MCU Rewatch | Ant-Man and the Wasp: Quantumania

Mittlerweile bin ich bei MCU-Filmen stets skeptisch. Thor: Love and Thunder hat mich zu sehr schockiert, mit seiner unterirdischen Story, wankelmütigen Atmosphäre und abstrusen Charakteren. Doch Black Panther: Wakanda Forever war hervorragend und ein Testament dafür, was Marvel-Filme erreichen können. Ant-Man and the Wasp: Quantumania liegt irgendwo zwischen den beiden Vorgängern. Mit Quantumania starten wir in die fünfte Phase des MCU, die im Mai dieses Jahres, mit den Thunderbolts auch schon wieder zu Ende geht.

Grundsätzlich erzählt Quantumania eine interessante Geschichte. Janet van Dyne (Michelle Pfeiffer) war immerhin 30 Jahre in der gleichnamigen Welt, die sich quasi unter oder in unserer befindet, gefangen. Dann wurde sie von ihrem Mann Hank (Michael Douglas) und Tochter Hope (Evangeline Lilly) gerettet. Es war nur logisch, im dritten Film zu dieser Welt zurückzukehren. Zwei Filme lang wurde der Quantum-Realm als gefährlich eingestuft und angeteasert. Es wurde Zeit, in zu besuchen.

Das Kernthema des Films bleibt weiterhin Familie. Scott (Paul Rudd) gönnt sich eine Auszeit nach den Strapazen mit Thanos, hat ein Buch geschrieben und genießt sein Leben. Doch seine Tochter Cassie (Kathryn Newton) hält ihn ganz schön auf Trab. Sie macht bei Demonstrationen mit, engagiert sich sozial und wird regelmäßig verhaftet. Sie macht ihrem Vater sogar vorwürfe, dass er nichts macht. Eine steile These und nicht ganz nachvollziehbar. Wenn man das Universum gerettet hat, darf man sich mal eine Auszeit gönnen und mit dem eigenen Buch auf Tour gehen. Zudem hat Cassie mit Hank und Hope am Quantum-Realm geforscht (ohne Janet zu fragen, da diese nicht darüber reden will, was in den 30 Jahren passiert ist). Das Ergebnis ist, dass sie alle in diese winzige, doch ausufernde Welt gezogen werden und nun einen Ausweg finden müssen.

Wie gesagt, die Geschichte an sich ist toll. Die Dialoge zwischen Scott und Cassie gefallen mir, mit den Ausnahmen am Anfang des Films, recht gut. Sie kommen zwar nicht an den Charme der ersten beiden Filme heran, doch man spürt eine Verbindung zwischen den beiden. Genauso die Familie van Dyne. Es sind drei tolle Charaktere und von Schauspielgrößen gespielt, die keine Wünsche offen lassen. Die Welt des Quantum-Realms ist ebenso kreativ und reichhaltig gestaltet. Die Wesen strotzen nur so vor Fantasie, sehen überzeugend aus und die (digitalen) Kulissen wirken imposant. Marvel hat es geschafft, eine neue Welt zu erschaffen und uns näherzubringen, wäre da nicht ein kleines Problem namens The Volume.

Beim Volume dreht man Szenen auf einer Soundstage, die im Hintergrund mit hochauflösenden LED-Wänden ausgestattet ist, auf denen alles Mögliche projiziert werden kann. Am besten selbst einmal googeln. Es ist eine faszinierende Technologie, um CGI-generierte Welten direkt beim Dreh zu erfassen. Diese Technik wurde zum ersten Mal für The Mandalorian entwickelt und eingesetzt. Seitdem verbreitet es sich wie die Pest in anderen Produktionen. Denn so toll es sein mag, als Drehtechnik, so sehr sieht man es den Szenen an, dass sie im Volume gedreht wurden. Die Beleuchtung ist irgendwie falsch, die Charaktere passen nicht so recht zum Hintergrund und heben sich zu sehr davon an. Besonders am Anfang von Quantumania tat ich mir sehr schwer, in den Film reinzukommen.

Dann taucht auch noch M.O.D.O.K. auf. Ein Charakter, der mehr oder weniger ein schwebender Kopf ist. In den Comics mag ich ihn zwar auch nicht sonderlich, doch die Umsetzung dort ist einfacher. Er wirkt besser in einem Comic. In Live-Action sieht es lächerlich aus und reißt mich jedes Mal aus dem Film. Ja, ich bin tatsächlich irgendwann über die Offensichtlichkeit des Volumes hinweggekommen. Das ist aber weniger der guten Integration der realen und digitalen Welt zu verdanken als den schauspielerischen Leistungen. Trotzdem hat es eine Dreiviertelstunde gedauert, bis sich der »suspension of disbelieve« einstellen konnte. Bis ich also dem Film seine Welt abkaufte und mich auf die Erzählung richtig einlassen konnte.

Die schauspielerischen Leistungen, die durch die Bank fantastisch sind, inkludieren auch Jonathan Majors als Kang, The Conquerer. Er ist ein gewaltiger, Furcht einflößender Gegner und hätte der nächste große Bösewicht des MCU werden sollen. Wenn Majors nicht ein dummes, feiges, gewalttätiges Arschloch (bitte verzeiht die Wortwahl) wäre, das seine Freundin schlägt und misshandelt hat. Marvel hat ihn zu Recht gefeuert. Scheinbar haben sie nach Ersatz gesucht, aber es war schwer, ihn zu ersetzen, genauer gesagt jemanden zu finden, der den Charakter stattdessen verkörpern wollen würde. Ich finde es schade, dass die Handlungen eines Menschen solchen Einfluss auf das MCU haben können. Ein neuer Schauspieler hätte den Charakter sein eigen machen können. Es hätte sich mit Sicherheit jemand gefunden. Dafür kommt jetzt Robert Downey Jr. als Dr. Doom zurück. Man kann es noch so drehen, dass es zur Geschichte von Quantumania passt, nur die Mid-Credit-Szene muss man ignorieren.

Quatumania erzählt eine mitreißende Geschichte. Man merkt allerdings, dass die Effekte zu schnell gemacht wurden und The Volume ist kein Ersatz für gebaute Kulissen, das sieht man deutlich. Der Film hat scheinbar knappe 400 Millionen Dollar gekostet. Das ist doch absurd. Für dieses Geld erwarte ich mehr. Da kann man doch zwei Filme von Ant-Man and the Wasp drehen. Die Charaktere stehen für mich nicht unbedingt für solche Mega-Produktionen. Hier möchte ich etwas Kleineres, Intimeres erleben, so wie es die Vorgänger geschafft haben. Das gelingt Quantumania nur zum Teil. Auch wenn das Finale einiges wettmacht.