Android

Seit 14 Jahren bin ich begeisterter Apple-Benutzer. Mit dem iPhone 4 hat alles angefangen. Wobei es eigentlich etwas früher war. Meine Einstiegsdroge in das Apple-Universum war ein weißes MacBook. Wenn ich mich richtig erinnere, hatte das noch ein Kunststoffgehäuse. Doch es fühlte sich wertig an. Die Verarbeitung war toll und das Betriebssystem, im ersten Moment noch befremdlich, funktionierte einfach. Man musste sich keine großen Gedanken machen, sondern konnte es ohne Probleme nutzen. Windows Vista hat mich damals von Microsoft weggedrängt und in die Welt von Steve Jobs geführt.

Zehn iPhones habe ich seither besessen. Für 15 Jahre sehr viel, eigentlich. Es gab Zeiten, da habe ich fast jährlich gewechselt, dann wieder drei Jahre dasselbe benutzt. Wie es mir eben gerade hineinpasste bzw. ich es mir leisten konnte und wollte. Ich war stets zufrieden. Vor allem, weil das Ökosystem in sich hervorragend synergierte. MacBook, iPhone, iPad und Watch bilden ein gemeinsames Ganzes. Es ist bequem, unkompliziert und so lange es funktioniert und man mit den Geräten zufrieden ist, die Apple einem vor die Nase wirft, ist alles in Ordnung. Jedoch haben sich in letzter Zeit meine Anforderungen etwas geändert. Und alles begann mit einem kleinen eReader: dem Boox Palma 2.

Diesen habe ich mir vor einigen Monaten gekauft, weil ich einen offenen eReader wollte. Der Boox Palma 2 kommt mit Android ausgestattet daher. Das heißt, man kann sich beliebige Apps installieren. So bin ich in der Lage, nicht nur meine Kindle-Bücher zu lesen und den Kindle-Unlimited-Service zu nutzen. Tolino, Kobo oder auf HumbleBundle gekaufte Bücher sind kein Problem. Die Reader-App von Boox ist fantastisch und für die eigene Bibliothek mehr als ausreichend. Zudem kann ich darauf meine Zeitungen installieren (Falter und Salzburger Nachrichten) sowie in Instapaper gespeicherte Artikel laden. Es ist ein tolles Gerät. Doch für den alltäglichen Einsatz gab es ein Problem: Ich hatte nun immer zwei smartphoneförmige Geräte bei mir. Da musste es etwas Besseres geben.

Also habe ich gesucht, ob es nicht vollwertige Smartphones mit einem E-Ink-Display gibt. Der Boox Palma 2 hat keine Mobilfunk-Ausstattung, sondern nur WLAN. Doch ein reines E-Ink-Display wollte ich auch nicht. Wer schon einmal mit einem eReader hantierte, wird wissen, was ich meine. Zum Lesen sind sie großartig, aber die flüssigste Bedienung ist darauf nicht unbedingt möglich. Schließlich bin ich nach so einigen YouTube-Videos und Artikeln zum Thema auf die Marke TCL gestoßen. Die machen nicht nur Fernseher, sondern auch Smartphones. Eine Reihe ist mit ihrem NXTPAPER genannten Display ausgestattet. Dabei handelt es sich um eine angeätzte, matte Displaytechnologie, die E-Ink zu imitieren versucht. Das scheint sehr gut zu funktionieren, wie diverse Rezensionen und Tests berichten. Und es kostet „nur“ 250€; Mal mehr, mal weniger, je nachdem, wo man es gerade lagernd findet.

Bislang bin ich mit dem Gerät sehr zufrieden. Das Einrichten und Übertragen der Daten hat einige Zeit in Anspruch genommen. Ich weiß nicht, wie viele Passwörter ich eingegeben habe im Laufe der ersten zwei Tage, aber es waren viele. Zum Glück sind nun die wichtigsten in meinem Passwort-Manager der Wahl gespeichert, sodass ich immer und überall Zugriff darauf habe. Die meisten Apps konnte ich im Google Play Store finden und musste nur wenige Alternativen heraussuchen. Natürlich muss ich mich erst an die Bedienung von Android und dem TCL im Speziellen gewöhnen, doch das sollte ich hinbekommen. Immerhin dauert es ein bisschen, bis vierzehn Jahre Muskelgedächtnis überwunden sind.

Am meisten bin ich vom Display begeistert. Dieses hat drei Modi: Normal, Ink-Paper-Mode, Colour-Paper-Mode und Max-Ink-Mode. Es ist wirklich erstaunlich, was TCL in der Lage ist, aus dem Display herauszuholen. Die Ink-Modi sehen E-Ink zum Verwechseln ähnlich. Der Max-Ink-Mode ist nicht nur eine schwarz-weiße E-Ink-Imitation, sondern beschränkt die Nutzung auf acht Apps, die man frei wählen kann. Dann bekommt man nur mehr von diesen acht Apps Benachrichtigungen. Der Rest wird unterdrückt und Hintergrundaktivitäten werden auf ein Minimum reduziert. Das erhöht die Akku-Leistung gewaltig. In den nächsten Tagen und Wochen werde ich das Smartphone eingehend testen. Jedoch bin ich gewillt, ins kalte Wasser zu springen und es für mindestens ein Jahr zu verwenden. Dann kann ich wirklich sagen, ob es etwas taugt oder nicht. Das iPhone 16 Pro wird verkauft.

iOS hinter mich zu lassen bedeutet das Ende einer Ära. iPhones und Apple Watches haben mich durch viele Situationen hindurch begleitet. Aber es ist an der Zeit, etwas Neues auszuprobieren. Google und Apple sind beides amerikanische Firmen. Am Smartphone-Markt gibt es aktuell und auf absehbare Zeit nur diese beiden Player. Android oder iOS war viele Jahre eine fast schon religiöse Frage. Beide Systeme haben ihre Vor- und Nachteile. Jetzt schaue ich mir eben die andere Seite an.

Fachrizal Maulana | Unsplash