Fitness Tracking

Vor über zwei Monaten habe ich meine Apple Watch abgelegt und verkauft. Ich bereue es nicht. Es ist erstaunlich, wie sehr man sich daran gewöhnt hat, über alles Mögliche sofort eine Mitteilung zu bekommen. Natürlich kann man das anpassen – individualisieren – trotzdem bleiben doch immer welche übrig. Man kann doch nicht komplett auf Mitteilungen verzichten. Oder etwa doch? Dann noch der unterschwellige Druck, die Ringe zu schließen. All das ist seither weg. Ich schaue nun zwar öfter mal aufs iPhone (sei es wegen der Uhrzeit oder ob Nachrichten eingetroffen sind), aber ich denke nicht, dass es sehr viel mehr ist als vorher.

Selbst ohne Apple Watch treibe ich regelmäßig Sport. In den vergangenen Wochen ist es tendenziell sogar mehr oder zumindest regelmäßiger geworden. Sei es Kraftsport, Yoga, ausgiebige Spaziergänge, Pilates etc. Auf den eigenen Körper zu achten, ohne dass einem ein Gerät sagt, ob es gerade zu viel ist oder nicht, tut wirklich gut. Trotzdem wünsche ich mir manchmal ein paar Daten zu dem Sport, den ich so mache. Sei es einfach nur eine Schrittzahl, Kilometer oder Herzfrequenz – die Basics eben. Aber wo fängt man an und wo hört man auf?

Ich habe etwas recherchiert, welche Fitness-Tracker es abseits der Apple Watch so gibt. Bei den preiswerteren Modellen landet man schnell beim »Fitbit Charge 6«. Dieser kostet knapp über 100 Euro, je nach Angebot, hat GPS verbaut und scheint ein solides Gerät zu sein. Allerdings hat dieser schon zwei Jahre auf dem Buckel und wer weiß, wie lange Google diesen noch unterstützt. Es ist ein gewisses Risiko. Wenn man sich dann auf der Garmin-Seite umsieht und durch die Geräte und Eigenschaften liest, wird es sehr schnell sehr teuer. Selbst wenn es nicht die neueste Fenix ist, kostet eine gute Forerunner schon mal über 700 €. Das ist wieder etwas Overkill. So viele Funktionen brauche ich nicht und Laufen steht aktuell nicht auf dem Plan.

Eine Marke, die ich tatsächlich nicht im Blick hatte, war Xiaomi. Mit ihren »Smart-Band«-Geräten scheinen sie richtig gute Arbeit zu leisten. Die Herzfrequenzmesser können sich sehen lassen und die zusätzlichen Sensoren funktionieren scheinbar erstaunlich zuverlässig. Nur der Schlaftracker könnte besser sein, aber ob ich den überhaupt nutzen würde, steht in den Sternen. Eigentlich mag ich es nicht, die Nacht über etwas am Handgelenk zu tragen. Mit knapp 50 € ist der Preis allerdings unschlagbar. Jedoch hat die Standardversion kein GPS verbaut. Die Version 10 ist im Moment die aktuellste. Von der Vorgängergeneration gab es eine Pro-Variante mit eingebautem GPS. Mal sehen, ob bei der 10. Generation ebenfalls eine Pro-Variante folgt. Diese kosten immer noch unter 100 €.

Man möchte glauben, ein großer Markt an Fitnessgeräten würde die Suche vereinfachen. Doch so ist es leider nicht. Mit jedem Gerät wächst die Varianz und man muss sich durch noch mehr Möglichkeiten wühlen. Vor allem wenn man sich etwas Preisgünstiges zulegen möchte. Und es besteht immer die Gefahr, dass man aus Versehen in die nächste Preiskategorie rutscht. Man fängt bei 100 € an und kaum versieht man sich, weil diese oder jene Funktion ja ganz praktisch wäre – schon landet man beim x-ten Hersteller und gibt über 600 € für ein Gerät aus, dessen Funktionsflut man nie nutzen wird. Erstmal werde ich abwarten. Vielleicht kommt in den nächsten Wochen doch noch die »Xiaomi Smart Band 10 Pro« heraus. GPS wäre schon praktisch. Wobei das Gerät auf den Bildern durchaus klobig wirkt.

Manchmal ist die beste Entscheidung, die man treffen kann, keine. Einfach das Browser-Fenster schließen und einen Spaziergang machen. Wie lange der war, interessiert doch eh niemanden. Oder mal wieder eine Runde mit dem Rad fahren. Habe ich heuer auch noch nicht gemacht. Beim Sport kommt es doch darauf an, Freude an der Sache zu haben. Wie weit, wie hoch, ist nicht so wichtig. Ob es mir Spaß gemacht hat oder nicht, ob es anstrengend war oder noch mehr gegangen wäre, kann ich auch so beurteilen.

Mika Baumeister | Unsplash