Weiter geht es mit unserer kleinen Reise durch die erste Hälfte der siebten Staffel von The Walking Dead. Tag 3, Folge 3. Wie schon zuvor erwähnt, handelt es sich hier um einen alten Text aus grauer Vorzeit. Dieser erschien im November 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Den Blog gibt es allerdings nicht mehr, trotzdem möchte ich alle meine Texte an einem Ort versammelt wissen.
Nachdem ich den Text gelesen habe, ist mir wieder eingefallen, wie der Auftakt der siebten Staffel gestaltet war. Im Nachhinein betrachtet eine gar keine so schlechte Idee. Jede Folge fokussiert sich auf eine Gruppe und stellt deren Leben dar. So schwenkt der Blick weg von Rick und den anderen Charakteren, die wir seit sieben Jahren verfolgen. Es erlaubt Fragen, ob Ricks Weg der Einzige ist oder ob andere bessere Ideen haben. Voraussetzung ist natürlich, dass man genug spannende Dinge zu erzählen hat.
Wir kennen Ricks Gruppe und die Art, wie sie seit fast sieben Jahren in der Apokalypse überleben. Vergangene Woche haben wir Ezekiel und sein Kingdom kennengelernt. Nun dreht sich alles um The Sanctuary: dem Reich Negans. Dabei werden uns zwei Sichtweisen präsentiert: Zum einen die vom entführten Daryl und zum anderen die von Negans rechter Hand Dwight.
“I am everywhere.” – Negan
Der Einstieg in die neueste Episode zeigt, wie es sich im Sanctuary so leben lässt – zumindest wenn man an der Spitze der Nahrungskette ist. Dwight hat es durch viele Schwierigkeiten geschafft, zu Negans rechter Hand zu werden. Er vertraut ihm alles an, was so zu tun ist. Natürlich nutzt Dwight dies aus und nimmt sich, was er bekommen kann – wobei ihm seine Eier-Sandwiches wohl am wichtigsten sind. Es ist schon erstaunlich, was sich diese Gruppe so alles aufgebaut hat. Wie lange wohnen sie wohl schon hier? Immerhin züchten sie ihr eigenes Gemüse, haben Tiere und Brot. Natürlich mag das meiste davon zusammengeklaut sein, doch auch ohne die anderen Gruppen scheint es so, als könnten sie eine Weile überleben.
Daryl hat es indessen nicht so gut erwischt. Er soll gebrochen werden, damit er seinen Platz in den Reihen Negans findet. Als Erstes bekommt er Schlafentzug, indem sie ihm Stunde um Stunde dasselbe Kinderlied in ohrenbetäubender Lautstärke vorspielen. Er bekommt Brot mit Hundefutter zu essen. Seine Zelle misst etwas mehr als einen Quadratmeter und er muss sich nackt darin aufhalten. Ach ja, an Licht gibt es nur, was durch den Spalt unter der Tür scheint. Wie lange diese Folter andauert, vermag man nicht wirklich zu sagen. Aber ein paar Tage werden es wohl schon sein. Die Momentaufnahmen aus Darlys Dasein sind einwandfrei gemacht, vor allem da sie einen extremen Gegensatz zum vorher gezeigten Dwight und dessen Freiheiten darstellen. Dadurch schmerzt es noch einmal mehr, unseren Freund so zu sehen.
Schließlich wird er mit primitiver Kleidung ausgestattet und Dwight zeigt ihm die Umgebung, bringt ihn sogar zum Arzt, der ihn notdürftig untersucht. Dies ist der Zeitpunkt, in dem Daryl die Ex-Frau von Dwight kennenlernt (kennen sich die beiden bereits?). Sie ist nun eine der Frauen von Negan. Wie auch im Comic ist es Negan immer wieder wichtig klarzustellen, dass die Frauen freiwillig mit ihm verheiratet sein müssen und er sie zu nichts zwingen will. Besonders, wenn es um Sex geht, ist ihm dies sehr wichtig. Was allerdings eine „freiwillige“ Heirat unter den gegebenen Umständen tatsächlich ist, sei einmal dahingestellt.
Während Dwight auf einer Mission ist, um einen Geflüchteten zu jagen, wird Darly einem Test unterzogen. Eine der wohl bemerkenswertesten Szenen in dieser Episode ereignet sich, als Dwight jenen Mann einholt und dieser ihn bittet, ihn doch einfach zu töten. Doch leider wird dieser Moment durch einen seltsamen Handgriff der Autor*innen zunichtegemacht. Jedoch ist es ein wichtiges Ereignis, das zeigt, dass Dwight nicht nur ein blinder Gefolgsmann ist, sondern langsam seine Zweifel bekommt, ob Negans Weg der Richtige ist. Daryls Flucht, bei der er vor eine Wahl gestellt wird, ob er nun probiert zu flüchten oder freiwillig in seine Zelle zurückkehrt, endet bedauerlicherweise nicht besonders hübsch für ihn. So bekommt er eine weitere Machtdemonstration von Negan, der ihm klarmacht, dass er alle seine Männer unter absoluter Kontrolle hat. Als jeder einzelne fragt, wer er sei und sie antworten „I am Negan” beeindruckt dies und man weiß, Daryl wird sich darauf wohl nicht einlassen. Also wird er erst einmal ordentlich verprügelt.
Enttäuschenderweise entwickelt sich die restliche Episode dann zu einer reinen Machtdemonstrationsfolge. Bisher hat es gut funktioniert, aber irgendwann reicht es dann auch. Wenngleich Jeffrey Dean Morgan den Tyrannen weiterhin perfekt spielt, bleibt ein fahler Beigeschmack. War es wirklich notwendig, den Fokus von Dwight und Daryl zu Negan zu verlegen? Im Prinzip wird doch nur das wiederholt, was bereits in der ersten Episode gezeigt wird, nur, ohne dass etwas auf dem Spiel steht. Denn nur wenn Daryl in dieser Episode gestorben wäre, hätte es einen Schockmoment gegeben. So verpufft alles zu heißer Luft.
Ab Daryls Fluchtversuch und Dwights Jagd nach dem geflüchteten Mann scheint es eine Füllerepisode zu sein. Denn wenn die Macher der Serie nun dazu übergehen würden, parallel die Geschehnisse in Alexandria zu zeigen, wäre doch alles viel zu schnell vorbei. Sie könnten es nicht so sehr in die Länge ziehen, wie es für eine gesamte Staffel notwendig ist. Dabei bietet der Comic doch wundervolle Vorlage, die in diesem Fall nicht konsequent genug gezeigt wird. Wir wissen bereits, dass Negan ein Monster ist und wenn er immer wieder so gezeigt wird, ohne seine anderen Charaktereigenschaften in den Vordergrund zu rücken, kann es schnell passieren, dass er zu einem generischen Bösewicht wird.
Die dritte Episode von The Walking Dead kann das Niveau der ersten beiden nicht ganz halten, auch wenn es bis zur Hälfte eine gelungene Darstellung zwischen Paradies und Albtraum ist. Es bleibt spannend, welchen Aspekt wir als Nächstes sehen. Langsam müssten wir aber nach Alexandria zurück und Ricks Gruppe dabei beobachten, wie sie diverse Fahrten erledigen, um Negans erster Opferung Genüge zu tun.