Manche Restaurantbesuche sind einfach nur schräg. Bereits vor über einer Woche wollte ich mit Freund J. das neue Lemon Chili in Salzburg ausprobieren. Wobei es nicht mehr Lemon Chili heißt, sondern Pizzeria »casaantonio«. Mit dem Ende des Lemon Chili und nun, wo auch der Name nicht mehr am Gebäude steht, geht eine Ära zu Ende. Das Lemon Chili war immer da. Mal unter neuer Führung und mit einer leicht geänderten Karte oder dergleichen, aber der Kern war stets derselbe. Nun heißt es also casaantonio. Ich weiß noch nicht, was ich davon halten soll.
Der erste Versuch, dort zu essen, scheiterte. Am Abend macht das Restaurant um 17:30 Uhr auf. Das wussten wir nicht und waren bereits zehn bis fünfzehn Minuten früher da. Es war sonnig und warm und ein Kellner war gerade dabei, die Tische fertigzumachen. Was würdet ihr tun, wenn Gäste vor der offiziellen Öffnungszeit auftauchen? Ich würde sie freundlich begrüßen und ihnen Bescheid geben, dass wir erst in etwa 10 Minuten öffnen, aber sie könnten sich schon einmal hinsetzen, wenn sie möchten. Sie müssten nur etwas warten. Vielleicht bietet man an, sie könnten doch zumindest Getränke bestellen. Immerhin ist das Restaurant erst seit ein paar Monaten geöffnet. Es muss sich noch einen Namen machen, selbst wenn es in Salzburg bereits mehrere Standorte gibt. In der Situation brauche ich alle Kund*innen, die positiv über mich berichten.
Stattdessen wurden wir weggeschickt. Es wäre ja noch nicht offen und wir sind zu früh dran. Okay. Zwar hatten wir die Absicht, an jenem Abend wiederzukommen, aber unweit von Casaantonio ist ein wunderbares kleines asiatisches Lokal. Es ist nur ein kleines Gebäude, betrieben von einem einzelnen Mann. Das »Uncle Van« hat Charme. Das Essen ist unfassbar schnell fertig, man kann sich etwas mitnehmen oder vor Ort essen und es schmeckt hervorragend. Außerdem ist es günstig. Wirklich toll. Und die Portionen sind nicht unbedingt klein. Eine schöne Entdeckung.
Letzten Freitag wollten wir Casaantonio eine zweite Chance geben. Wir gingen also hin und wurden halb freundlich begrüßt. Dazu muss man wissen, dass der Gastgarten sehr groß ist. Man betritt das Gelände durch ein breites Einfahrtstor. Auf der linken Seite ist das Gebäude mit Lokal, Küche und Wintergarten. Rechts ist der Gastgarten, der sich über zwei Ebenen erstreckt. Dazwischen können Autos durchfahren, da sich hinter dem Gebäude Parkplätze befinden. Es herrschte schon reges Treiben. Doch wirklich kümmern wollte sich keiner um uns. Bis wir bemerkt haben, dass weiter hinten ein Hochtisch mit einer netten Dame dahinter stand. Dort wird man einem Tisch zugeteilt. Das war im ersten Moment nicht erkennbar, da niemand der dort arbeitenden Personen das Gleiche trägt.
In einem Restaurant sollte zumindest das Oberteil immer gleich sein. Es ist eine Art Uniform, die den Gästen anzeigt, wer hier zuständig ist, wer hier arbeitet. Es ist eine Kleinigkeit, macht aber sehr viel aus. Hier trägt scheinbar jeder, was er gerade gefunden hat. Wir wurden unserem Tisch zugeteilt und haben erst einmal Getränke bestellt. Sofort fiel auf: Der Tisch wurde schon länger nicht mehr abgewischt und steht ungünstig unter einem mit Läusen befallenen Baum. Sie war der Tisch übersät mit den Viechern – hygienisch geht anders. Überhaupt machte der Gastgarten einen eher lieblosen Eindruck. Für ein neues Restaurant stehen zu viele Dinge herum (inkl. Holzteile und ungenutzte Metallkonstruktionen) oder wurden mit Ducktape gefixt. Unter den Sonnenschirmen tummelten sich die Insekten. Alles nicht so ideal.
Kurze Zeit später konnten wir unser Essen bestellen. Der Kellner machte einen unmotivierten, leicht genervten Eindruck. Überhaupt machten irgendwie alle 8+ Angestellten in dem Lokal diesen Eindruck. Ein junger Aushilfskellner (?), der nicht den Eindruck machte, dass er zum Personal gehören würde – dafür war er zu engagiert – brachte uns das Essen. Freund J. aß Nudeln, ich versuchte mich an Bruschetta. Wir waren beide mit dem Essen zufrieden. Es schmeckte gut und wurde hübsch präsentiert. Manches ist für den Preis etwas zu klein portioniert, aber im Großen und Ganzen in Ordnung. Nur die kleinen grellgrünen Käferchen nervten etwas.
Ich hatte vorhin die Durchfahrt erwähnt. Während unseres Aufenthalts kam ein älterer Herr mit einem viel zu großen Auto an und versuchte, durch diese zu navigieren. Diese war frei, war zumindest mein Eindruck. Doch irgendwie hat er es geschafft, den Tisch der Empfangsdame und ein Regal (?) mitzunehmen. Ich bin mir nicht ganz sicher. Jedenfalls ging einiges zu Bruch. Er blieb zwar kurz stehen und hat die Fenster geöffnet, aber fuhr dann stur weiter. Es knackte und krachte. Ob jemand die Reifen kontrollierte, weiß ich nicht. Wo jetzt überall Glasscherben herumliegen, weiß wahrscheinlich auch niemand. Als der Fahrer durch die Einfahrt zurückstolperte, wünschte ich, wir würden regelmäßig die Fahrtauglichkeit von Menschen kontrollieren, ob sie ihren Führerschein noch besitzen dürfen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob er irgendwie zum Restaurant gehört oder einfach nur irgendwo in der Nähe wohnt. Es war seltsam.
Ja, das alte Lemon Chili ist nicht mehr. Leider. Vielleicht kommt irgendwann, irgendwo ein neues Lokal mit diesem traditionsträchtigen Namen in Salzburg auf.