Wenn Katzen questen

Seit der Reaktivierung meines Steam Decks bin ich bemüht, meine Steam-Bibliothek nach geheimen Schätzen zu durchforsten. Das Gaming-Handheld von Valve eignet sich wunderbar, um Indie-Spiele nachzuholen. Durch diverse Bundle-Deals habe ich über die Jahre so einige kleinere und größere Indie-Spiele zusammengesammelt. Viele sagen mir nichts. Deshalb gehe ich bei der Auswahl eines Spiels nach zwei Kriterien vor: Wie gefällt mir das Artwork und was sagt mir der Titel? Und wie lange dauert ein normaler Durchlauf? Zweites lässt sich mithilfe eines kleinen Plugins direkt in der Spiele-Kachel anzeigen. So spiele ich mich langsam durch meine Sammlung.

Dieses Mal war »Cat Quest« an der Reihe. Das Artwork des Spiels schaut knuffig aus und ein Spieldurchgang sollte nicht mehr als sechs Stunden in Anspruch nehmen. Also, Spiel gestartet und los ging es. Nach einem kurzen Intro-Video kann es auch schon losgehen. »Cat Quest« ist ein kleines, nettes Rollenspiel. Es sind alle Elemente vorhanden, die man von den großen Produktionen kennt: Man kann sich den Charakter zusammenstellen, wie man möchte, sei es mehr als Krieger oder mehr als Magier. Wobei man stets beides verwenden sollte, um die Kämpfe gegen Drachen und andere Monster zu überstehen. Man sammelt Erfahrungspunkte, levelt auf und trifft unzählige NPCs, die einem Nebenquests geben. Auf der übersichtlichen Karte gilt es, Dungeons zu entdecken, Dörfer von bösen Magiern zu befreien und natürlich eine Hauptquest zu verfolgen.

Wie der Titel des Spiels erraten lässt, ist unser Held eine anthropomorphe Katze, die man steuert. Auch alle anderen Charaktere sind an Katzen angelehnt. Richtig wild wird es allerdings bei den Namen dieser Charaktere, der Städte, die sie bewohnen, und der Landstriche, die man durchquert. So gut wie alles ist mit einem mehr oder weniger guten Wortwitz versehen. Ich habe »Cat Quest« auf Englisch gespielt und da kommen diese Wortwitze natürlich noch einmal mehr zur Geltung. Man gewöhnt sich recht schnell daran und es ist irgendwie witzig. Natürlich dürfen auch Film- und Spielereferenzen nicht fehlen. So heißt eine Quest beispielsweise »The Lion King«. Oder eine Archäologin, die man trifft, nennt sich Cara Loft.

»Cat Quest« orientiert sich an den Genre-Gewohnheiten, dampft diese aber auf clevere Weise ein, sodass sie für die kleine Katzenwelt hervorragend funktioniert. Die Steuerung ist simplifiziert, verlangt aber in manchen Kämpfen durchaus, dass man Gegner lesen lernt und alle Fähigkeiten im Arsenal nutzt. So stehen die unterhaltsam geschriebenen Dialoge und die Charaktere im Vordergrund. Sprachausgabe gibt es an sich keine, man klickt und liest sich durch die Unterhaltungen. Besonders charmant finde ich, dass die Nebenquests in Kapitel aufgeteilt sind. Dadurch begegnet man Charakteren immer wieder. Manche Nebenquest macht man in einem Rutsch durch, bei manchen braucht man etwas mehr Zeit, bis man das empfohlene Level erreicht hat.

Durch diese Hinweise (u. a. empfohlene Level für Quests und Totenköpfe bei Gegnern, die zu stark für einen sind) nimmt »Cat Quest« Spieler*innen an die Hand und führt sie durch eine toll ausgearbeitete Welt. Ich habe knapp über 5 Stunden gebraucht. Das beinhaltet die Haupt- und einige Nebenquests. Es ist kurzweilig und nicht unerwähnt bleiben darf die ohrwurmtaugliche Musik. Fabelhaft. Die noch offenen Aufgaben werde ich sicherlich in den nächsten Tagen immer mal wieder angehen. Es gibt erstaunlich viel zu entdecken auf der kleinen Inselgruppe.

Eine Sache möchte ich noch kurz ansprechen. Denn Insgeheim verfolge ich eine Intention mit diesen Indie-Titeln und kürzeren Spielen: Ich möchte meinen inneren »Completionist« ablegen. Ich möchte es mir abgewöhnen, Spiele „platinieren“ zu wollen oder alles zu machen und zu schaffen. Das erzeugt nur unnötig Druck und steht teilweise einem tollen Spieleerlebnis im Weg. Es reicht völlig aus, eine nette Geschichte zu erleben, spannende Welten zu entdecken und interessante Charaktere kennenzulernen. Da kommt auch die einzige große Schwäche von »Cat Quest« ins Spiel: Das Ende ist recht abrupt und man darf sofort weiter erkunden. Ohne Abspann oder dergleichen. Das ist etwas unbefriedigend. Ansonsten hatte ich mit »Cat Quest« aber eine tolle Zeit.

Levi Meir Clancy | Unsplash