Geek-Planet | The Walking Dead: Book 8

Es ist Donnerstag und das bedeutet, wir sehen uns einen alten Text von mir an. Der folgende erschien am 26. Oktober 2016 auf meinem damaligen Blog »Geek-Planet«. Ich möchte meine Texte an einem Ort versammelt wissen, deshalb suche ich mir jede Woche zufällig einen aus. Dieser wird redigiert und mit einer kleinen Einleitung versehen, neu veröffentlicht.

Es ist lustig zu lesen, wie ich vor neun Jahren überlegt habe, dass es spannend wäre, die schwarz-weißen Zeichnungen der TWD-Comics in Farbe zu sehen. Seit ein paar Jahren kommen nämlich sogenannte Deluxe Editionen der TWD-Ausgaben heraus. Diese sind nicht nur koloriert, sondern mit einer Einleitung versehen und etwas Bonusmaterial. Ich habe immer mal wieder einen Blick riskiert und war von der Idee ganz angetan. Zwar hat Robert Kirkman gesagt, dass diese Deluxe Editionen in dieser Form nicht als Collected Edition erscheinen, ich habe mich dazu offen gestanden auch nie wirklich informiert, doch cool wäre es auf jeden Fall.


Ist Rick der richtige Anführer der Gemeinde in Alexandria? Diese Frage wird immer wieder angesprochen und recht deutlich in Zweifel gestellt. Es ist schwer, die Grenze zu ziehen und zu beschreiben, ob er die Gefahren unbewusst heraufbeschwört oder doch der Retter ist. In Friedenszeiten, wenn man es so nennen kann, wäre vielleicht ein anderer besser für den Job gemacht, doch so wie es derzeit aussieht, ist Rick der Anführer, den sie verdient haben oder wie es Jim Gordon in »The Dark Knight« sagt:

“He’s the hero Gotham deserves, but not the one it needs right now. So we’ll hunt him. Because he can take it. Because he’s not our hero. He’s a silent guardian, a watchful protector. A dark knight.”

  • Creator, Writer: Robert Kirkman
  • Penciler, Inker, Cover: Charlie Adlard
  • Gray Tones: Cliff Rathburn
  • Letterer: Rus Wooton
  • Erstveröffentlichung: 2011
  • Ausgaben: #85 – #96

“I see a world without roamers… a world where children play in these fields… a world where we don’t have to be scared anymore.” – Rick

Carl liegt mit seiner schweren Schussverletzung noch immer im Krankenhaus der Gemeinde. Rick sitzt neben ihm als Wächter und Beschützer. Doch wie sich herausstellt, sind diese beinahe meditativ anmutenden Stunden nicht nur rein der Trauer, er nutzt sie, um sich über die Zukunft Gedanken zu machen. Er will mehr als nur überleben. Er wünscht sich ein Leben. Damit sie dieses Ziel erreichen können, müssen allerdings einige Vorkehrungen getroffen werden. Die Mauer mit Erde verstärken, die sie aus dem Kanal gewinnen, den sie um die Stadt herum graben. Felder bestellen mit Dingen, die sie hoffentlich finden. Und natürlich sich eine bessere Übersicht der umliegenden Gebiete verschaffen. Es steht damit sehr viel Arbeit an, die nicht allen zusagt.

Nicholas, der im letzten Handlungsbogen von Rick verschont wurde, sorgt in „we find ourselves“ für einige Aufregung, als er versucht, sich mit anderen zu verbünden und den radikalen Plan verfolgt, Rick töten zu wollen. Leider bekommt Glenn das alles mit, aber bevor er zu Tode geprügelt wird, kommt ihm Rick zu Hilfe. Zwei spannende Dinge passieren an dieser Stelle. Zum einen macht er unweigerlich klar, dass seine Gruppe hier das Sagen hat und die Führungspositionen einnimmt:

„You’re taking the community back? Really? From Andrea? From Abraham? From Michonne? From Glenn? From me? Do you have any fucking idea who you’re talking to?“

