

Besonders in den Sommermonaten ist die Versuchung groß, Anschaffungen mit dem Urlaubsgeld zu begründen. Doch wie viel bleibt davon wirklich übrig, wenn in zwei Monaten eine größere Versicherung zu zahlen ist, ein Kredit zurückgezahlt werden möchte oder andere Verpflichtungen anstehen? Muss es wirklich das neue Ding sein, oder reicht vielleicht das alte noch aus? Prioritäten setzen ist wichtig, genauso muss man aber mit dem, was man hat, zufrieden sein können. Ja, ich weiß, wer im PS5-Pro-Haus sitzt, soll nicht mit Controllern werfen. Aber so viele alte Dinge zu verkaufen, bis ich diese Anschaffung wieder hereingeholt habe – das war es mir wert.

In YNAB habe ich letztens eine tolle Möglichkeit herausgefunden, um meine Prioritäten stets sichtbar zu haben. Kern von YNAB sind Kategorien. Jede Ausgabe wird einer Kategorie zugewiesen. Ich habe Kategorien für Versicherungen, Miete, Lebensmittel, Friseur, Kreditrückzahlung, Sparmaßnahmen und Tanken, Werkstatt, aber auch für Luxusgüter wie Restaurantbesuche, Techniksachen und Hobbys. Wenn ich irgendwo sparen wollte, bin ich bisher dazu übergegangen, diejenige Kategorie einfach zu löschen. Wenn ich zwischendurch allerdings einen guten Deal entdeckt habe oder eine Ausgabe notwendig war, musste ich diese Kategorie wieder anlegen. Zum einen lästig, zum anderen schlecht für eine aussagekräftige Statistik – und wer mag keine schönen Statistiken über die eigenen Ausgaben? Deshalb ergänze ich beim Namen dieser Kategorien einfach ein »on hold«.

Diese kleine Ergänzung »on hold« verdeutlicht, dass ich in diesem Bereich, Hobby oder Teilaspekt sparen möchte. Es hat keine Priorität. Werde ich es schaffen, die »on hold«-Kategorien bis Ende des Jahres nicht anzufassen? Wahrscheinlich nicht. Allerdings ist dieser Zusatz ein mentales Hindernis. Es zeigt mir wiederholt, dass mir zurzeit etwas anderes wichtiger erschien. Bevor ich nun eine Ausgabe in dieser Kategorie tätige, kann ich darüber nachdenken, ob dies immer noch der Fall ist. Und da die Kategorien »on hold« sind, werden sie nicht befüllt, das heißt, es ist kein Geld darin, das ich ausgeben könnte. Ein netter Trick und ich bin gespannt, wie er über die nächsten Monate funktioniert.

Prime Days, Black Friday, Summer Sale und wie sie nicht alle heißen. Scheinbar gute Angebote und Rabatte warten um jede Ecke, lauern einem auf. Diesen Versuchungen zu widerstehen, ist nicht immer leicht. Ein bewusster Umgang mit den eigenen Finanzen wird umso wichtiger. Ein unverzichtbarer »Skill«. YNAB und deren fantastischen YouTube-Videos sind für mich das Mittel der Wahl. Aber jede*r muss hier einen eigenen Weg und eine eigene Methode finden. Ebenso wichtig erscheint mir, sich in Demut zu üben, zufrieden zu sein mit dem, was man hat, und ein bisschen nachzudenken, bevor man den »Kaufen«-Button drückt.

Towfiqu barbhuiya | Unsplash