Geek-Planet | The Walking Dead: S07E08

Leider habe ich mir das Datum nicht notiert, an dem der folgende Text ursprünglich erschien. Wahrscheinlich irgendwann Ende 2016, wenn ich den ersten Satz richtig deute. Vielleicht aber auch etwas später. Jedenfalls erschien der Text zuerst auf meinem alten Blog »Geek-Planet«, den es heute nicht mehr gibt. Die Texte sollen jedoch trotzdem auffindbar sein.

Mich hat überrascht, dass der Text über das Halbfinale nur halb so lang ist wie der Letzte. Doch das erklärt sich daraus, dass ich das Ende kaum bespreche. Ich übergehe sehr viel. Im Nachhinein wünschte ich fast, ich hätte es genauer durchgenommen. So wirkt der letzte Absatz etwas gehetzt und fast so als wäre mir die Motivation vergangen oder ich hätte keine Lust mehr gehabt, über TWD zu schreiben. Dies ist vorerst auch tatsächlich der letzte Text zur Serie, den ich geschrieben habe. Zumindest zur Hauptserie. Scheinbar habe ich mit Staffel 7 aufgehört, die Serie zu schauen. Aber wer weiß das schon noch so genau. Es ist immerhin neun Jahre her.

Jedenfalls liest sich das Halbfinale der siebten Staffel recht spannend, und es ist etwas traurig, dass unsere TWD-Woche schon wieder vorbei ist. Nächste Woche geht es erst einmal mit der Besprechung der Comics weiter.


Bevor es mit der zweiten Hälfte der siebten Staffel weitergeht, reiche ich euch noch das Review der letzten Folge nach. Darin bricht die Serie etwas mit der bisherigen Konvention und bietet uns verschiedenste Schauplätze. Deshalb ist es mal wieder eine überlange Folge, die eine ganze Stunde dauert. Anfangs noch am Zweifeln, ob dies ein berechtigter Schritt ist, hat es »hearts still beating« als einzige der vier überlangen Folgen tatsächlich verdient. Denn durch die Menge an Schauspielern, Orten und Handlungssträngen benötigt sie mehr Zeit, um die Geschichten entsprechend erzählen zu können.

“Carl, pass the rolls. Please.” – Negan

Maggie rahmt die Episode. Sowohl zu Beginn als auch am Ende sitzt sie neben Glenns Grab, mit seiner Kappe auf ihrem Kopf. Sie trauert um ihren Mann. Anfangs wirkt sie vielleicht etwas paralysiert, nach einem Weg suchend, ihre Trauer in eine Tat zu verwandeln. Doch die letzte Einstellung spricht eher deutliche Worte: Sie weiß, was zu tun ist. Nach beiden Grabbesuchen geht sie zur Aussichtsplattform neben dem Tor des Hilltops. Hier könnten die Stimmungen nicht unterschiedlicher sein. Es ist ein Zeichen dafür, dass sich während der 60 Minuten, die die Episode dauert, viel getan hat und unsere Protagonist*innen sich deutlich weiterentwickelt haben. Die Ohnmacht der brutalen Morde an Glenn und Abraham behindert sie nicht mehr, nein – sie sind ein Antrieb.

Maggie wird von den restlichen Bewohner*innen des Hilltops als ihre Retterin gefeiert, da sie alle vor den Zombies beschützt hat, während Gregory sich in seinem noblen Zimmer versteckte. Gregory ist auch derjenige, der mehr oder weniger offen seine Ablehnung gegen Maggie zeigt. Schön ist dann zu sehen, wie sich andere hinter sie stellen.

Nach dem Intro wachen wir scheinbar in einer Parallelwelt auf. Negan hat sich im Haus Grimes eingelebt, rasiert sich, kümmert sich um Judith und kocht sogar Abendessen für alle. Er spielt Familie. Doch leider lässt Rick auf sich warten und so beginnen sie ohne ihn das Abendessen. Zum einen finde ich an dieser Stelle fantastisch, dass Olivia es sich nicht nehmen lässt, Negan seine Limonade zu bringen. Sie beißt sich durch und stellt sich der Herausforderung. Eine schöne Entwicklung für den Charakter. Zum anderen ist es eine absurde Szenerie, die den Zuschauer*innen geboten wird, da es nicht nur der Persönlichkeit von Negan widerspricht, sondern mit den bisherigen Eindrücken von The Walking Dead bricht.

