Am Wochenende, genauer gesagt am Freitag, fand auf der Burg eine kleine Theateraufführung statt. Anlass war der 500. Jahrestag der Bauernaufstände, die jedoch niedergeschlagen wurden. Vor ein paar Wochen sind Freund J. und ich auf diese Veranstaltung getroffen und haben uns Tickets reserviert. Die Preise waren erstaunlich günstig, jedoch ohne Platzreservierung – es war freie Platzwahl. Veranstaltet wurde das Ganze vom kleinen Theater. Wir wussten nicht, was das werden würde, gingen allerdings mit eher konservativen Erwartungen an die Sache heran.
Nach einer Stärkung im Stieglkeller machten wir uns mit der Festungsbahn auf den Weg in die Burg. Es war unfassbar schwül und drückend, ein Besteigen der Burg per pedes war nicht drin. Wir holten uns die Karten und begutachteten den Schauplatz. Bereits eine Stunde vor Vorstellungsbeginn saßen die ersten Zuschauer*innen auf ihren Plätzen. Manche Touristen hat man deutlich erkannt, da sie ihre Plätze mit Schleiern und Schals reservierten, um sich dann irgendwo auf einen Kaffee oder sonstige Getränke zurückzuziehen. Dass niemand ein Handtuch mithatte, erstaunte. Wir reservierten uns keine Plätze, unter anderem aus Ermangelung eines mitgebrachten Schleiers, gingen aber trotzdem erst einmal koffeinhaltige Getränke suchen.
Der Ausblick von der Festung ist immer wieder beeindruckend und ein kleiner Spaziergang rund um die Anlage musste sein, bevor wir uns einen Platz suchten. Als wir zurückkamen, waren die besten Plätze natürlich schon belegt. Zuerst war die Überlegung, sich ganz hinten hinzusetzen. Die Sicht war nicht gerade ideal, trotz des leicht abfallenden Geländes. Da machte eine Bank leicht abseits auf sich aufmerksam. Niemand hatte sich bisher dort niedergelassen. Wir hatten unsere Tickets und es hieß „freie Platzwahl“. Es sprach nichts dagegen, sich also dort hinzusetzen. Die bessere Sicht, leicht von der Seite, wurde allerdings mit der bescheidenen Sitzqualität des parkbankähnlichen Konstrukts bezahlt. Es war alles andere als gemütlich.
Geneigte Leser*innen fragen sich wahrscheinlich, wie lange so eine Vorstellung dauern könnte. Eineinhalb, vielleicht zwei Stunden? Das war auch meine Vermutung, bis uns die nette Dame an der Kasse aufklärte, dass es bis etwa halb elf dauern wird, inklusive Pause. Also mehr als zweieinhalb Stunden. Befürchtungen bezüglich der Qualität der Produktion machten sich erneut breit. Mit ein paar Minuten Verspätung begann schließlich das historische Stück.
Es dauerte etwas, bis ich mich an die Produktion, die Dialoge, Dialekte und die Aufmachung des Stücks gewöhnte. Doch die Schauspieler*innen sind mit einer sichtlichen Leidenschaft bei der Sache und geben sich die größte Mühe. Die meisten machen auch einen guten bis hervorragenden Job. Ein Charakter, der so etwas wie einen Running Gag versuchte, scheiterte aber leider daran. Es war mir nicht ganz klar, was das soll. Aber der Rest war erstaunlich gut. Zwischendurch gab es diverse Gesangseinlagen, welche ebenso mit einer Leidenschaft und einigem an Talent wiedergegeben wurden.
Jedoch war das Stück zu lang. Nach knapp eineinhalb Stunden waren die Bauern vor den Toren Salzburgs angelangt und wir wussten nicht so recht, was noch großartig kommen könnte, was noch einmal eine Stunde beanspruchen würde. Deshalb haben wir uns frühzeitig verabschiedet und die Aussicht des Stieglkellers zum ersten Mal bei Nacht bewundert. Das soll aber nicht an der Qualität des Stücks rütteln. Es war einfach nur zu lang.
Einige der Musikstücke hätte man streichen können. Oder es wie bei Musicals arrangieren, sodass sie die Handlung vorantreiben. Denn meist wurde die Handlung pausiert und mit der Musik wurden mehr Hintergründe und sogar eine Liebesgeschichte erzählt. Das ist an sich nett und das Stück verstand es, den Fokus immer wieder auf einzelne Schicksale zu richten, doch es war zu viel des Guten. Etwas straffer hätte es eine ausgezeichnete Erfahrung werden können. Trotzdem war die kleine Bühne mit der beeindruckenden Kulisse der Burg äußerst sehenswert.

