Bevor Marvel die »first family« ins MCU einführt und ein hoffentlich würdiges, filmisches Abenteuer inszeniert, muss ich mir die früheren Versuche noch einmal anschauen. Dazu zählen vorwiegend die beiden Teile mit Ioan Gruffudd als Reed Richards, Jessica Alba als Susan Storm, Chris Evans als Johnny Storm und Michael Chiklis als Ben Grimm. Victor von Doom wird dargestellt von Julian McMahon. 20 Jahre ist dieser Film alt. Eigentlich ein schönes Jubiläum, dass Marvels first family nun ins MCU einzieht.
Als ich mir die Blu-Ray-Hüllen angesehen habe, war ich äußerst überrascht von der Laufzeit. Der erste Teil hat knapp über 100 Minuten, der zweite gerade einmal knapp über 90. Man sehe und staune, welch kompakte Filme man machen kann, wenn man sich auf eine Geschichte konzentriert und diese konsequent erzählt. Es gibt wenige bis keine Nebenhandlungen, Nebencharaktere werden auf ein Minimum beschränkt. Das ist äußerst erfrischend. Die Frage ist nur: Kann man sich Fantastic Four heute noch gut ansehen? Oder merkt man ihnen zu deutlich die Zeichen ihrer Zeit an?
Nein und Ja. Johnnys Umgang mit Frauen ist nicht gut gealtert. Der nicht gerade unterschwellige Sexismus, das Begrabsche und dauernde Heranmachen an die Frauen in seiner direkten Umgebung, ohne jede Rücksicht oder Scham oder auch nur einen Hauch von Nachdenken, tut weh. Dieser Aspekt des Films ist nicht einfach zu ertragen. Johnny ist allgemein ein Kind seiner Zeit. Die Aufmachung, seine Einstellungen, wie er gespielt wird, ist nicht mehr zeitgemäß. Seine »Witze« über Bens Aussehen und die Streiche, die er ihm spielt, sind ebenso überholt, wie sein übertrieben draufgängerisches Gehabe. Kaum zu glauben, dass Chris Evans später Captain America mimt.
Ich habe den ersten Film seit mindestens 17 Jahren nicht mehr gesehen. Doch ich konnte mich an gewisse Szenen und Augenblicke noch gut erinnern. Früher mochte ich den Film durchaus. Doch man war jung und naiv. Gelegentlich liest oder hört man Entschuldigungen, wie: Man muss den Film als das bewerten, was er ist, und berücksichtigen, aus welcher Zeit er stammt. Nur entschuldigt das gar nichts. Es ist einfach nur falsch und unverzeihlich. Besonders in einem Film wie Fantastic Four.
Doch auch die Entwicklung des Teams ist gespickt mit Klischees. Sie müssen sich zerstreiten und trennen, um am Ende doch zusammenzufinden. Die zugrundeliegende Origin-Story ist prinzipiell nicht schlecht und hätte viel Potenzial gehabt, zu etwas bemerkenswerten zu werden. Fantastic Four kommt aber nicht über seine großen Schwächen hinaus. Hier hätte man mehr Weitsicht beweisen müssen.
Der zweite Teil, Rise of the Silver Surfer, ist zwar besser als sein Vorgänger, doch er wiederholt ebenso viele Fehler. Johnny ist nicht mehr ganz so nervig wie zuvor, doch der gelegentliche Sexismus und seine Überheblichkeit trüben die Erfahrung des Films. Die Hochzeit von Susan und Reed ist so vorhersehbar wie langweilig. Die gescheiterte Hochzeit, die kalten Füße, das Crashen der Hochzeit von Silver Surfer und Reed, der nicht anders kann, als ein Gerät mitzubringen, das die Zeremonie nicht nur einmal unterbricht – all das strotzt nur so vor unkreativen Entscheidungen.
Am schlimmsten finde ich die schlecht geschriebenen Dialoge. Da kommen Logiklücken zum Vorschein, da wird selbst Silver Surfer neidisch. Reed wird nach dem ersten Scheitern seines Experiments vom Militär angeschnauzt und beschuldigt. Dabei waren sie es doch, die etwas von ihm wollten. Es ergibt alles keinen Sinn. Die Dialoge sind nur so geschrieben, weil den Autoren nichts Besseres eingefallen ist, um Dr. Doom wieder zurückzubringen. Dazu kommen noch offensichtliche Fehler. Beispielsweise das riesige Loch, das der Silver Surfer in die Seine in Paris macht. Das führt dazu, dass der ganze Fluss austrocknet. So funktionieren Flüsse nicht. Es würde trotzdem noch Wasser fließen, nur eben das Meiste in das Loch. Flüsse sind keine Becken, die man wie eine Badewanne ausleeren kann.
Ben und Alicia sind ein nettes Paar. Vor allem Alicia scheint die einzig vernünftige Person zu sein. Ben verkommt leider auch zu einem Comic-Relief, so wie eigentlich alle. Die ständigen Streite zwischen ihm und Johnny waren schon im ersten Teil nicht lustig. Einziger Lichtblick in dem Ganzen ist der Silver Surfer an sich. Ich finde ihn toll gemacht und für 2007 sind die Effekte nicht schlecht. Laurence Fishburne spricht den Charakter, was ihm sowieso einen großen Bonus verleiht. Aber grundsätzlich bekommt auch der Surfer nicht viel zu tun und kann daher nicht viel falsch machen. Galactus haben sie degradiert zu einer großen ominösen Wolke. Das ikonische Design von Jack Kirby sieht man nur andeutungsweise.
Es heißt ja immer »never meet your heroes«. Man wird enttäuscht sein. Ähnliches gilt für Serien und Filme, die man als Kind geliebt hat. Über die Jahre und Jahrzehnte redet man sich die Sachen schön, Erinnerungen sind sowieso konstanten Änderungen unterworfen und man vergisst Details, sodass die positiven Aspekte überwiegen. Ich hatte nur nicht vermutet, dass es bei der Fantastic Four Duologie genauso sein würde. Es sind einfach keine guten Filme. Schade. Dafür geht es in zwei Wochen mit Phase 5 des MCU weiter. Mal sehen, welche Überraschungen uns hier erwarten.
Und nein, den Reboot der Fantastic Four von 2015 schaue ich mir nicht an. Den musste ich bereits im Kino ertragen. Das reicht.