Verbunden mit den fantastischen Zeichnungen, die jeden einzelnen Charakter zeigen und wie sie ihre eigenen Waffen auf den Verräter Nicholas richten, bekommt man Angst. Doch damit kommen wir zum zweiten Punkt. Denn Rick beschließt, ihn nicht zu töten, zwar knapp, aber er tut es nicht. Stattdessen spricht er ihre Gemeinschaft an und wie wichtig jeder Einzelne ist. Jeder muss etwas beitragen, wenn Alexandria mehr werden soll, als nur eine temporäre Sache. Zugegeben, dass Rick das gesamte Gebiet, das Aaron mit seinem Freund bereits abgesucht hat, noch einmal durchstreift, könnte man als Vertrauensbruch betrachten, doch sie könnten etwas übersehen haben. Die wichtigere Sache ist aber, dass sich alle noch einmal ein besseres Bild des Gebiets machen wollen, damit sie wissen, womit sie es zu tun haben. Welche Ressourcen könnten sie nutzen, nicht nur zur Verteidigung, sondern auch zum Herstellen von Werkzeugen und Waffen, wie es Eugene vorschlägt? Apropos: Im Comic gefällt mir der Charakter um einiges besser als in der Serie. Vielleicht liegt es nur daran, wie der Schauspieler den Charakter interpretiert, aber er hat sich gemausert. Weiter so.

Ich habe mich schon gefragt, wann ein berühmter Charakter auftaucht und in „a larger world“ ist es endlich so weit. Jesus betritt die Bühne. Leider hat er das Pech, dass er, na ja, ungeschickt auf unsere Protagonisten reagiert und diese attackiert. Ansonsten hätte ihm Rick vielleicht schneller vertraut. Aber die Geschichte über seine Gefangennahme und wie Rick mit den anderen das Gebiet nach Angreifern durchstreift, ist spannend zu verfolgen. Was dabei auch gut gefällt, ist die Rolle, die Carl dabei einnimmt. Er unterhält sich mit Jesus und freundet sich mit ihm an.

Aber an dieser Stelle muss man auch gestehen, dass es einfach unglaubwürdig wirkt, wenn plötzlich jemand auftaucht und behauptet, es wären drei andere Gemeinschaften in der Umgebung, wobei eine davon über 200 Personen beherbergt. Doch Hilltown stellt sich als gute Fügung des Schicksals heraus, da sie zufällig genau das haben, was Abraham und Co fehlt: Nahrung und Felder. Schon witzig, dass Ricks erster Eindruck, den er hinterlässt, darin besteht, dass er jemanden von Hilltown tötet. Zwar in reiner Selbstverteidigung, doch er tötet ihn. Bei dieser Szene ist man wieder froh, um die schwarz-weißen Darstellungen, wobei ich es mal cool finden würde, solch einen Vorfall in bunt und Farbe zu sehen. Allein aus dem Interesse heraus, ob das Geschehen dann auch noch so viel Gewicht haben würde oder ob die Zeichnungen hauptsächlich so gut funktionieren, weil sie eben keine Farben enthalten.

Zum Glück sind Jesus und Gregory, der Boss von Hilltown, nicht nachtragend und beginnen, mit Rick zu verhandeln. Da er ihnen nicht sonderlich viel anbieten kann, verspricht Rick ihnen, sie von Negan zu befreien. Einem Tyrannen, der die Hälfte allen Essens bekommt. Selbstverständlich sind die restlichen Bewohner von Alexandria nicht sonderlich von dem Plan begeistert. Wenn man eines nicht behaupten kann, dann, dass Rick nicht selbstsicher sei. Immerhin begreift er alle bisherigen Geschehnisse als Training für das, was ihnen jetzt bevorsteht. Negan steht als Symbol des Teufels, der in dieser Umgebung ausgetrieben werden muss, damit sie wieder ein Leben wie früher führen können. Ob dies allerdings so möglich ist, wird sich in den nächsten Büchern herausstellen.

Noch kurz ein Wort zu zwei Beziehungen, die in beiden Handlungsbögen eine größere Rolle spielen. Zum einen haben wir Maggie und Glenn. Maggie hat schon seit Langem die Gemeinde nicht mehr verlassen und hat die Relationen vergessen, in denen sich Glenn ständig bewegt, wodurch sie übertrieben Angst und Sorge um ihn verspürt. Doch sobald sie einmal gesehen hat, was er kann, geht es ihr besser mit der Situation. So einfach kann es manchmal sein, jemandem ein gutes Gefühl zu verschaffen. Und dann natürlich noch Rick und Andrea. Zwar hätte ich mein Geld auf ihn und Michonne verwettet, doch dass er nun mit Andrea etwas anfängt, ist schön mitzuerleben. Sie sind von ihren Verlusten vorangeschritten und probieren es zumindest. Man kann nur hoffen, dass dies etwas Längerfristiges wird.