Bleiben wir gleich bei dem Handlungsstrang, indem wir uns Spencer zuwenden. Nach der Diskussion mit Gabriel in der letzten Folge packt er die Gelegenheit am Schopf und möchte sich mit Negan treffen. Doch zuvor sehen wir, wie er sein Haus aufräumt. Der Shot ist sehr cool gemacht, da es nicht im Zeitraffer passiert, sondern langsam das saubere über das chaotische Haus eingeblendet wird. Außerdem rasiert er sich und übt die Begrüßung vor dem Spiegel. Natürlich darf ein edler Tropfen Whiskey nicht fehlen, womit man sich doch meistens gut einschleimen kann. Interessant an der Begegnung ist, dass sie wie ein kleines Theaterstück inszeniert ist.

Zuerst das kleine Einführungsgespräch auf der Veranda, dann das Poolspiel auf der Straße, da es drinnen dafür zu heiß wäre. Langsam kommen dann immer mehr Menschen zu ihnen und beobachten die angespannte Unterhaltung. Langsam aber sicher durchschaut Negan Spencers Spiel. Denn dieser hat nur darauf gewartet, dass Rick aus Alexandria verschwindet und er hinter seinem Rücken sich bei Negan gut stellen kann. Doch Negans Argumentation ist nicht zu schlagen: Rick hätte immerhin seinen Stolz und seine Wut hinuntergeschluckt und ist nun unterwegs, um dafür zu sorgen, dass seine Leute überleben – er also sein Ende des Deals einhalten kann. Spencer dagegen ist Feige.

Währenddessen versuchen Rick und Aaron, auf das Schiff zu gelangen, wo hoffentlich viel Zeug zu finden ist, das Negan zufrieden stellt. Mit einem durchlöcherten Boot versuchen sie, zum Schiff zu gelangen. Der See ist allerdings mit Zombies gefüllt. Für Aaron gibt es dann einen Fake-out-Tod, so wie wir es letztens schon erlebt haben. Jedoch ist dieser hier gut inszeniert. Eine mysteriöse Nachricht, die später Aaron fast das Leben kostete, verheißt allerdings nichts Gutes. Wer ist der Besitzer des Schiffes? Welche weiteren Fallen hat er bereitgestellt und wie steht er zu den Saviors? Es ist aber schön zu sehen, dass sich Rick und Aaron ein wenig näher kommen und ihre Freundschaft vertiefen können. Den Eindruck hatte ich zumindest, als sie beim Verladen der Güter ein offenes Gespräch führten.

Bevor wir zu Spencer und Negan zurückkommen können, müssen wir noch über Gabriel und Rosita sprechen. Diese sitzt einsam und in Gedanken versunken mit ihrer einen Kugel in der Kirche. Negan ist in Alexandria, das wäre die Gelegenheit, ihn zu erschießen. Es tut richtig gut, zu sehen, wie sich Gabriel in den vergangenen Wochen entwickelt hat. Er steht für Rick ein und nun versucht er Rosita davon zu überzeugen, auf die richtige Gelegenheit zu warten und nicht zu früh zu schießen. Denn richtige Gelegenheiten sind selten und sollten nicht überstürzt werden. Ansonsten passiert nämlich das, was Rosita schließlich auslöst: Ein dummer Fehler führt zu einer Kettenreaktion, die mich durchaus überrascht hat. Vor allem deswegen, weil mit einem Handlungsstrang aus den Comics total gebrochen wird. Ich will jetzt nicht komplett spoilern, was alles geschieht, aber die Gefühle wechseln immer wieder zwischen lächerlich und schockierend. Vor allem, dass Rosita genau Lucille trifft, ist ein besonders ärgerlicher Zufall. Die weitere Umsetzung der Szenerie ist allerdings nicht zu unterschätzen.

Das Ende zeigt alle nach Handlung schreienden Charaktere am Hilltop. Sie planen, sich Negan endgültig zu entledigen. Und dieser Plan wird jetzt geschmiedet. Es ist ein cooler Shot, wie alle dem Haus von Maggie entgegentreten und zur Tat schreiten. Sonntag kann nicht schnell genug kommen.